# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 05 30_S80 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 80 Preis geben. Was sie mit ihrem Gut und Blut so tapfer und trefflich vertreten, und mit Aufopferung der irdischen Güter auf uns gebracht haben, Freiheit von dem schmählichen Menschenjoch in den allerheiligsten Angelegenheiten — in den Angelegenheiten des ewigen Heils — das verschleudern wir auf das Allerliederlichste, und kehren in eine Knechtschaft zurück, die schlimmer ist, als die des Pabstes. Denn die Kirche in ihrem tiefsten Verfall hat sich nie dem Gewissen des Pabstes unterworfen, sondern er selbst mußte nach den Canones, und nach der wenigstens angeblich apostolischen Tradition der Kirche richten und entscheiden, hier aber nimmt Ein Mann sich heraus nach seinem Witz und Meinung und nach seinem Gewissen den Weg des Heils auszulegen, zieht die Gemeinde aus der Gemeinschaft der Kirche heraus, und unterstellt sie seinem Gutdünken!! Und wirklich es findet sich eine Gemeinde — ja wie viele! — die sich freiwillig der Stimme der ganzen Kirche entzieht, und auf die Stimme eines einzelnen Mannes in Sachen der ewigen Seligkeit und Verdammniß hört. O welch eine Verdrehung! Anstatt, daß, wie es sein sollte, ein lutherischer Prediger gebunden und verpflichtet ist, lutherisch, d. h. nach den Symbolen der lutherischen Kirche zu lehren, und wenn er das mit seinem Gewissen nicht vereinigen kann, als ein ehrlicher Mann von Amt und Kirche zu ziehen, um sich mit einer Gemeinschaft zu vereinigen, die nach seinem Gewissen ist und lehrt — so ist dieser Prediger nur an sein Gewissen gewiesen, und die Gemeinde muß es sich schon gefallen lassen, einzunehmen, was Herr C. Weyl nach seinem Gewissen geben will und kann, mag es lutherisch, rationalistisch oder sonst etwas sein. O der Schande für eine lutherische Gemeinde und für einen lutherischen Prediger! Und wie ist es denn mit Herrn Weyls Gewissen bestellt? Ei trefflich, die Gemeinde kann sich vollkommen dabei beruhigen! Im zweiten Artikel nämlich der Nebengesetze verpflichtet sich Hr. Weyl, die Confirmanden nach dem kleinen lutherischen Katechismus zu unterrichten, der bekanntlich von der Taufe lehrt, daß es ein gnadenreich Wasser der Wiedergeburt ist, und in den Gläubenden Vergebung der Sünde wirke, Erlösung vom Teufel und die ewige Seligkeit schenket; vom heil. Abendmahl aber, daß es der wahre Leib und das wahre Blut des HErrn sei. In seinem Blatte stößt er aber die schändlichsten Lästerungen gegen diese Lehren aus, namentlich gegen die vom heil. Abendmahl. Wie steht es denn da mit dem Gewissen? und welche Sicherheit hat die Gemeinde in dem Gewissen des Herrn Weyl?? So spricht der HErr: Sollt ich denn solches nicht heimsuchen? und meine Seele sollte sich nicht rächen an solchem Volk, wie dies ist? Es stehet greulich und scheuslich im Lande: die Propheten lehren falsch, und die Priester herrschen in ihrem Amt, und mein Volk hats gerne also: Wie will es Euch zuletzt darob gehen? Jerem. 5, 29—31. F. Wyneken. (Eingesandt von Pastor Keyl.) Hat Dr. Luther das Werk der Reformation für unvollendet angesehen? Dies haben schon bei Luthers Lebzeiten Carlstadt und Thomas Münzer, im vorigen Jahrhundert G. Arnold und dessen Nachfolger, neuerlich aber J. Ronge in Deutschland und die Herren DD. Kurz, Schmucker ꝛc. in America behauptet, (s. Lutheraner 2. Jahrgang. N. 11.) Bezieht man nun diese Behauptung auf das Leben der Lutheraner, daß nämlich daran noch fort und fort zu reformiren sei, so versteht sich dies ebenso von selbst, als daß ein Christ der täglichen Erneuerung bedarf. Will man aber damit wie gewöhnlich so viel sagen, daß auch die Lehre der Lutheraner an sich reformirt oder verbessert werden müsse, so ist dies eine völlig lügenhafte und trügerische Behauptung, welche mit unter die Zahl der kräftigen Irrthümer gehört, womit Gott viele dafür straft, daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, daß sie selig würden. Daß Dr. Luther das Werk der Reformation der Lehre nach für vollendet, dem Leben nach aber für unvollendet angesehen habe, erhellet deutlich aus folgendem Zeugniß v. J. 1541: „Wir für uns haben nie keines Conciliums begehrt, unsere Kirchen zu reformiren. Denn Gott der heilige Geist hat durch sein heiliges Wort unsere Kirche längst geheiliget, ja vielmehr alle Päbstliche Hurerei und Abgötterei ausgefegt, daß wir alles, (Gott lob!) rein und heilig haben, das Wort rein, die Taufe rein, das Sacrament rein, und Schlüssel rein; und alles, was zur rechten Kirchen gehört, haben wir heilig und rein, ohn allen menschlicher Lehre Zusatz und Unflat. Das Leben (wie droben gesagt,) gehet nicht völliglich hernach, wie wir gern sähen und wollten, darüber die Propheten und Apostel selbst auch klagen: denn das gehöret dorthin, da wir den Engeln gleich sein werden. Matth. 