# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S115 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherische Antithesen. 115 für eine besondere Gestaltung des Evangeliums, sondern für Irrwahn, euch selbst nie für Glaubensgenossen, sondern für Christi Feinde ansehen. — — Entschuldige, evang.=luth. Leser, das war allerdings nichts „Thesenförmiges“; aber variatio delectat. 78) „Wir fragen euch mit Ernst: ob ihr denn wirklich zurückführen wollt die gute alte Zeit, da die symbolischen Bücher mehr galten als die Bibel? Wo die wittenberger Fakultät in corpore zu Ball ging und tanzte, der Demonstration halber gegen die Pietisten? Wo Fecht den seligen Spener nicht beatus nennen wollte“? (Thes. 203). Wo denkt ihr hin? Wir sehnen uns noch brünstiger als ihr nach jenen goldenen Zukunftskirchenzeiten, wo weder die christlichen Symbole, noch die prophetisch=apostolischen Schriften mehr gelten werden, sondern ein anderes Glaubensbekenntniß und eine neue Bibel, enthaltend in drei Testamenten „die denkende Spekulation, die lesende Exegese seit 1746, und die Geschichte;“ — wo alle Tanzböden in Diakonissenhäuser verwandelt werden; — wo die neuen kaiserwerther Volkskalenderheiligen sich noch um einen St. Pelagius, St. Ischarioth, St. Pilatus, St. Beelzebub vermehren, — sämmtlich kanonisirt und seliggesprochen durch jenes große Wort der Zukunftsbibel: „Der Eine Glaube Eph. 4, 5 reicht gerade so weit als der Eine Herr“ (Thes. 17). 79) „Wir fragen erschreckt: Wohin soll das zurückführen? — Wir fragen die Anderen: Warum straft ihr nicht? — Wir fragen immer mehr erschreckt: Ist das wirklich allein der rechte Geist des Herrn? — Wir fragen euch bange: Was wird in zweiter Generation werden? — Wir fragen keck und rund: Wie könnt ihr uns zumuthen“ ꝛc. (Thes. 204—208). Nehmts nicht übel: eure Fragen klingen von und für Theologen höchst naiv. Habt ihr denn Christi Leidens- und Auferstehungsgeschichte nicht verstanden? Eure Vorgänger, die Rationalisten, hatten ihn gekreuzigt und getödtet; da kamt ihr mit der Union, die legte ihn ins Grab, wälzte einen schweren Stein darauf, versiegelte ihn, stellte Polizei und Militär genug davor, — und ging davon, fest überzeugt, der Leichnam werde im Grabe verwesen. Aber was geschah? Die sieben tausend Uebergebliebenen, die ihre Kniee nicht gebeugt hatten vor eurem Baal, beteten ohne Unterlaß: „Ihr Anschläg, Herr, zu nichte mach! laß sie treffen die böse Sach, und stürz sie in die Grub hinein, die sie graben den Christen dein. So werden sie erkennen doch, daß du, unser Herr Gott, lebest noch und hilfst gewaltig deiner Schaar, die sich auf dich verlassen gar.“ Und siehe da! Christus brach durch Stein, Siegel und Wache; „er ist erstanden wie ein Blitz und hat bethört der Feinde Witz.“ Nicht wahr, das ist eine für das „Unionswerk“ höchst verdrießliche und unbequeme Sache? Ja, wenn sich der Auferstandene nur wenigstens still fortgeschlichen hätte! Aber er will beweisen, daß er lebt und „schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein, als ein Held, der Ehr und Sieg behält.“ Was nun thun? Sagen: „Dieweil wir schliefen?“ (Matth. 28, 13.) Ihr versuchts, auf diese Weise Christum wieder zu dämpfen; „dieses Unkraut,“ sprecht ihr, Thes. 117, „ist