# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S111 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherische Antithesen. 111 „der deutschen Volkseinheit," die bekanntlich zum größern Theile aus Anhängern Roms besteht, „ist und bleibt auf dem kirchlichen Gebiete Kampf mit Rom durch einmüthiges Behaupten und Verarbeiten des Evangeliums." Der Einfall ist ein so überschwängliches Futurum non exactum, daß ihm sein Erfinder selbst den Magenwärmer anhängen muß: „mag auch der Augenschein jetzt mehr als je dawider sein." Doch weiter: Um nun zur „deutschen Volkseinheit zu gehören, müssen die Lutheraner „von ihrem Lutherthum lassen" und sich zur zwinglo-calvinischen Religion bekehren, sintemal Zürich und Genf, Zwingli und Calvin deutsch, dagegen Luther und Wittenberg ausländisch sind. Nun, wem das nicht einleuchtet, der muß, wie ich Unglücklicher, „den Verstand verloren haben." 72) Wer es weiß, was jeder Unionsmann für ein schmähliches Menschenjoch zu schleppen hat, der kann über Thes. 194. 196 nur mitleidig die Achseln zucken. 73) Thes. 196 ist eine Variation auf das bekannte stier'sche Thema: Der Glaube des Menschen macht das Sakrament des Altars, nicht der ohnmächtige Christus und sein nichtiges Einsetzungswort. Die Zwinglo⸗ Calvinisten haben, ihrem „Glauben" gegenüber, von jeher die Armseligkeit des göttlichen Wortes behauptet. Es war ihnen schon in der Reformationszeit „ein armes Geschrei von der Kanzel." 74) Ja, die „neuste Ueberspannung des Amtsbegriffes und der Absolution ," sowie das Dringen auf Adiaphora („altlutherische Gottesdienstformen" — Thes. 197, 198) sind tief zu beklagen. Doch auch nach Abstellung dieser und aller andern wirklichen Mißstände würde das „Lutherthum" für Hrn. Dr. Stier immer noch ein Stein des Anstoßes bleiben; — warum? Weil es die Rechtfertigung durch Christi Verdienst predigt. Aus diesem Grunde dringt er ja auch (Thes. 199) auf die Beseitigung der alterthümlichen und hergebrachten Perikopen, der „unverfälschten Lieder, Gebete und Erbauungsbücher der Vorzeit" und auf eine pietistisch-unionistische Correctur der lutherischen Bibelübersetzung. Daß diese „eine Vulgata" werde, die Gefahr ist sehr klein; aber desto größer der Nutzen, den eine neue, vom Evangelium und andern Irrthümern gesäuberte Bibel für Hrn. Dr. Stier und seine Religionsverwandten haben würde. 75) „Die als schriftgemäß zugestandene Gebotseintheilung" (Thes. 200 vgl. 171) ist ein drolliges „Curiosum," ein lächerlicher Beweis von Calvinolatrie und Buchstabulismus. Theilt etwa die Bibel den Dekalogus durch Ueberschriften in ein erstes, zweites ꝛc. Gebot? Oder sagt sie irgendwo, Luther's Abtheilung sei falsch? Oder ist der heidelberger Katechismus etwa gar ein kanonisches Buch? Nur eben daraus, daß die einzelnen Gebote in der h. Schrift nicht mit Nummern versehen sind, konnte die doppelte Zählung entstehen. Das ist der wahre Sachverhalt, und es gehört ein peinlich-knechtischer , den Sinn des göttlichen Worts nicht von fern ahnender Gesetzesgeist, wie er dem Calvinismus eignet, dazu, die heidelberger Bezifferung für die