22. v. 30.“ (L. W. XVII, S. 1693 fl.) Ein gewaltiges Zeugniß Luthers, wie sich alle falsche Lehrer gern auf die Nichtvollendung seines Werkes berufen, ist folgendes: „So geben uns jetzt, und die Schwärmer und Rottengeister (wiewohl sehr ungern) auch so viel Lobes, daß sie bekennen müssen, wir haben die Sachen des Evangelii recht angefangen; aber dieweil wir ihre gotteslästerliche Lehre verdammen und verwerfen, heißen sie uns nun zu Lohn Heuchler und neue Papisten, die zweimal ärger sein, denn die alten. Darum machen solche Diebe und Mörder ihnen damit eine Oeffnung und Eingang in des HErrn Schafstall, darinnen sie gerne stehlen, würgen und umbringen wollten, Joh. 10, 8. 10. nehmlich, daß sie, (wie es die Herren DD. Kurz ꝛc. gemacht,) erstlich unsere Sache billigen und loben, darnach aber geben sie falsch für, wie sie alles wollen klärer und besser ausrichten, das wir nicht gnugsam erkläret, oder aber wie sie zu lügen pflegen, nicht recht sollen verstanden haben.“ (L. W. VIII, 1660 fl.) Wie gewiß Dr. Luther war, daß seine Lehre die rechte sei und also keiner Refermation bedürfe, bezeugt er mit folgenden kurzen und kräftigen Worten über Gal. 1, 10: „Also sprechen wir mit St. Paulo auch aufs gewisseste und sicherste, daß alle die Lehre, so mit unserer Lehre nicht übereinstimmt, auch verflucht und teufelisch sei.“ (Ebendaselbst S. 1666.) Dr. Johann Eck sucht Geld bei den Lutherischen. Während des Reichstages zu Augsburg im Jahr 1530, da die Lutherischen ihr Glaubensbekenntniß — später die Augsburgische Confession genannt — vor Kaiser und Reich ablegten, hielt Dr. Eck, der als eifriger Vertheidiger des Pabstthums ebenfalls anwesend war, beim Cardinal Campegius um eine damals gerade vacante reiche Prälatur zu Augsburg an. Auf seine Vorstellung, daß er der römischen Kirche viele Dienste erwiesen habe, wurde ihm die geistliche Pfründe zugesagt. Eck glaubte seiner Sache ganz gewiß zu sein. Allein bald nach ihm kam ein anderer Bewerber, ein Edelmann, der mit seinem Gesuch zugleich 400 Gulden dem Cardinal überbrachte. Der Cardinal entschuldigte sich zwar, wie er diese Stelle schon zugesagt habe, doch der Edelmann, ein listiger Fuchs, wußte einen Ausweg, er gab den Rath, dem Dr. Eck anzuzeigen, es hätte der Herzog von Baiern wegen eines andern geschrieben, dem man die Prälatur nicht versagen könne. Als nun Eck nach drei Tagen wieder zu dem Cardinal kam, und Verschreibung und Versicherung des Lehens begehrte, so wurde er mit der Antwort, wie der Edelmann eingegeben hatte, abgewiesen. Dies verdroß nun den Dr. Eck dermaßen, daß er zu Philipp Melanchthon und andern Lutherischen ging, und ihnen nicht nur sein Schicksal mit vielen Worten klagte, sondern sogar sagte: „Was wollt ihr mir geben, so will ich solche Buben verlassen, und euch beistehen und eure Meinung vertheidigen helfen.“ So groß nun zwar das Aufsehen geworden wäre, wenn Eck, der ja hauptsächlich den Bann des Pabstes über Luthern ausgewirkt hatte, auf die Seite der Lutherischen getreten wäre, so wollten sich doch die Lutherischen, ihrer guten Sache gewiß, keinen Vertheidiger erkaufen und Philipp Melanchthon fragte den Dr. Eck: Ist unsere Lehre wahr, warum steht ihr denn derselben nicht umsonst bei? Als Eck sah, wie er mit seinem Geize zu Schanden geworden war, schlich er sich davon. B. Wie die Lehre, so die Kirche. Es ist so geordnet, daß in der Gemeinde Gottes kein Meister sei, denn der da spricht Matth. 23, 8: „Einer ist euer Meister, Christus.“ Und im 60. Psalm v. 8. stehet also: „Gott redet in seinem Heiligthum,“ d. i. in seiner Gemeinde. Wo aber der Mensch, oder der Satan, der Teufel, redet, da ist ohne Zweifel des Teufels Synagoge und Gemeinde. Denn wie das Wort ist, so ist auch das Volk, so ist auch Gott, so ist auch der Gottesdienst, so ist auch der Glaube, so ist auch das Gewissen, so sind auch die Werke und alles mit einander; so eben werden alle Dinge im Menschen allein durchs Wort gehandelt. — Luther über Ps. 8, 3. Amtsveränderung. Hr. Past. Burger verläßt Zion, Hancock Co., O. Seine jetzige Adresse ist: J. G. Burger, P. O. Willshire, Vanvert Co., O. Bezahlt: 2. Jahrg. die HH. Kleinschmidt, Anschütz Helferich sen. u. jun. Gedruckt bei Weber und Olshausen.