# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S102 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 102 Kirchliche Mittheilungen 19.) Ja, damals spielte der Unionismus noch den tobenden Großsprecher Dionysius, der den armen Damon mit Haut und Haaren und nebenbei wenigstens zum Schein, auch den Pythias verschlingen wollte. Die Zeiten haben sich geändert. Jetzt fleht er nur ganz zahm und mürbe: Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte, und nach abermals 25 Jahren wird es auch von ihm heißen: Als Dionys hört auf Tyrann zu sein, ward er ein Dorfschulmeisterlein. Die glorreiche Zukunftschimäre dominirt nur noch in wenigen Köpfen. Hat der Unionismus keine polizeiliche, so hat er eben gar keine Zukunft. Christo, nicht dem Unionstraume der Thes. 24—26. gehört die Zukunft. 20) Da in der großen Zukunftskirche jeder nur den Eingebungen seines eigenen Geistes folgen wird, so verstehen sich die Thesen 27—35, betreffend die indirekte Beseitigung der heil. Schrift und des apostolischen Symbols, und die direkte der übrigen ökumenischen und reformatorischen Glaubensbekenntnisse, ganz von selbst. 21) „In der ganz gleich anerkennenden Uebernahme der drei ökumenischen Bekenntnisse hängt voran schon die Reformation mit dem alten Betrüge der Scholastik noch zusammen.“ So! Früher wollte der Unionismus wenigstens noch durch diese 3 Symbole mit der allgemeinen Christenheit zusammenhängen; hört ihr’s, wie der Vogel jetzt pfeift? Doch es kommt noch deutlicher, 22) Die große Zukunftsreligion, welche Hr. Dr. Stier et Comp. zu machen sich anschicken, wird eine von der christlich evangelischen wesentlich verschiedene sein, da ja „Vieles, als z. B. Dreieinigkeit, Menschwerdung, Selbstentäußerung voran schon, dann menschliche Freiheit und Gottes Rath, ferner die ganze Lehre von der Kirche, vom Amte, von der Verfassung, die prophetische Theologie und Eschatologie, Chiliasmus und Hades, Kindertaufe u. s. w. der Entwickelung nicht blos, auch dabei der Berichtigung harret,“ weil es von den Reformatoren „schriftwidrig“ vorgetragen, oder „ungedeckt“ worden ist. Was sagen die Bekenner des ewigen Evangeliums zu diesem Programm eines neuen? Handelt sich’s nun bei der Union blos um die Lehre vom h. Abendmahle, wie man den Einfältigen so lange vorgeredet hat und noch immer vorredet, oder um die ganze Religion, wie die „Fanatiker“ von jeher behauptet haben? Wer hat hier „über die Union gelogen, daß die Balken sich biegen möchten?“ 23) „Eine von der Kirche normal ausgelegte Schrift wollt Ihr uns bieten? Unterwerfung zumuthen unter diese abermalige Tradition?“ (Thes. 36—38.) Das sei ferne! Wie könnten wir armseligen lutherischen Ketzer uns solches gegen den großen Religionsfabrikanten Stier herausnehmen? Nein! „Zum neuen Bekenntniß helfen,“ können wir zwar leider nicht, weil uns ja „der Verstand“ fehlt, aber das große Werk nicht stören, dem hohen „Geiste nicht wehren,“ wenn er von Schkeuditz nach Ninive wehen will, — das soll unsere Aufgabe sein. 24) Hütet euch, hütet euch, die ihr evangelisch=lutherisch sein wollt,