# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1855_S98 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 98 Lutherische Antithesen. Glaubens an seinen HErrn JEsum dem Meinungsstrom seiner Zeit trotzbietend, hat es übernommen, die Stier'schen „unlutherischen Thesen" „evangelisch lutherisch zu antithesiren." Es ist dieß geschehen in der „Zeitschrift für die gesammte Theologie und Kirche, herausgegeben von Rudelbach und Guericke" im ersten Quartalheft des laufenden Jahres. Da „Lehre und Wehre" dazu beitragen soll, seinen Lesern ein anschauliches Bild von dem gegenwärtigen Stand der Kirche u. A. auch in Deutschland zu geben, so glauben wir diesem Zweck auch dadurch zu entsprechen, daß wir hier jene Ströbel'schen Antithesen in extenso mittheilen. Auch der, welcher die Stier'schen Thesen nicht gelesen hat, wird leicht den Sinn des „Satz gegen Satz" sich enträthseln. Auch für unsere amerikanisch kirchlichen Verhältnisse enthalten übrigens die Antithesen so viel Beherzigenswerthes, ja für alle kirchlichen Verhältnisse so viel Unterrichtendes und den Glauben Stärkendes, daß gewiß jeder die Wahrheit liebende Leser Gott danken wird, daß unsere Kirche noch Männer wie Ströbel aufzuweisen hat. Falsche Geister, Liebeschwätzer, Wahrheitsverschacherer, Leisetreter und dergleichen „Geschwürm" werden freilich nicht viel Erbauung darin finden; sie sind aber auch nicht zur Erbauung auf dem Sumpf des menschlichen Herzens, sondern auf dem Felsengrunde JEsu Christo und seinem reinen Evangelio, darauf die Kirche erbaut ist, geschrieben. Man wird ferner freilich von der letzterwähnten Seite her von einer Ströbel'schen „Richtung" sprechen, wie man von einer besonderen „Richtung" der Missouri-Synode hier zu reden beliebt: aber das haben sich die Glieder der wahren rechtgläubigen Kirche immer gefallen lassen müssen, daß ihr katholischer Glaube von sanften Gänsefedern eine besondere „Richtung", von harten Lämmergeierfedern „Ketzerei und Sectirerei" genannt worden ist. (Apg. 28, 27.) Lächerlich wird es endlich wohl allen Lesern erscheinen, wenn sie hören, daß Herr Pastor Grabau den Licentiaten der Theologie Ströbel, um dessen gewaltiges Zeugniß, gegen ein papisirendes und für das alte evangelische Lutherthum, unwirksam zu machen, als „den unirten Gymnasiallehrer (?) Ströbel" bei seinen Lesern einführt! Nach der eigenthümlichen Weise seiner Polemik setzt zwar Herr Pastor Grabau, wie angegeben, ein Fragezeichen hinzu, aber so, daß man nicht weiß, ob das Fragezeichen nur auf Ströbels Charakter als eines Gymnasial-Lehrers oder als eines Unirten zu beziehen sei. (S. Inform. Jahrg. 3. Seite 166.) Wir lassen nun die Ströbel'schen Antithesen selbst folgen. * * „Hart gegen Hart!" steht auf der Rückseite des Titelblatts; wir wollen dem Motto keine Schande machen und auf den groben Klotz einen groben Keil setzen, uns auch der Thesenform bedienen, um nicht minder „deutlich für Jedermann" zu sein. Also 1) es giebt nur zwei Hauptreligionen in der Welt: die Religion Christi oder des Glaubens, und die Religion des natürlichen Menschen oder