# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S83 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Probe und Prospektus ꝛc. 83 tungen, und so hat es Luther hier gedollmetschet: „große Thaten ausrichten,“ daß also dreierlei verschiedne Gaben hier aufgezählt werden. — Muß man nun aber denjenigen, der solche Gaben hat, für verdächtig halten, oder ihn dieser Gaben wegen als falschen Propheten verdammen? Keineswegs. Denn diese Gaben sind theils zum Dienst am Wort nothwendig, theils schmücken und fördern sie ihn auf nützliche Weise. Aber Christi Meinung ist die: diese Gaben allein und für sich betrachtet sind nicht hinlänglich gewisse Kennzeichen, so daß nothwendig folgen müßte, wer sie hat dessen Lehre müsse rein und gesund sein, und wäre nicht noth, da noch lange die Lehre zu erwägen und zu prüfen, wo sich dieser äußere Schmuck findet. Denn Christus erinnert, daß auch solche Propheten mit diesem Schmuck, Aussehen und Larve angethan einherschritten. Wenn man also über die Lehre urtheilen soll, so ist Christus Rath der: man solle nicht zuerst und vornehmlich auf jenen äußern Schmuck schauen, wie herrlich er immer sei, sondern müsse das aus den Augen thun und das Schafskleid abziehen, damit man leichter und richtiger urtheilen könne, wie ihre Lehre beschaffen sei. Denn wenn die Lehre rein und gesund ist, dann erst fördern und schmücken jene Gaben das Amt; ist aber die Lehre verderbt, so ist jener äußere Schmuck nur eine Larve, und soll nur die Schafe täuschen . Das ist also das Erste: wie man vom Baum nicht urtheilt nach den Blättern und Blüthen, so muß man auch das Schafskleid von der Lehre selber trennen. — Das andere aber ist das wahre Kennzeichen: „aus ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“. Es ist also gewiß, um über Propheten oder Lehrer zu urtheilen , ob sie recht oder falsch seien, muß man auf ihre Früchte sehen. Da fragt sichs denn: was ist hier unter Früchten zu verstehen? Einige erklären es vom Wandel oder den Werken. Und allerdings, wenn man dies Kennzeichen insgemein von allen Christen versteht, so ist das der rechte Verstand, wie wir später zeigen wollen. Auch haben die Alten in diesem Sinn die Früchte auf den Wandel und die Werke gezogen. Aber wenn es sich von dem Urtheil über Propheten oder Lehrer handelt, so ist offenbar, daß, so sich auch endlich ihre Heuchelei selbst an den Werken offenbaren sollte, dennoch das Leben und die Werke zu den Schafskleidern gerechnet und von den Früchten unterschieden werden müssen. Die einfachste Erklärung ist also die: wie die Früchte des Christen als Christ die guten Werke sind, so ist die Frucht des Lehrers als Lehrer der Inhalt oder die Beschaffenheit seiner Lehre. Und wie man aus den Werken als aus den Früchten erkennt, ob einer ein rechtschaffner Christ oder Heuchler sei, so muß man über die rechten und falschen Propheten nach den Früchten, d. h. nach der Beschaffenheit der Lehre urtheilen. Und diese Erklärung geben die Worte Lucæ deutlich an die Hand. Denn was für einen Geist ein Prophet hat, darnach ist auch seine Lehre beschaffen. Aber den Geist können wir nicht sehen. Wie werden wir also urtheilen? Lucas antwortet v. 45: „Ein guter Mensch bringet Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens ꝛc.“ Also nach dem, was der Prophet hervorbringt und redet,