# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S113 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherische Antithesen. 113 Malz. Wenn nicht Gottes Gnade euch zu mir herüberführt, so sind unsere religiösen Wege auf immer geschieden. Meine Zuversicht im Leben und Sterben ist eine andere als die eurige. Ihr verdient euch die Seligkeit durch euer heiliges Leben, durch eure guten Werke; ich nehme sie als Geschenk von Jesu Christo, dem „Dogmenpopanz“. Mir geht das reine Wort Gottes, das lautere Evangelium, über Alles; euch gilt „reine Lehre“ für einen Greuel, und die falschen Propheten, vor denen der Herr und seine Apostel warnen, rechnet ihr zu den „gläubigsten Evangelisten in der Union.“ Ich kenne blos ein vom Erlöser, ihr blos ein von euch selbst eingesetztes Abendmahl. Euer Glaube, euer Geist, euer Gott ist ein anderer als der meinige. Mir ist auch nie in den Sinn gekommen, euch auf andere Gedanken zu bringen; — wozu wollt ihr euch also mit mir „einlassen?“ Ihr wollt wenigstens meine „Sprache“ cultiviren? Danke schön für eure gute Absicht. Aber jedes Vöglein singt, „wie ihm der Schnabel gewachsen ist“; warum soll ich nicht reden, wie mir’s ums Herz ist? Ich habe nie gefordert, ihr sollt „correct lutherisch“ sprechen; denn ihr seid ja keine „Lutheraner“ und wollt keine sein. Da ich aber ebensowenig ein Pietist und Unionist bin oder werden mag, mit welcher Billigkeit muthet ihr mir denn zu, pietistisch winseln und salbadern, unionistisch zweizüngeln und phrasendrechseln zu lernen? Auch in diesem Stücke sehe ich also nicht, warum ihr euch mit mir „einlassen“ wollt. Vielmehr wenn ich ein solcher bin, wie ihr mich mit Pauli Worten (1. Tim. 6, 4. 5.) abmalt, so solltet ihr des Apostels Vorschrift: „Thue dich von solchen!“ beobachten. Statt dessen sucht ihr mich auf; — wie kommt das? Ich will’s euch sagen. Ihr seid die Leute, von denen 1. Tim. 4, 1. 2. geschrieben steht, daß sie Brandmale in ihrem Gewissen haben. Denn ihr lügt euch und Andern vor, der Unionismus sei eine göttliche Religion, und könnt doch über sein Fundament: Aufhebung des ewigen Unterschiedes zwischen Wahrheit und Irrthum, — nie zur innern Ruhe und Gewißheit gelangen. Ihr täuscht euch selbst und Andere mit dem Vorgeben, als wäret ihr die rechten evangelischen Christen, da euch doch die innere Stimme rastlos zuruft: Ihr habt mit der Reformation, mit der ökumenischen Kirche, mit dem apostolischen Glauben gebrochen, ihr hängt durch kein einziges Band mehr mit der Christenheit zusammen; eure Religion fällt durchweg unter das Urtheil von Gal. 1, 6—9. Ihr verunglimpft mich auf die schnödeste Weise, mit dem augenscheinlichen Zwecke, mich bei Jedermann verhaßt und verächtlich zu machen, könnt euch aber doch im tiefsten Herzensgrunde nicht verhehlen, daß in letzter Instanz dennoch kein anderer Vorwurf auf mir lastet, als der einer treuen Anhänglichkeit an den Glauben der Propheten und Apostel, der allgemeinen Christenheit und der Reformation. Was frommt es euch, äußerlich vor der Welt den Schein zu gewinnen, als strittet ihr blos gegen meinen „Erzfanatismus“ und Luther’s Starrköpfigkeit? Könnt ihr mit solcher Gleisnerei auch den sich immer auf’s neue erhebenden innerlichen Mahnruf: Ihr seid doch die Söhne der Schriftgelehrten und Pharisäer, die den Herrn ans Kreuz schlugen, — zum Schwei- 8