# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S121 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben. 121 Grund und Folge stehen, so daß durch die letztere das Urtheil der Schrift bestätigt wird, welches dem Abraham die Glaubensgerechtigkeit zuspricht. I. Mose 15, 6. Nemlich a. der Glaube Abrahams hat mitgewirkt an seinen Werken. Der Ausdruck mitwirken, welcher den Antheil des Glaubens an den Werken Abrahams bezeichnet, ist höchst anschaulich. Diese Werke, besonders das eben genannte Opfer auf Moriah sollen wir uns jetzt lebendig vorstellen: Isaak wird auf den Altar gelegt, oben auf das Holz, das Messer wird gefaßt, daß der Sohn der Verheißung geopfert werde; wir sehen dies Werk des Gehorsams der Liebe gleichsam arbeiten, aber mitarbeiten an allen Bewegungen und Umständen desselben sehen wir den Glauben; er giebt dazu nicht bloß das Wollen, auch das Vollbringen, Freudigkeit und Kraft, Muth und Demuth. Unmöglich hätte Abraham solche Werke wie den Zug in das fremde Kanaan oder das Opfer Isaaks auf sich nehmen können, wenn er nicht der Freundschaft Gottes so fest versichert gewesen wäre, daß er Gottes Befehle, welche seinem Fleische nur Traurigkeit dünken konnten, für Gnade und Freundlichkeit Gottes hielt. Und wiederum dazu, daß er sich wirklich für einen Freund Gottes achtete, bedurfte er als Sünder der Vergebung der Sünden und der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt und von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Dieser Glaube, zufolge welches er vor allen Werken gerecht erklärt war, dieses Glaubens Macht und fröhlicher Muth wirkte schaffend und tröstend bei all seinen prüfungsreichen Werken, wie dieselben unwiderleglich bezeugen. Nicht bloß „wirken,“ welches den Glauben mehr nur als den Anfänger nicht als den Vollender der Werke bezeichnet hätte, mitwirken nennt Jakobus dies unauflösliche, innige Verhältniß des Glaubens zu den Werken Abrahams, da derselbe ihren Anfang, Fortgang und Vollendung herbeiführt, das heißt, ihr Grund ist. Umgekehrt sehen wir b. wie der Glaube Abrahams durch die Werke vollkommen geworden ist. Abraham glaubte, heißt es; wäre er aber nicht von seiner Freundschaft fort in das Gelobte Land gezogen, oder hätte er nicht den Isaak auf dem Altare geopfert, da Gott solches begehrte, so wäre sein Glaube durchaus unvollständig oder unvollkommen geblieben; etwas das zur Eigenthümlichkeit und Art desselben gehört, nemlich einfältig Gottes Willen zu thun, hätte daran gefehlt. Mit dem Worte „vollkommen“ ist nicht angezeigt, der Glaube, der durch die Liebe thätig ist, werde durch diese Thätigkeit in der Art vollkommen gemacht, daß er hernach nicht mehr zu wachsen brauchte; keineswegs; schwach, des Wachsthum höchst bedürftig mag er immerhin sein, doch ist er fruchtbare Wurzel, sprudelnder Quell guter Werke, und wenn er es nicht zu solchen Werken der Liebe bringt, so gelangt er nicht zu vollständiger Ausbildung seines Wesens, nicht zu wahrhaftigem Leben, ist todt, wie die Wurzel, die keine Sprossen treibt; wäre ein Grund ohne Folge. An diesem lebendigen Zusammenhange von Glauben und Werken, der uns in Abrahams Werken so klar entgegentritt, lehrt uns Jakobus