# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 05 30_S79 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) dem Präsidenten und zwei andern rechtgläubigen Gliedern der Marylander Synode stattgefunden.“ Wer sieht nicht, daß hier eine lutherische Gemeinde unter dem Schein der Sicherstellung auf das Schändlichste hinters Licht geführt wird? Und wem könnte es auf eine so grobe Weise begegnen, als einer deutschen lutherischen Gemeinde? Mit dem Anführen der Augsburgischen Confession wird den guten deutschen Lutheranern Sand in die Augen gestreut, daß sie nicht sehen, was hinter drein geschieht. Und was denn? Dieses, daß jeder Prediger irgend einer andern Gemeinschaft, sei er reformirt, unirt, römisch-katholisch, Methodist, Baptist, Mormone oder sonst etwas, ganz gut Prediger an dieser ev.-lutherischen Gemeinde in Baltimore sein und bleiben kann, und zwar nach der eignen Constitution derselben. Denn es ist ja bekannt, daß alle diese genannten Gemeinschaften und noch ein Paar Dutzend mehr wenigstens den Worten nach in den einzelnen Puncten (Dreieinigkeit — Gottheit Christi — und Versöhnung durch sein Blut —) übereinstimmen, und wenn der Prediger nur über diese drei Puncte hält (wie? ist auch noch gleichgültig,) so ist er nach dieser Constitution orthodox, d. h. rechtgläubig; über die heil. Sacramente, Rechtfertigung, Heiligung, Wiedergeburt, Bekehrung, das Amt der Schlüssel ꝛc. ꝛc. kann er römisch-katholisch, reformirt, calvinistisch, arminianisch, lutherisch oder wie es ihm sonst gefällt, glauben und lehren, kein Mensch kann und darf ihn falscher Lehre bezüchtigen, nach dieser Constitution. — Er ist rechtgläubig. So ist also diese Gemeinde, (und wie viele andere deutsche und englische lutherische Gemeinden in diesem Lande!—) constitutionsmäßig gänzlich der Willkühr falscher Prediger preisgegeben, und in die schändlichste Abhängigkeit von Menschenwitz und Menschendummheit gebracht, und kein Damm steht dem Eindringen der falschen Lehre entgegen, namentlich bei der erschrecklichen Unwissenheit und Gleichgültigkeit unserer Glieder hinsichtlich der Lehre unserer Kirche. Der jedesmalige Prediger ist der infallibele Pabst der Gemeinde. Nun könnte man ja freilich denken, daß die Constitution im guten Glauben abgefaßt sei, und daß es sich von selbst verstehe, daß die Lehren, wodurch die lutherische Kirche, als die wahre apostolisch-katholische, sich von andern Gemeinschaften unterscheidet, wie namentlich die Lehre von den heiligen Sacramenten und dem Amt der Schlüssel, (obgleich die Fälschung eines Artikels nothwendiger Weise eine Fälschung aller anderen mehr oder weniger mit sich führt) nach einem Selbstverstand, nach der Augsburger Confession vorgetragen werden müßten in einer lutherischen Kirche; oder es sei aus Versehen die Feststellung dieser Artikel unterblieben, allein diese Hoffnung, die die Liebe gern aufkommen ließe, macht die leidige Erfahrung zu Schanden, und es wäre ein muthwilliges Verschließen der Augen gegen die betrübende Wahrheit, die die Erfahrung nur zu klar liefert, wenn man solche Hoffnung noch von dieser Art Predigern hegen wollte, die doch meistens wenigstens die Artikel abfassen, die von der Lehre handeln. Bei den Gemeinden freilich mag es aus Unwissenheit geschehen, wenn sie sich so fangen lassen, bei den Predigern ist es Absichtlichkeit, und selbst den Gemeinden kann ihre Unwissenheit in der Lehre ihrer Kirche, oder ihre Gleichgültigkeit gegen die Eingriffe der Prediger, nicht zur Entschuldigung dienen, sondern sie ist schwere Sünde, namentlich in diesem Lande, wo die Gemeinden die Prediger allein berufen und anstellen. Aber ist es denn auch wirklich Absichtlichkeit bei den Predigern? Wer kann daran zweifeln? Es ist ja öffentlich bekannt, wie der General-Synode im Ganzen, und Herrn Pfarrer Weyl im Besondern, die eigenthümlichen besondern Lehren der lutherischen Kirche nicht allein gleichgültig, sondern gänzlich zuwider sind, wovon das erbärmliche Geschmier, welches die General-Synode als ein Bekenntniß ihres Glaubens — und lächerlich genug — zu ihrer Rechtfertigung nach Deutschland geschickt hat, ja den deutlichsten Beweis gibt. Ein jeder, der sich nur im Geringsten um dasjenige bekümmert, was in der Kirche vorgeht, weiß ja, daß diese Herren auf das Heftigste dawider streiten, und daß sie es recht eigentlich darauf anlegen „die dummen Deutschen" von den albernen und vernunftwidrigen Lehren der alten rechtgläubig lutherischen Kirche abzubringen, damit sie ihr sauberes Gemisch von reformirt-methodistischem Vernunftkram