# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S91 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie sich der Fuchs aus seinem hohlen Baume locken ließ. 91 Wir kennen Leute, welche bisher steif und fest glaubten, Herr Pastor Mann in Philadelphia sei ein Kirchenfreund wie Christus ein Sünderfreund, da ersterer ja der Editor des „Kirchenfreundes“ sei. Wir haben’s nie geglaubt und es hat uns oft recht erbarmt, wahrzunehmen, daß sich hier innerhalb unserer Kirche so viele gutmüthige Menschenkinder dem süßen Traume hingeben, der vormals unirt-evangelische „Kirchenfreund“ werde jetzt, o Glück! von einem Mann unserer Kirche redigirt. Zwar hätten es diese Leute schon oft wohl merken können, welches Geistes Kind Herr P. Mann sei. Die amerikanischen Füchse stecken ja bekanntlich nur zu häufig ihre Physiognomie durch die Oeffnungen der hohlen Bäume, darin sie residiren, an das Tageslicht heraus. Es hat aber auch dieß bei Vielen, weil sie in der kirchlichen Naturgeschichte leider! schlechte Studien gemacht haben, nicht helfen wollen. Wir beschlossen daher, das gewöhnliche amerikanische Mittel, durch welches man den Fuchs aus seinem Bau herauslockt, anzuwenden — ihn nehmlich heraus zu „smoken“. So schrieben wir denn in den Prospektus zu „Lehre und Wehre“, daß dieses Blatt nicht etwa ein Kirchenfreund, sondern ein Kirchendiener werden solle. Und siehe! das Mittel half. Der Fuchs, in Sorge der Erstickung, sprang auf jene Worte blitzesschnell aus seinem hohlen Baume.*) Den Kirchenfreund hat nehmlich jene unsere lutherische Erklärung so außer Fassung gesetzt, daß er nun in seinem neuesten Monatsheft, im Märzheft dieses Jahres, über Luthern a la Eck, Emser, Cochläus und ähnliche „Kirchenfreunde“ herfällt, denselben nicht nur deßwegen, weil er einen Unterschied zwischen Homologumenen und Antilegomenen macht, als einen gefährlichen Ketzer an den Pranger stellt,**) sondern ihn sogar als einen Universalisten brand- durchzogen über die, wie ich fürchte, momentan siegreiche lutherische Strömung, die auf dem Wege ist, das Herzblut lutherischen Glaubens zu zersetzen, unsern Schatz bei den Feinden verlästern zu machen, unsern Gemeinden ein Joch aufzulegen, und mit einer falschen Praxis auf unser gutes Dogma aufs nachtheiligste zurückzuwirken. Da gilt es Glaube und Geduld, Gebet und Kampf der Gläubigen .. Der Herr erleuchte jene seine Diener, die es doch gut mit seiner Sache meinen, aber fremdes Feuer zu seinem Altar tragen!“ — — Die Union mit den Reformirten — setzten wir jener Befürchtung hinzu — wird dann bald dahinten, dagegen die mit den Papisten oben auf sein; sie ist’s ja, der der deutschlutherische, wie der anglicanische, Puseyismus entgegenführt. G. *) Er dachte, wie es scheint: kommen solche Gedanken in die Lutheraner, als sei es nicht einmal ein gutes Zeichen, wenn man sich blos einen „Kirchenfreund“ nennt, so sei ihm ja dann dieser Name etwa so viel werth, wie ein Paß einem mit Steckbriefen Verfolgten. **) Jeder Theolog weiß, daß dieser Unterschied in der Kirche immer festgehalten worden ist, daß nur die, neue Dogmen schmiedende, Kirche des Antichrists sich die Macht vindicirte, Antilegomena zu Homologumenen und absolut-canonischen Büchern zu decretiren und umzustempeln, und daß endlich jetzt Viele von dem Unterschiede nur darum nichts wissen wollen,