# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S122 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 122 Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben. 2) erkennen die Erfüllung des Schriftworts: Abraham hat Gott geglaubet und ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet und ist ein Freund Gottes geheißen. Das „und,“ mit welchem V. 23 anfängt, verbindet diesen Satz mit V. 22 als eine leichte und wie von selbst sich aus ihm ergebende Folgerung, die kein stärkeres Verbindungswort wie etwa „so“ „also“ nöthig macht. Um die Bedeutung des Ausdrucks „erfüllen“ zu finden, mögen wir auf Matthäi 5, 17 blicken, wo der Herr Christus sagt, er sei gekommen, das Gesetz und die Propheten zu erfüllen; dort bedeutet es die Bestätigung der Wahrheit von Gesetz und Propheten, wie der Herr Christus sie gab in Wort und Werk, Abrahams Werke also bestätigten die Wahrheit des Wortes, welches seinen Glauben rühmt und bezeugt, daß er zufolge desselben von Gott für gerecht geachtet sei; sie bezeugen, daß die Schrift von Abraham mit Recht erzählt: a. er habe geglaubt; denn es ist geradezu unmöglich, in Abrahams Werken nicht Beweise des Glaubens zu sehen, eines vollständigen durchaus lebendigen Glaubens, der rechten Gehorsam zu üben trachtete. — Eben so aber bezeugen Abrahams Werke, daß die Schrift mit Recht von ihm erzählt: b. ihm sei sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet, denn sie sind unwiderlegliche und lebendige Zeugnisse der Kraft und des Muthes, den allein der rechtfertigende Glaube hat und giebt. Die Glaubensgerechtigkeit ist es, welche dem Abraham durch seine Werke zugesprochen wurde; Abraham ist gerechtfertigt durch die Werke, weil durch diese erklärt wurde, er habe die Gerechtigkeit durch den Glauben. Nach dieser Erörterung nun erwartet Jakobus, daß wir seine Frage V. 21 mit „ja“ beantwortet haben, und zieht daher ohne Weiteres aus dem Exempel des Abraham, die allgemeine Regel, die für alle Gläubigen gelten soll Vers 24 als klar und vollständig entwickelt vor unseren Augen liegend. Wirklich müssen wir auch den ersten Theil von V. 24: so sehet ihr nun, daß der Mensch durch die Werke gerecht wird, insoweit zugeben, daß recht wohl gesagt werden könne, ein Christ werde durch seine guten Werke für einen Inhaber der Glaubensgerechtigkeit erklärt. Nur müssen wir jetzt eine andere, den Lesern vielleicht unerwartete Frage stellen, die folgende: Wer ist es, der Abraham für gerecht erklärt, oder durch welchen solches geschieht? Die Werke, möchten wir antworten, denn es heißt doch: durch die Werke wurde Abraham gerechtfertigt, und wenn auch die Werke nicht gerade Personen sind, die eben erklären können, so pflegt man doch dergleichen Dinge in der Rede gleich als Personen zu achten, und ihnen selbst zuzuschreiben, was eigentlich Personen auf Grund derselben thun, aussprechen, erklären u. s. f. vergl. Psalm 19, 2 ff. Falsch ist nun auch jene Antwort nicht, doch darf sie nicht ohne nähere Auseinandersetzung gegeben werden, weil das „durch“ („die Werke“ u. s. f. nemlich) wohl eine richtige, aber eine bereits auslegende Uebersetzung ist. Das mit „durch“ wiedergegebene griechische Wort heißt zunächst