# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S105 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherische Antithesen. 105 Phrasenschleier auf und erfahren dadurch, daß es nicht wie Christus ein lauteres Ja, sondern ein pures Nein, oder ein trügerisches Ja-Nein ist. 35) „Ehrenberg (Verhandlungen der evangelischen Generalsynode zu Berlin, S. 301) sagte scharf, aber wahr: Um dem Jahr 1846 die Möglichkeit zu sichern, die Ordinanden auf die symbolischen Bücher zu verpflichten, hätte man im Jahre 1746 der Exegese gebieten müssen: Bis hieher und nicht weiter!" (Thes. 99). Hier haben wir das unionistische Formalprincip: Nicht in der durch alle Jahrhunderte sich gleich bleibenden h. Schrift, sondern in den Commentaren ihrer Ausleger seit 1746 ist der Weg zur Seligkeit geoffenbaret ; sie also sind Norm, Regel und Richtschnur des Glaubens und der Lehre. Der Unionismus wird ohne Zweifel wohl wissen, wie er mit diesem von den Rationalisten überkommenen fundamentum fidei et doctrinae daran ist. Es wäre für Herrn Stier, als einen „Doctor der Theologie," doch gar zu unrühmlich, wenn er Ehrenberg's „scharfe" Appellation von der heiligen Schrift und dem Worte Gottes an die Aussprüche und Menschensatzungen der neuen Kirchenväter nach 1746, unterschrieben hätte, ohne sie begriffen zu haben. Gegen das von Ehrenberg-Stier aufgefrischte Formalprincip der Papisterei erneure ich für meine geringe Person den protestirenden Gedanken der Reformation: „Textus semper manebit, pereat glossa iners." 36) Wie unterscheidet sich die evangelische Schrifterklärung vor von der unevangelischen nach 1746? Jene liest heraus, diese hinein. Herauslesen kann man aber aus der heil. Schrift nur das, was in ihr, hineinlesen nur, was außer ihr liegt. Die alten evangelischen Interpreten rufen: Höret Gottes —, die neuen unevangelischen: Höret unsere Weisheit! Jene warnen: Höret uns nur soweit, als uns die Schrift recht giebt! — Diese: Hütet euch vor der Schrift, soweit wir ihr nicht recht geben! Vor 1746 gab es eine Exegese, eine Auslegung dessen, was die Schrift enthält; nach 1746 giebt es eine Eisegese, welche das miserable Produkt ihres eigenen Genius taschenspielerisch in die Bibel hineinpracticirt, um es unter dieser bewährten Firma leichter loszuschlagen. 37) Also selbst die Feinde müssen wider Willen und Dank bekennen, mit dem Worte Gottes, welches immer ein und dasselbe ist, war und sein wird, vermöge man unsere symbolischen Bücher nicht zu widerlegen, sondern blos mit den nach 1746 aufgekommenen Glossen einer dämisch gewordenen Theologie . Können wir noch mehr verlangen? 38) „Wollen wir mit äußerster Thorheit und Anmaßung behaupten, der die Confessionen eklektisch sich aneignende Glaube sei gar kein Glaube?" (Thes. 100). Freilich ist's einer, nur nicht der christliche, sondern der „eklektische," zu deutsch: der Glaube der Schwebler. 39) Ist zugestandenermaßen (Thes. 101—105.) „Rationalismus " (d. h. Vernunftreligion, Heidenthum) der reformirte, „Catholicismus " (d. h., wie es von jeher laut des Symb. Apost. et Nic. verstanden worden ist, nicht des Pabstes oder Türken, der Mönche oder Wupperthaler