# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S84 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 84 Probe und Prophetie ꝛc. muß man urtheilen, wie der Schatz seines Herzens beschaffen sei, d. h. ob er ein rechter oder falscher Prophet sei. Aber da entsteht eine andere nicht weniger spitze und schwierige Frage: welches und welcherlei die Lehre sei, die da den wahren oder falschen Propheten anzeigt. Christus antwortet: „die den Willen thun meines Vaters im Himmel.“ Weil dies aber etwas zu dunkel ist, so sagt es Lucas deutlicher v. 46.: „was heißet ihr mich aber HErr, HErr, und thut nicht, was ich euch sage?“ Der Sinn ist demnach, so weit er hier das Amt der Apostel betrifft, dieser: ich habe euch die reine, heilsame Lehre überliefert und dargelegt. Wer nun das vorbringt und lehret, was ich sage, der ist ein rechter Prophet. Wer aber nicht das, was ich sage, sondern Anderes, Verschiedenes und Gegentheiliges vorbringt und redet, der ist ein falscher Prophet, er glänze mit welchem Schmuck er immer wolle und sei mit noch so großen Gaben geziert. Das ist die einfältige Erklärung dieser Stelle. Denn die weitere Darlegung gehört in die vollständige Abhandlung. Einiges aber von diesen Sprüchen geht auch alle Christen insgemein an. Das wollen wir an seinem Ort handeln. Hier haben wir blos davon geredet, was das Amt der Apostel betrifft. — Weiter ist noch zu erwägen, was der Ausdruck „in deinem Namen“ bedeute. Denn versteht man es von der Kraft und Wirkung des Geistes Christi, wie es Marc. 16, 17 heißt: „In meinem Namen werden sie Teufel austreiben“ ꝛc., so kann der Sinn nicht sein, daß sie zu derselben Zeit falsch lehren, wo Christus nach seiner Kraft und Wirkung durch sie weissagt, Wunder thut, große Thaten ausrichtet. Denn das wäre eine Lästerung gegen den Sohn Gottes selber. Und Paulus beweist gerade damit die Wahrheit seiner Lehre, daß er sagt: Christus redet durch mich, Rom. 15, 18; II. Cor. 5, 5; 13, 3. Wird also Name für Kraft und Wirkung Christi genommen, so würde der Sinn sein, wie auch Chrysostomus anerkennt, daß auch diejenigen, die einst heilsame Werkzeuge des h. Geistes gewesen waren, nachmals fallen können. So daß also der Schluß nicht gilt: wer vormals recht gelehrt und sich um die Kirche wohlverdient gemacht hat, von dem muß alles ohne Prüfung angenommen werden, als könne er nicht fallen noch irren. Im Gegentheil, spricht Christus, an jenem Tage werden zwar viele nicht lügen, sondern mit Recht sagen: „in Deinem Namen haben wir geweissagt;“ aber weil sie darin nicht bestanden, sondern aus Thätern der Wahrheit zu Thätern der Ungerechtigkeit in der Lehre geworden sind, so werden sie hören müssen: „ich habe euch noch nie erkannt, weichet!“ — Doch wird der Ausdruck auch gebraucht, wenn man den Namen Christi fälschlich fürgibt, als Matth. 24, 5: „es werden viele kommen unter meinem Namen ꝛc.“ Und wenn man es hier also versteht, so wird klärlich der Sinn der sein: daß der Teufel in den falschen Propheten für seine falsche Lehre und seine falschen Wunder den Namen Christi vorzuschützen pflege, Matth. 24, 24; II. Thess. 2, 9; man müsse also aufschauen, daß man durch solch Blendwerk nicht getäuscht werde. Das ist auch ein guter Sinn. Doch werden am Tage