# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S100 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 100 Lutherische Antithesen. er allenthalben, wo er meiner ansichtig wird, ein so entsetzliches Zetergeschrei ausstößt. Wie der „Fanatiker" gemeint sei, weiß ich zwar nicht, weil mir der sublime Ideenkreis, worin sich ein Stier bewegt, verschlossen geblieben ist. Das aber gefällt mir wohl, daß er mich in Glaubenssachen wenigstens für kein Wachs oder Schilf, sondern für ein „Erz" erklärt; ihn selbst, den Herrn Stier, wird gewiß Niemand einen Erz-, sondern höchstens einen Quarkfaseler schelten. 9) Da kaum ein Zweifel sein kann, daß die Redactoren und Mitarbeiter dieser Zeitschrift durch Thes. 201. 202 aufgefordert werden, in unionistischem Interesse hauptsächlich mir die „Brüderschaft" aufzukündigen, so finde ich mich veranlaßt, meine Ueberzeugung, soweit sie Hrn. Dr. Stier verwerflich erscheint, in vollständiger Kürze darzulegen. 10) Ich bin Niemandes „Mitläufer". In wissenschaftlicher Hinsicht setze ich mich jederzeit gern und mit ungeheuchelter Bescheidenheit zu den Füßen der hochachtbaren lutherischen Theologen, gegen welche die Thesen gerichtet sind. Handelt es sich aber, wie hier, um die Erkenntniß des Heils, welche ist in Vergebung der Sünden, so bin ich nicht ihr dankbarer Schüler, sondern ihr ebenbürtiger Mitschüler; denn durch ihrer keinen, sondern lediglich durch die Apostel und Reformatoren bin ich mit dem Evangelium bekannt geworden. Zu „Scheltworten" gegen mich ist leider mehr als hinreichendes Material vorhanden; aber der soll noch geboren werden, der „Extravaganzen" an meinem Glauben zu „strafen" findet. 11) Christo und dem Evangelium gegenüber sollte man sich des lutherischen Namens billig enthalten. Wer aber dem Antichrist und seinem päpstlichen und unionistischen Reiche zu gefallen den Luther wegwirft, wie Thes. 1—8 verlangen, der wirft Christum zugleich mit weg, weil weder Pabstthum noch Unionismus bestehen können, wenn nicht beide, der Luther sammt dem Christus, verleugnet werden. 12) Behaupten, wenn Luther jetzt „wiederkäme," würde er „neue Lehre bilden" und dem Pietismus, Calvinismus, Unionismus auf die Beine helfen, ist unsinniges, von den Rationalisten erdachtes Gewäsch. 13) Ja, es giebt nur Eine christliche Kirche, Thes. 9—11. Aber wir definiren sie mit dem Symb. Apost. als die Gemeine der Heiligen, nicht, wie Stier will, als den Sammelplatz aller religiösen Irrwische und Wetterfahnen. In der Begriffsbestimmung liegt der streitige Punkt. 14) Eine „Religionsgesellschaft," die sich mit Thes. 12. 13. nicht „als die Kirche des schriftmäßigen Bekenntnisses behauptet," sondern „in Anerkennung der Thatsache, daß auch die Andern schriftmäßig zu bekennen auf gleichem (??) Grunde evangelischen (?) Glaubens überzeugt sind (!!!), nur sagt: adhuc sub judice lis est," — eine solche ist keine Gemeine der Gläubigen, sondern der Zweifler, und hat überhaupt kein Recht auf den christlichen Namen. Der evangelisch-lutherischen Kirche einen Vorwurf daraus machen, daß sie „die in ihrem Bekenntniß ruhende und in ihrem Bekenntniß