# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S116 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 116 Lutherische Antithesen. gesäet worden, da die rechten Unionsfreunde zu früh ausruhten und nicht wacker genug waren: laßt uns das gut machen, meine Brüder!“ Wird euch wenig helfen, auch zweifelt ihr selbst an dem Gelingen, sonst fragtet ihr nicht mit immer steigendem „Bangen und Erschrecken“: Wo soll das zuletzt hinauslaufen? Ich will euch die Antwort wenigstens finden helfen. Alle eure ängstlichen Fragen wurden auch in den ersten christlichen Jahrhunderten von den Juden und Heiden erhoben; die Kirchengeschichte, die Ausbreitung des Evangeliums hat sie beantwortet. Auch eure kecke und runde Frage ist nicht neu. Muselmänner warfen schon längst den Christen, — Papisten den Evangelischen ihre Reibungen unter einander vor. Christi Reich auf Erden ist nun einmal eine eccl. militans, der es an Religionsstreitigkeiten nimmer fehlen wird. Eure Union freilich ist eine eccl. triumphans, frei von allen Glaubenskämpfen, weil frei von allem Glauben. — All’ euer Fragen hilft euch also nicht aus euren Nöthen. Was fragt ihr uns? Was rechtet ihr mit uns? Der auferstandene Erlöser und sein Geist macht euch den fatalen Strich durch eure kluge Rechnung. 80) Ja wohl, laßt uns nur getrost, „Alle hinfahren mit unserer lutherischen Sünde wider Gottes Wort und Geist,“ sowie wir euch auch hinfahren lassen wollen, wohin es euch beliebt, ohne jemals „Strafe von euch zu fordern um eurer Sünde“ (Thes. 209. 210.). Wir können es gleich unsern Vätern kühn auf Gamaliel’s Ausspruch, Act. 5, 38. 39., ankommen lassen, denn „Gottes Wort ist Luther’s Lehr, darum vergeht sie nimmermehr, sollt’s auch verdrießen noch so sehr den Teufel und sein ganzes Heer.“ Könnt ihr nicht gleichfalls auf jenen Ausspruch pochen, so erklärt ihr damit selbst euern Unionismus für ein Menschenfündlein. Also: „eventus docebit.“ 81) „Summa, man soll die evangelischen Christen lehren und vermahnen: daß die Schrift allein gilt und keine Menschensatzung“ (Thes. 211. 212.). Wie nennt man das, wenn die Christen bald auf die „Menschensatzungen“ nach 1746, bald auf Gottes Wort, auf „die Schrift allein,“ hingewiesen werden? Heißt es vielleicht: religiöse Leichtfertigkeit? oder bewußte und beabsichtigte Hintergehung? oder frevelhaftes Indifferentistenspiel mit dem, worauf Seel’ und Seligkeit beruht? oder — gedankenlose Faselei? — — Wie nennt man es, wenn die „Christum Suchenden und aus der Schrift Erkennenden“ gewarnt werden vor dem „Geschrei: Siehe hier oder da ist Christus!“ und ihnen doch jeden Augenblick zugeschrien wird: Siehe, er ist nicht bei den „Lutheranern,“ welche die Schrift haben, sondern in der Union, die sie verwirft? — Wenn man die Gewissen von dem für unsere wie für alle Zeiten vorliegenden, heut wie gestern und in Ewigkeit seligmachenden prophetisch=apostolisch=reformatorischen Glauben abwendig macht, um sie zu einem Phantasiegebilde, genannt Zukunftsreligion, zu verführen? — Wenn man auf solche Weise den Heiland, der gekommen ist, die Sünder selig zu machen, und noch täglich kommt in seinem Evangelium und reinen Sakramenten, apostatisch verwirft und mit den verstockten Juden auf ein Messias-