# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S123 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben. 123 „aus“ und wird auch so Matthäi 12, 37 in Verbindung mit rechtfertigen übersetzt. In Sätzen aber, welche irgend Urtheilen oder Erklären aussprechen, zeigt das griechische „aus“ dasjenige an, woraus das Urtheil gezogen oder worauf es begründet wird, und kann in solchen Fällen recht wohl mit „zufolge“ „aus Ursach“ „kraft“ „auf Grund“ wiedergegeben werden. Abrahams Werke also sollen für das gelten, woraus das Urtheil, er sei gerecht, gezogen oder worauf es gegründet wird. Von wem wurde Abraham zufolge seiner Werke für gerecht erklärt? — Von Gott und, weil Gott durchs Wort mit den Menschen handelt, vom Worte Gottes, antworten wir unbedenklich; denn Jakobus sucht offenbar über die Werke dasselbe auszusagen, was namentlich Paulus über den Glauben äußert, der Glaube aber wird z. B. Röm. 5, 1 durch „aus“ so mit gerecht (erklärt) werden verbunden, daß er als der Grund, woraus jene Erklärung folgt, erscheint, und wiederum wird Röm. 3, 30 als derjenige, welcher zufolge des Glaubens für gerecht erklärt, Gott selbst bezeichnet. Dasselbe Wort Gottes z. B. Röm. 3, 21, Matthäi 9, 2, welches der bußfertige Sünder im Glauben ergreift, erklärt ihn auch zufolge dieses Glaubens für gerecht, und, wie Jakobus meint, dasselbe Wort Gottes z. B. 1. Mose 22, 2. Lucä 14, 26 u. 27, welches Abraham oder der gläubige Christ thut, erklärt ihn auch zufolge dieses Thuns oder Werkes für gerecht, das ist für einen Inhaber der Glaubensgerechtigkeit. Es klingt das seltsam, daher auch neuere Theologen die einstimmige Behauptung der älteren Lutherischen Kirchenlehrer, daß die Rechtfertigung durch den Glauben eine richterliche, eine mit Wort oder Erklärung geübte Handlung Gottes sei, mißbilligen; es sei, sagen sie, die Anwendung des gerecht erklärenden Wortes auf den einzelnen Menschen eben nichts anderes als die innere Aneignung durch den Glauben selbst. Allein das Wort Gottes ist in der Hand des Heiligen Geistes nicht bloß Glaubensgrund, sondern auch Mittel zur Versiegelung oder Versicherung, daß wir wirklich auf dem Glaubensgrunde stehen 2. Cor. 1, 21 u. 22, Zeugniß an unsern Geist, daß wir Gottes Kinder sind durch den Glauben an eben das von der Kindschaft zeugende Wort, so daß, wer das Wort von der Gerechtigkeit Christi, die vor Gott gilt und dem Glauben zugerechnet wird, im Glauben annimmt, auch von demselben Worte die Erklärung der Zusicherung empfängt, er habe Antheil an jenem Wort (Apostelgesch. 8, 21) und sei kraft seines Glaubens an dasselbe für gerecht vor Gott geachtet (vergl. 1. Joh. 5, 6 ff. wo es unter Anderem heißt, der Geist zeuge, daß Geist Wahrheit sei). Wir mögen Weiteres über das durchs Wort gewirkte Zeugniß des Heiligen Geistes, welches meistens für ein Gefühl gehalten wird, in Wahrheit aber mit demselben Worte geschieht, wofür es zeugt, der Arbeit späterer Zeit überlassen, um so mehr da die Sache selbst in dem vorliegenden Falle gar keine Schwierigkeit hat. That Abraham das Wort 1. Mose 22, 2 nicht, so erklärte es ihn für ungläubig, da er es that, so erklärte es ihn für gläubig und folglich für gerecht durch den Glauben. Die Gebote Gottes, die im Grunde lauter Glaubenswerke fordern, versichern jeden Gläubigen, der sie vollbringt, seiner