# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S93 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie sich der Fuchs aus seinem hohlen Baume locken ließ. 93 tung der alten orthodoxen Lehrer verstehen und auslegen müsse, nicht umgekehrt, machen dann freilich einen korybantischen Lärm; schreien dann Zeter über uns und sprechen: „Da habt ihr's! An menschliche Schriften wollen diese Altlutheraner die Gewissen binden, ja Gottes Wort nicht nur neben, sondern sogar unter dieselben stellen.“ O wie regt sich's dann im Lager der Philister! Alles ruft: Nieder, nieder mit diesen Symbolgötzen-Dienern! — Was ist aber die ganze Geschichte? — Nichts, als eine schöne Comödie für ein gedankenloses Publikum. Denn alle Wissenden wissen recht gut, daß wir uns weder vor unserem Gewissen, noch vor Nichtlutheranern, der Schrift gegenüber auf die Symbole berufen, sondern lediglich vor den Herren und um der Herren willen, die nicht erst wir an die Symbole binden wollen, sondern die, um in der lutherischen Kirche ihr liebes tägliches Brod zu haben, durch einen Schwur auf die Symbole für die Zeit, in welcher sie das Brod unserer Kirche essen wollen, ihr Gewissen bereits selbst an die Symbole gebunden haben. Ja, ja, ihr Herren, verdreht nur den status quaestionis; macht uns nur fein vor euren unwissenden Lesern zu Symbololatren: es wird euch doch nichts helfen; endlich wirds doch offenbar werden, um was es sich zwischen uns und euch handelt. Nehmlich nicht darum, ob man die Bibel nach den Symbolen verdrehen, modeln und corrigiren dürfe, sondern darum: ob derjenige sich auf die Schrift im Gegensatze zu den Symbolen berufen könne, welcher, um als Lehrer in der Kirche derselben die geforderte Garantie zu stellen, einst auf die Symbole geschworen hat; oder ob der, welcher glaubt, die Aussprüche der Symbole nach der Schrift modificiren zu müssen, dann nicht vielmehr gehalten ist, ehrlich zu erklären, daß er kein Lutheraner mehr sei und daher sein Amt in der lutherischen Kirche aufgeben müsse. Uebrigens, was heißt das: man müsse die Symbole nach der Schrift auslegen? Das heißt entweder: die Symbole sind absolut desselben Inhaltes wie die Schrift, auch wo man sie ohne Hülfe der Schrift nicht verstehen könnte, daher man ihren wahren Sinn aus der Schrift nehmen kann. Dann gibt es also nicht nur eine analogia scripturae, sondern auch symbolico-scripturaria! Oder es heißt: weil die Symbole auch Irrthum enthalten können, so muß man sie nach der infallibeln Schrift so auslegen, daß man anstatt des in demselben enthaltenen Irrthums die biblische Wahrheit hineinlegt. — Das Erste wird wohl niemand unter den Quatenusleuten behaupten, so wenig als wir; das Andere aber wird wohl der Sinn jener Symbol-Kritiker sein, wenn sie behaupten, man müsse die Symbole nach der Schrift auslegen. Das letztere achten wir aber — für „lutherischen“ Jesuitismus. Die Symbole sind nicht nach der Schrift auszulegen, sondern zu prüfen; aber nicht erst nach der Leistung des Eides auf sie, sondern zuvor.