# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S103 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherische Antithesen. 103 vor dem Pochen auf Kirchenrecht und „Rechtsbestand!“ Lernt auch von dem Feinde (Thes. 39—45) den Ernst der unleugbaren Thatsache, daß ein Bekenntniß auf dem Papier eine Fiction, eine unkirchliche Lüge ist! „Im Schwange muß Glaube und Bekenntniß gehen, wenn sie Geltung haben sollen; das Hinweisen auf moderige Rechtsurkunden ist selbst moderig,“ — so werde ich immer sagen. Befolgt des Feindes Rath: „Predigt Evangelium!“ natürlich nicht das, was er euphemistisch so nennt: Da kam mir ein frommer Einfall von ungefähr, ꝛc., welches die Unionskirchen „mit dem Reichthum seiner Zeugnisse“ und Erzeugnisse anfüllt, wohl aber das apostolische von der Gerechtigkeit allein durch den Glauben. Predigt es mit Mund und Feder, lebendig, frisch und frei, als ein Licht gegen die pietistische Finsterniß, als eine Arzenei wider das Unionsfieber. Ihr werdet größern Erfolg davon erleben, als von der Berufung auf „bestäubte Akten.“ 25) Schon darum tauge ich nicht zu einem „gläubigen“ Unionisten, weil ich jedes Ding bei seinem rechten Namen nenne und kein Geschick zu Umschreibungen besitze. So würde ich z. B. grob herausfahren: Das Evangelium ist „das widerlich wunderliche, zweideutige Ding, welches überall Aergerniß und Verwirrung anrichtet;“ oder: Kein Prediger darf verpflichtet werden, das Christenthum zu verkündigen. Das liefe aber schnurstracks wider die gläubig=unionistische Terminologie, wie man aus Thes. 46—52 lernen kann. Um Christo und seinem Evangelium in unsern Tagen sicher zu Leibe zu gehen, muß man einen guten Vorrath andersklingender Ausdrücke in Bereitschaft haben, z. B. „neues Altlutherthum, selbsterwählte, streng zugespitzte Orthodoxie, Herrschaft der symbolischen Bücher, zwangmäßiges Bejahen unverstandener Sätze, Judenthum innerhalb der lutherischen Kirche, aufgedrungener Confessionalismus, milde Praxis“ u. s. w. Die Sache ist wirklich gar nicht übel; man erreicht seinen Zweck und meidet allen unnöthigen Anstoß. 26) Das Evangelium „geht nur spuken als Gespenst?“ Aberglaube! Wie kann sich ein Doctor der Theologie von einem Gespenst einen 58 Seiten dicken Angstschweiß auspressen lassen? Erklärlicher wäre sein Schrecken, wenn ihn jemand aufgehetzt hätte, der Unionismus sei die Seelencholera; denn geisterhafte Pestilenzen wird man so leicht nicht los als Kobolde. Oder hat der „Spuk“ etwa schon dem Hahnenrufe und Bannspruche getrotzt? Das wäre freilich ein anderer Casus. 27) „Auch ich meine das Evangelium zu predigen und bin doch in demselben Fall, weder ganz lutherisch, noch ganz reformirt sein zu können.“ Das glauben wir Hrn. Dr. Stier auf's Wort, eben weil er auf dem Boden der religiösen „Privatmeinung, subjectiven Ansicht und dergl.“ stehen will. Wenn nun ein Meinungsmann einen Kirchenmann im Christenthum unterrichtet, so fällt die Lection so aus, wie Thes. 53—72 steht. 28) „Man hat die unirte Kirche gefragt, wie sie ihre Beglaubigung auf dem Worte Gottes darthun wolle: sonderbare Frage!“ Ja gewiß war es eine gutmüthige Sonderbarkeit, eine Kirche, die, laut Thes. 70—78 sich blos auf