# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S99 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherische Antithesen. 99 des Unglaubens. Diese bringt jeder mit auf die Welt, jene ist ein freies Gnadengeschenk des heiligen Geistes. 2) Wenn der natürliche Mensch seinen frommen Sonntagsrock angezogen hat, so ruft man ihn nicht mehr, wie einen Bauer: alter Adam! sondern titulirt ihn fein manierlich: Herr Dr. Stier et Comp. Diese Höflichkeit ist uralt. 3) Wenn Herr Adam Stier alte Bibeln und Gesangbücher auszuflicken versteht, so will er flugs für einen sacherleuchteten Meister in der Theologie gelten und nimmt sich das Recht, in göttliche Dinge, in Christi Reich, Evangelium und Glauben, hineinzureden. Weil er aber von alle dem so wenig begriffen hat, als der Blinde von der Farbe, so schwatzt er frischweg darauf los, ohne Sinn und Salz, und verfälscht, den Unglaubigen und Leichtgläubigen zum großen Schaden, die christlichen Worte und Wahrheiten. 4) Er verfälscht die christlichen Worte. Denn statt: mein Fleisch und Blut, mein liebes Ich, spricht er: „mein Herr Christus;" statt: meine angeborene Lust und Neigung, meine Eigenliebe, setzt er: mein „Herzensglaube." 5) Er verfälscht die christlichen Wahrheiten. Denn er besteht hartnäckig darauf, zwischen Christenthum und Widerchristenthum müsse ein friedlicher Bund bestehen, Glaube und Unglaube müssen „einander ergänzen." 6) Daß Hrn. Stier's pietistischem Unionsenthusiasmus das Evangelium der Quäker und Rationalisten mehr zusage, als der „Dogmenpopanz" der Apostel und Reformatoren, brauchte er uns nicht erst zu versichern (Thes. 15, 178); — wir kennen schon die Verwandschaftsverhältnisse. Rationalismus und Quäkerei sind Geschwister des Pietismus; die Zigeunerreligion ist die noch nicht christlich gefirnißte Urgroßmutter dieser Drillinge und der Stammvater aller vier ist der alte Adam; Art läßt nicht von Art. 7) Mag Adam als Pietist oder als Rationalist, als Quäker oder als Pantheist, als Pharisäer oder als Sadduzäer auftreten, in allen Gestalten, im Tänzer- wie im Büßergewande, ist und bleibt er Meister Ego, und sein Glaube: der Egoismus. Soll denn meine Frömmigkeit, meine Wissenschaft, meine Tugend, meine Missionswerke und Betstunden, mein Fasten, Almosen und Traktätchengesellschaften, sollen sogar alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit gar nichts, und nur Christus allein Alles in Allem sein? Nimmermehr! — Das ist das A und O seiner Philosophie und — ein „Lutheraner," wer ihm hierin nicht recht giebt! 8) Hört, wie Hr. Dr. Stier die lutherische Zeitgenossenschaft rubricirt. a) „Erzlutheraner:" Der „Geschichtsforscher" Rudelbach, der „Denker" Kahnis, der „Exeget" Harleß. b) Prädikatlose: Delitzsch, Flörke, Guericke, Huschke, Kniewel, Victor Strauß, Bilmar u. s. w. c) „Der Erzfanatiker Ströbel," an dem kein guter Bissen, ja nicht einmal das gelassen wird, was den Menschen vom Thiere unterscheidet (vergl. Thes. 110). Ich muß doch den Mann gewaltig auf seine unionistischen Leichdörner und pietistischen Hühneraugen getreten haben, daß