# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S108 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 108 Lutherische Antithesen. 53) Der allein ächte Glaubensgrund, worauf auch die Reformation vom Marburger Gespräch an bis zur Konkordienformel (einschließlich) stehet, ist der Syncretismus und Indifferentismus, das „Fallenlassen" der Unterscheidungslehren aller Religionen und das Hervorheben des ihnen Gemeinsamen . (Thes. 147—151.) 54) Die Apostel sind entschiedene Indifferentisten gewesen, und „im Blick auf die Gestalt des apostolischen Zeitalters" sollten wir vor der Einheit des Glaubens und der Lehre „zurückschrecken." „Führten denn auch nur Paulus , Petrus und Johannes einerlei Lehre, des Jakobus zu geschweigen?" (Thes. 152. 153.) 55) „Hat nicht auch schon Johannes den Christus für uns in den Christus in uns umgebogen?" („Wie Kahnis gegen Nitzsch von der Unionsdoktrin klagt.") Hier begegnen wir dem unionistischen Materialprincip , dem „Christus in uns," statt des evangelischen und reformatorischen „Christus für uns." Wer den Unterschied und das Ringen beider Principien mit einander aus der Reformationsgeschichte kennen gelernt hat, der wird meine Behauptung, der Geist der Reformation kämpfe jetzt mit dem Geiste der Union, recht verstehen und beurtheilen. Für eine „wirre Phantasie im lutherischen Fieber" kann sie nur ein Held wie Stier erklären, der seine Tage im Pietismus und Unionismus verlebt hat und darum einem unüberwindlichen Hasse und Abscheu vor Christo und dem Evangelium fröhnt. Hätte Johannes gethan, was Kahnis „der Unionsdoktrin" vorwirft, so wären seine ernstlichen Warnungen vor dem „Widerchrist" nur Worte eines Thoren oder Heuchlers; denn die wesentlichste nota characteristica des Antichristenthums ist eben jenes satanische „Umbiegen Christi." Die Leute auf den Christus in ihnen, statt auf den für sie vertrauen lehren, heißt: sie mit ihrer eigenen Heiligkeit trösten. Mögen Hr. Stier und sein Glaubensgenosse, der aufgedunsene Pharisäer, auf den Christus in ihnen pochend, immerhin Gott danken, daß sie nicht sind wie andere Leute, namentlich nicht wie dieser Zöllner und sein Glaubensverwandter, der „Erzfanatiker," die ihr Vertrauen nicht auf heilige „Werkerei," sondern auf Gottes Gnade, auf den Christus für sie setzen. Wir wissen, an wen wir glauben, und lassen uns durch den Vorgang jener selbstgewachsenen Werkmänner nicht zur Nachfolge verleiten. Die Lutherischen mögen wohl bedenken, daß ihnen die 158ste These den Abfall von dem Herrn, der ihre Seelen mit seinem Blute erkauft hat, unter dem gleißendsten Namen predigt. 56) Also Luther ist ein wider Gott, Christum und den heiligen Geist frevelnder Schriftverfälscher gewesen, weil er die Rechtfertigung „allein" durch den Glauben lehrte und das Abendmahl nicht wie Zwingli und Calvin für „eitel Brod und Wein" hielt! (Thes. 154. 155.) 57) Das „evangelium" will sich Hr. Stier wohl gefallen lassen, aber nur nicht die „doctrina evangelii;" denn diese sei nicht der Grund, worauf die christliche Kirche ruhen könne und solle. (Thes. 156. 157.) Man möchte