# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S114 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 114 Lutherische Antithesen. gen bringen? Das „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ klingt doch unablässig in die Ohren eures Gemüths und verfolgt euch auf allen Schritten. Aber statt ihm mit dem Apostel Gehör zu geben, sucht ihr es lieber durch die elendesten Mittel zu übertäuben; — deß sind eure „unlutherischen Thesen“ vollgültige Zeugen. Ja, die Appellationen von dem aufrichtigen Christus für, an den „umgebogenen in“ uns, von dem Blute, das auf Golgatha floß, an das, welches „in euren Adern fließt“, von der h. Schrift an die „Spekulation, Geschichte und neuere Exegese,“ von dem ökumenischen an den Quäker= und Enthusiastenglauben, — sie sind Betäubungsmittel der elendesten Art, blos zur Selbsttäuschung geeignet, neben denen ihr — aus Vergeßlichkeit? Heuchelei? oder welchem andern Motive? — immer selbst wieder das Gegentheil aufrichtet, zum Beweise, wie wenig ihr selbst jenen leidigen Tröstern traut, die zum guten Theile aus dem rostigen Arsenale der einst von euch so wüthend gehaßten, jetzt als Bundesgenossen gegen uns so zärtlich geliebten Rationalisten erborgt sind. Und welch ein elender geistlicher Schlaftrunk ist eure „Kirche der Zukunft!“ Statt an eines verständigen Staatsmanns Gleichniß von der auf schiefer Fläche ruhelos fortrollenden Kugel, statt an Christi ernstes Wort vom grünen und dürren Holze zu gedenken, sucht ihr euch und Andere lieber durch das Eia popeia von einer auf dem Stamme der Indifferentismus - Union erwachsenden, in christlicher Vollendungsglorie strahlenden „Typen - Kirche der Zukunft“ in den Seelenschlaf einzuwiegen, um nur nicht eingestehen zu müssen, daß wir uns im religiösen Recht, ihr im Unrecht befindet. Meine Religion ist Gottes Wort, das Himmel und Erde überdauern wird, — die eurige ein Morgennebel, den Wind und Sonne verscheucht. Wer von seinem Glauben sagen muß, er gleiche einem zweifelhaften Rechtsstreite („adhuc sub judice lis est“), der bricht ihm selbst den Stab, erklärt ihn für einen Quasiglauben, auf den Niemand trotzen und sich verlassen könne. Weil ihr das wohl fühlt, so drängt ihr euch immer wieder an die an, die einen festen religiösen Trost und Hort besitzen, um an ihnen wo möglich Glaubensbrüder, wenigstens socios habere malorum. „Unsere Union hat Raum auch für euch“, ruft ihr ihnen zu, und erreicht damit gerade das Gegentheil des, was ihr beabsichtigt: ihr schreckt sie nur weiter von euch. Denn nur wer den Erlöser und seinen h. Geist, Gottes Wort und Sakramente für Menschengebot hält, kann sich jenes indifferentistischen, von trostloser Glaubensleerheit und radikaler Unkenntniß des Evangeliums zeugenden Ausrufs bedienen. So weit herunter wird es mit Christo niemals kommen, daß er für sich und die Seinigen um ein bescheidenes Plätzchen in „eurer Union“ und unter eurer Aufsicht bitten müßte; er hat selbst ein mächtiges, ewiges Reich und ist kein Unterthan, sondern der Beherrscher und Ueberwinder des Antichrists (Ps. 110, 1. 2.; 2 Thess. 2, 8.). Weil ich in dieser Ueberzeugung lebe, so ist euer „Einlassen“ an mir verloren; ich weiß, an wen ich, und an wen ihr glaubt. Durch Gottes Gnade besitze ich die Gabe Geister zu prüfen und werde den unionistischen Geist nie für den christlichen, die unionistische Religion nicht