# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S104 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 104 Lutherische Antithesen. Menschen und menschliche Meinungen, auf den wechselnden „Geist“ der Zeiten, gründet, nach ihrer göttlichen Berechtigung zu fragen. 29) Wer war „dieser neue Geist,“ von dem Thes. 79—82 so viel Aufhebens gemacht wird? Was war „das neuerweckte Christenthum,“ dessen „Geschichte wir zum Theil noch selbst erlebten?“ War es, wie Kahnis überglimpflich urtheilt, „damals noch im Embryonenzustande, kaum evangelisch, geschweige (?) kirchlich zu nennen?“ Nein, es war eine Amphibie, der zum widerchristlichen Unglauben der Muth und zum christlichen Glauben die Kraft gebrach. 30) Ein Pröbchen von Stier’scher Logik und Jurisprudenz: Da sich der Unionismus seinen „Rechtsbestand“ durch „Thatsachen“ („passive Zustimmung der Gemeinen zur vorgeschlagenen (?!) Union“ ꝛc.) erworben hat, so darf sich das Evangelium seinen „Rechtsbestand“ nicht gleichfalls durch „Thatsachen“ (active Zustimmung der Gemeinen zur augsburg. Confession) erringen; denn was Einem recht ist, ist ja dem Andern billig. (Vergl. Thes. 83—88 mit dem Zwecke des ganzen Büchleins.) 31) Nur ein Stier kann die Einführungsgeschichte des Unionismus, statt mit der des Islam, mit jener der Reformation und des Christenthums vergleichen, Thes. 89—94. Christenthum und Reformation sind Werke Gottes, zu deren Förderung und Verbreitung auch menschliche Verkehrtheit dienen mußte. Kindisch aber ist die Behauptung, unter der „Unionserscheinung“ sei „wesentlich noch etwas Anderes vorhanden,“ als der zugestandene ungöttliche „Indifferentismus,“ dem sie ihre Entstehung verdankt. 32) „Die Zahl der Redlichen in der Union stellt sich sehr überwiegend gegen die Confessionellen vor Augen.“ (Thes. 95). Das könnte auch nur mit Hexerei anders zugehen. Giebt es doch kein einträglicheres Gewerbe in unserer industriellen Zeit, als die Gottseligkeit eines „gläubigen“ Unionisten, die, weil sie es mit einflußreichen Leuten niemals zu verderben braucht, fortwährend die Güter und Verheißungen dieses Lebens hat. 33) Wann anders als zur Blüthezeit des „neuerweckten Christenthums,“ wo religiöse Finsterniß die Völker deckte, hätte sich der Unionismus einführen lassen? (Thes. 96—98). Liegt aber jene ägyptische Nacht noch heute auf dem Erdkreise? Nun, sie beginnt bereits dem Lichte des Evangeliums zu weichen; wenigstens kann Hr. Stier den Beweis des Gegentheils nur führen durch eine — „alte Frau!!“ 34) Delitzsch hat unumstößliche Wahrheit gesprochen: „was beide Kirchen scheidet, lasse sich in wenige Worte fassen und selbst der Einfalt eines Kindes verständlich machen.“ Ja und Nein kann jedes Kind unterscheiden, und hierin liegen eben die Trennungspunkte beider Kirchen. „Die so reden, karrikiren die reformirte Lehre“ so wenig, als „sie vergessen, was Laienchristenthum und was Theologie ist.“ Sie starren nur nicht mit Stier’scher Ehrfurcht das Bild von Sais aus der Ferne an, sondern heben seinen geheimnißvollen