# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1855_S130 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 130 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. ke, noch mehr als anderen von ihm, das Gepräge der Unpartheilichkeit und Nüchternheit aufgedrückt*) und nur selten dürfte ein weniger mildes oder doch vollständigeres Urtheil z. B. über gefährliche Schriften wie die eines Gottfried Arnold, eines Thomasius u. A. zu wünschen sein. Das Buch ist eine so reiche Schatzkammer, daß ein lutherischer Prediger, was nur immer in einer gelehrten Einleitung in die gesammte Gottesgelahrtheit aus jener Zeit gesucht werden kann, darin gewiß selten vergeblich suchen wird. Auch dieses Buch sollte sich daher billig in der Bibliothek jedes lutherischen Pfarrers befinden, der sich in der lateinischen Sprache nur irgend zurecht finden kann.**) Wer jedoch dieser Sprache durchaus unkundig ist, dem wüßten wir zum Ersatz des Werkes von Buddeus kein besseres, als eine Schrift des Herausgebers der Werke Luthers, Johann Georg Walch's (der Buddeus' Schwiegersohn war), zu empfehlen, die den Titel trägt: „Einleitung in die theologischen Wissenschaften. Jena, 1737.“ Dieses Werk umfaßt 436 Quartseiten und gibt eine Einleitung: 1. in die göttliche Rechts=Gelehrsamkeit (Naturrecht, Lehre vom göttlichen Gesetz, Casuistik); 2. in die polemische Theologie; 3. in die dogmatische Theologie, 4. in die christliche Sittenlehre und 5. in die Kirchengeschichte Neuen Testamentes. Schon dieses Register zeigt freilich, daß das Walch'sche Werk vieles nicht enthält, was Buddeus in seiner Isagoge gibt. In die genannten Disciplinen gibt jedoch auch dieses in deutscher Sprache geschriebene Buch allerdings eine gründliche Einleitung, zeigt den Umfang und die Principien derselben und gibt, unter Angabe der dazu nöthigen literarischen Hülfsmittel, Anweisung wie ein fruchtbares Studium jedes der behandelten Zweige der Theologie anzustellen sei. Merkwürdig ist — um nur einen Ausspruch anzuführen —, daß hier schon Walch in die Worte ausbricht: „Es ist billig als eine Schande anzusehen, daß manche Lehrer und Prediger, die sich von Luthero nennen, entweder nichts, oder doch sehr wenig von ihm gelesen haben.“ Indem wir nun zu den Schriften übergehen, welche die theologische Methodologie oder eine Anweisung, welche Methode bei dem Studium der Theologie zu befolgen ist, enthalten, so führt uns dieß allerdings auf eine Gattung von Schriften, welche nicht sowohl für Pfarrer, als vielmehr für solche geschrieben sind, die ihre theologischen Studien erst beginnen wollen; *) Rudelbach sagt außerdem mit Recht von Buddeus, daß derselbe zum Pietismus in dem Verhältniß stehe: „daß er die Früchte desselben sammelt.“ **) Hierbei leugnen wir jedoch nicht, daß Herr Dr. Rudelbach auch dann im Rechte ist, wenn er unserem Werke den Vorwurf macht, daß es die einzelnen Disciplinen nicht in ihrer organischen Verbindung darstellt; ob aber darum irgend eine neuere Encyclopädie der Buddeus'schen vorzuziehen ist, weil es sich die neueren zur Hauptaufgabe machen, die Theologie als ein System und alle einzelnen Theile derselben als Glieder eines Organismus vorzustellen — das ist eine andere Frage. Uns will bedünken, daß bei Verfolgung dieses Zweckes häufig die Theologie in ein philosophisches System verwandelt oder gerade ein recht lebloses mageres Skelett gegeben wird. Vgl. Rudelbachs Zeitschrift. 1848. 1. Quartalheft. „Ueber den Begriff der Theologie“ ꝛc.