in die Gemeinden hineinschmuggeln, und so sich zu Herren derselben und ihres Glaubens machen können, nachdem sie von dem Grund und Boden der Kirche losgerissen. Es ist ja nur zu bekannt, daß sie eben deswegen sich so bitterlich den Predigern entgegensetzen, die nicht allein selbst bei dem Glauben der Väter verharren, sondern auch die Gemeinden aus der elenden Menschensclaverei, wo sie nach der Pfeife eines jeden unverschämten Neulings tanzen müssen, herausreißen und auf den Grund der symbolischen Bücher der lutherischen Kirche dagegen verwahren wollen. Eben deswegen verlästern sie sie und ihre Bemühungen, und suchen meistens durch schändliche Verdrehungen unter dem Geschrei von „Liebe, Liebe, Friede, Friede," öffentlich und heimlich sie bei den Gemeinden zu verdächtigen. Und weil sie ihre elende Hurerei mit allen Secten nicht ungestraft treiben, auch sie nicht so gar öffentlich in die Gemeinde einführen können, so lange die Stimme auch nur einiger Wächter davor warnt, suchen sie natürlich diese Wächter selbst unschädlich zu machen; und wie kann dies besser geschehen, als daß sie die unwissenden und gleichgültigen Gemeinden mit dem Worte „Augsburgische Confession" begaukeln, und dann solche Bestimmungen machen, unter deren Schutz sie ruhig mit dem Gaukelsack von falscher Lehre und Menschensatzungen zu Markte ziehen können. Aber, könnte man sagen, die Leute haben ja doch ein Gewissen, und sie werden ja doch lutherisch glauben und lehren, wenn sie sich für lutherische Prediger ausgeben, und sich als solche bei lutherischen Gemeinden einführen lassen. Man sollte es ja freilich denken, namentlich von einem Prediger, aber wo steckt denn das Gewissen dieser Herren, die, wie es ja am Tage liegt, die heftigsten Gegner der eigentlich lutherischen Lehre sind, öffentlich dagegen lehren, öffentlich sie verlästern, öffentlich eine Union mit allerlei Secten begünstigen und einzuführen versuchen, deren falsche Lehre die lutherische Kirche in ihren Symbolen einstimmig verwirft, deren Anerbietungen und Versuche, sich kirchlich mit ihr zu vereinigen, sie Gewissenshalber 3 Jahrhunderte hindurch aufs Entschiedenste abgewiesen und verabscheut hat! — Wo steckt das Gewissen dieser Leute, die dieses Alles öffentlich und am Tage thun, und dennoch mit frecher Stirn behaupten, daß sie lutherisch sind, und sich bemühen, echtlutherische Prediger und Gemeinden als sectirerisch und separatistisch darzustellen, was ihnen leider nur zu gut gelingt, und ihnen immer besser gelingen muß bei dem granenhaften Abfall unserer Kirche, wodurch eine solche Dummheit die Gemüther umzogen hat, daß sie mit der dummen und frechen Behauptung Alles meinen darniederschlagen zu können: „Die lutherische Kirche in diesem Lande glaubt nun einmal so, und wer in diesem Lande nicht so glaubt, wie wir, der ist kein Lutheraner, sondern ein Sectirer und Separatist." Dies ist dumm und boshaft zugleich; dumm: denn die göttliche Wahrheit, also auch die Eine heilige christliche Kirche, die Grundfeste und Pfeiler der Wahrheit muß, wie zu allen Zeiten, so auch in allen Ländern und Völkern ewig dieselbe sein, denn der HErr hat in Seinem nur Einzigen göttlichen Worte auch nur Einen Weg zur Seligkeit offenbart; daß aber die Lüge, oder was dasselbe ist, falsche Lehre nicht zur Seligkeit führen kann, ist eben so handgreiflich, wie daß ein falscher Weg nicht zum rechten Ziele führen kann. Boshaft ist diese Behauptung und frech, denn es ist noch ein bedeutender Theil der lutherischen Kirche in diesem Lande, die fortwährend gegen jene Glaubensschänder protestiren, und nicht einmal kirchliche Gemeinschaft mit ihnen haben. Um den Greuel vollständig zu machen, kommt Herr Weyl auch mit dem Gewissen an, und legt sein Gewissen als Lockspeise in die Falle, weil er weiß, daß wir dummen deutschen Leute immer noch etwas auf's Gewissen halten. Im letzten Artikel heißt es nämlich (und damit ist denn der Satz mit der Augsburgischen Confession gänzlich über den Haufen geworfen, und die Gemeinde vollends in den Betrug hineingeführt): „So lange der Prediger C. Weyl das Evangelium lauter und rein verkündigt, wie er es mit gutem Gewissen und dereinst vor Gott verantworten kann, soll er als Prediger dieser Gemeinde angesehen werden, und nicht jährlich der Wahl ausgesetzt sein." ꝛc. In der That, dieser Artikel ist der allerklärste und allerkläglichste Beweis, wie schändlich unsere Gemeinden das von den Vätern ererbte, und von diesen höher, als das Leben geachtete Kleinod der reinen Lehre verschleudern, und dem ersten besten Hausirer