# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S128 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 128 Ueber die ursprüngliche Gestalt des kleinen Katechismus ꝛc. der zweiten findet und da der große Katechismus füglich in der Zeit zwischen diesen beiden Ausgaben des kl. Katechismus erschienen sein konnte; letzteres ist um so wahrscheinlicher, da Dr. Luther an seinen Freund Hausmann am 8. März 1529 schrieb: „Der Katechismus ist noch nicht fertig, aber bald wird er fertig sein.“ Es ist merkwürdig, daß nirgends ein Exemplar der ersten Ausgabe des kl. Katechismus zu finden ist, so wenig als von den geistlichen Liedern Luthers vom Jahre 1529. Auch die zweite Originalausgabe kennt man nur aus einer Beschreibung Riederers, indem Niemand bis jetzt weiß, wo dieselbe geblieben ist. Erst P. Mönckeberg fand auf der Hamburger Stadtbibliothek eine niederdeutsche Uebersetzung der ersten Ausgabe vom Jahre 1529, wahrscheinlich von Dr. Bugenhagen verfaßt, der um diese Zeit die Kirchen in Norddeutschland zu ordnen im Begriff stand; alle Umstände sprechen für die Aechtheit der ersten Ausgabe, die dieser Uebersetzung zum Grunde gelegt, so wie für die Treue, mit welcher letztere besorgt worden ist. Während nun der fleißige Alterthumsforscher Versenmeyer in mehr als 30 Jahren keine ältere Ausgabe, als die vom Jahre 1536 auffinden konnte, war Lic. Schneider so glücklich, eine Originalausgabe vom Jahr 1531 aus einer Hamburger Auktion zu erhalten. Diese bildet nun die Grundlage seiner kritischen Ausgabe des kl. Katechismus und zwar deßhalb, weil sie ihn in der Gestalt bietet, in welcher derselbe in allen wesentlichen Punkten (mit alleiniger Ausnahme des vierten Gebotes und der Haustafel) bis zu Luthers Tod geblieben ist; auch in diesen beiden Punkten schließt sich das Concordienbuch an diese Ausgabe an. Unter dem Texte sind die abweichenden Lesarten aus 8 verschiedenen Separatausgaben des kl. Katechismus und aus 9 verschiedenen Abdrücken desselben, die im großen Katechismus enthalten sind, mit der größten Genauigkeit nachgewiesen worden. Dieß verpflichtet die luth. Kirche zu um so größern Dank, da selbst das Concordienbuch keinen ganz zuverlässigen Anhaltepunkt für die Bestimmung des ursprünglichen Textes darbietet, selbst nicht in der sehr correcten Ausgabe von Baumgarten, in der ich im Ganzen nur zwei leicht erkennbare Druckfehler im Texte selbst gefunden habe, am allerwenigsten aber in dem sehr ungenauen Newyorker Abdruck der ungenauen Pippingschen Ausgabe. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß für die Aufhellung der Geschichte des kl. Katechismus und für die Herstellung des ursprünglichen Textes seit zwei Jahrhunderten nicht so viel geschehen ist, als in diesen zwei Jahren durch diese beide Schriften. (Fortsetzung folgt.)