# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S118 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 118 Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben. nicht durch die Liebe thätig ist, sei unnütz, namentlich unnütz zur Seligkeit, eine Darstellung, welche in den folgenden drei Hauptsätzen verlief: 1) Der Glaube, der nicht durch die Liebe thätig ist, sei wirkungslos, todt, wie die Worte: wärmet euch, sättigt euch, gesprochen zu Frierenden und Hungernden , ohne daß man ihnen des Leibes Nothdurft, Wärme und Brod gäbe: V. 15—17. 2) Wer sich des Glaubens rühme, ohne ihn durch die Werke zu beweisen, werde vergebens den Vorwurf von sich zurückweisen, er habe gar keinen Glauben, während der Christ, der fleißig sei in guten Werken, eben damit seinen Glauben beweise: V. 18. 3) Und wenn der unthätige Christ sich darauf berufe, er habe doch den christlichen Glauben, z. B. daß ein einiger Gott sei, so sei sein Glaube eben jenes Fürwahrhalten, welches auch die Teufel hätten und welches nicht die Seligkeit, vielmehr Zittern erwecke: V. 19. Hebt nun nach dieser Darstellung Jakobus an Vers 20, so nimmt er die Behauptung der Verse 15—17, der Glaube ohne Werke sei todt, jetzt wieder auf, um sie dem faulen Christen klar und unwiderleglich zu beweisen. Ein Blick auf die folgenden Worte lehrt, daß dieser Beweis aus dem Beispiele Abrahams und der Rahab gezogen werden soll, also aus dem Gegentheil. Der faule Christ steht da auf der einen Seite, selbst muß er gleichsam sich hinstellen; er rühmt sich seines Glaubens, aber er ist ein eiteler, ein leerer Mensch, wie ihn Jakobus nennt, leer nämlich an Früchten der Gerechtigkeit : Phil. 1, 11. Ihm gegenüber, an die andere Seite wird Abraham gestellt, er, der da glaubte und erfüllet war mit Früchten der Gerechtigkeit. Abrahams Glauben konnte der leere Christ nicht anders als einen lebendigen heißen, war aber auch genöthigt, die Bethätigung desselben in guten Werken anzuerkennen; da mußte er ja einsehen, sein eigner Glaube, der nicht in der Liebe thätig war, sei todt. Der Beweis wäre damit schon vollständig gewesen. In dieser Art beweißt Jakobus nun auch. Allein mit einer raschen, ja überraschenden Wendung richtet er seinen Angriff nicht bloß dagegen, daß der leere oder faule Christ sich des Glaubens rühmte, sondern besonders gegen die Behauptung desselben, er sei gerechtfertigt durch den Glauben. Diese Wendung konnte dem Beweiß gegeben werden, denn 1) zeigen, daß ein gewisser Glaube nicht rechtfertige, heißt auch zeigen, daß er todt ist; da was rechtfertigt, allerdings etwas Lebendiges sein muß. Und 2) wer an Abrahams Glauben denkt, der denkt nicht bloß an die edle Frucht desselben, den Gehorsam, sondern auch daran, daß derselbe ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde. Abrahams Exempel gab also dem Jakobus Gelegenheit, nachzuweisen, nicht nur daß der lebendige Glaube immer die Frucht guter Werke bringe, sondern namentlich dabei hervorzuheben, es sei dies eben der rechtfertigende Glaube. Daß er aber dies hervorhob und zwar in der besonderen Redeweise, die