# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S101 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherische Antithesen. 101 sich offenbarende Gemeine Jesu Christi" (Vilmar) zu sein sich rühmt, zeugt von glaubensleerer, werkstolzer Pietistendemuth. 15) Wer lieber gut unionistisch von mehrerlei „reinem Sakrament, rechtem Israel, Jerusalem, Zion," von zwei „evangelischen Kirchen" u. dergl. schwatzt, als gut biblisch an den großen Unterschied zwischen sichtbarer und unsichtbarer Kirche glaubt, der wird die Thes. 14—16 nicht so unverdaulich finden, als ich. 16) Ja, ja, wir wissen schon, was dieser „lebendige Herzensglaube," dieses „Christusblut in den Adern," (Thes. 17. 18.) für charmante, behagliche Dinge sind, und finden ihre beredte Lobpreisung ganz natürlich. Welcher „gläubige" Indifferentist, Enthusiast, Unionist hätte auch jemals sein eigenes Fleisch gehasset, sondern er nähret es und pfleget sein. Gegen uns folgt aus dieser „mit Schrift und Geschichte" durchaus nicht zu widerlegenden Thatsache allerdings „ungeheuer Viel," was aber nicht hierher, sondern in das Capitel von den gastronomischen Erbaulichkeiten gehört. 17) Die im Glauben „Schwachen" aufzunehmen und ihre Gewissen nicht zu verwirren, ist göttliches Gebot. Aber falsch ist, daß die Apostel vielerlei Religionen „friedlich" neben einander geduldet, daß sie vor „fundamentalen" Irrthümern, ja „sogar vor der pharisäischen Verleugnung der Grundformel des Evangeliums, größern Respekt als Luther gehabt," daß sie mit den Lästerern und Verfälschern des Evangeliums unionistische Brüderschaft gemacht hätten, wie uns Thes. 19—23. einreden wollen. Das „Damnamus" neben dem „Docemus et Confitemur" ist so alt als das christliche Credimus, so alt als das apostolische Evangelium; vergl. Gal. 1, 8. 9. Der Wahrheit und dem Irrthum zugleich Altäre bauen, ist eine Verletzung des ersten Gebotes, eine samaritanische (2. Kön. 17, 28 ff.) Verachtung des Glaubens und göttlichen Worts, welche beide, ihrem innersten Wesen nach, gegen Mißglauben und Menschenlehre exclusiv sind und das Verwerfungsurtheil darüber in ihrem „positiven Zeugnisse" stets impliciren, wenn sie es auch nicht als formelle antithesis aussprechen. 18) „Soviel noch Rückstand in der Heiligung, soviel auch noch Rückstand in der Erkenntniß, also relativer, partieller Glaubensirrthum." So spricht der Pietismus, der, nach Adams natürlicher Blindheit, nicht mit der Sündenvergebung, sondern nur erst mit der Sündlosigkeit vor Gott zu bestehen wähnt. Hätte er Recht, so wäre auch die h. Schrift kein untrügliches Gotteswort, da ihre Verfasser das Ziel der Heiligung noch lange nicht erreicht hatten und durch die Inspiration ihm auch um keinen Schritt näher gebracht wurden. Hätte er Recht, so hätte Christus Unrecht, der selbst bei den pharisäischen Schriftgelehrten auf Mosis Stuhle keinen „Glaubensirrthum" fand. Von Glaubensirrthümern können sich selbst die Dämonen rein erhalten. 19) „Kirche der Zukunft, d. i. der Union; — Bekenntniß der Zukunft; — große Zukunft der wahren Union;" das waren die Schlagwörter im Jahre