# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S82 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 82 Probe und Prospektus ꝛc. leichtgläubig, unvorsichtig ꝛc. sind, so hat Gott die Bischöfe zu Aufsehern gesetzt, die auf die ganze Herde schauen sollen. — Aber wie ist es möglich, diese, daß ich so sage, verkappten falschen Propheten zu erkennen und zu meiden, absonderlich wenn welche, seien es Diener oder Schafe, gar zu einfältig und mit jenen herrlichen Gaben des Geistes (1 Cor. 12, 10.) nicht begabt sind? Ich antworte: Ebendeshalb führt Christus solche Sprüche, die mitten aus dem täglichen Leben des Volkes genommen sind, daß er zeige, wenn man nur von Gott den Geist der Unterscheidung bittet und auch nur eine mittelmäßige Umsicht anwendet, so könne man die falschen Propheten ohne viele Mühe schon herausfinden, so sehr sie sich auch verbergen. „Kann man auch“, spricht er, „Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Also an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Erwägt man nun den Sinn des Gleichnisses, so wird die Anwendung leicht werden. Schaut man auf die Blätter und Blüthen, so haben Dornen und Disteln in ihrer Blüthe eine schönere Gestalt als der Weinstock und der Feigenbaum. Warum suchen wir nun an den Dornen und Disteln keine Trauben und Feigen? Wohl, weil der gemeine Menschenverstand lehrt, daß man die Beschaffenheit des Baumes nicht nach den Blättern und Blüthen, sondern nach den Früchten beurtheilen müsse. So schlägt uns denn Christus, die falschen Propheten zu erkennen und zu meiden, zweierlei vor: 1, daß wir ihnen die Schafskleider ausziehen, damit wir nicht durch die äußere Gestalt bestochen werden; 2, daß wir die Früchte, an welchen sie zu erkennen sind, kennen und durchschauen lernen. Christus spricht aber von den Schafskleidern figürlich, erklärt sich jedoch bald deutlicher und sagt: „es werden nicht alle, die zu mir sagen: HErr, HErr“ ꝛc. desgleichen: „es werden viele sagen: haben wir nicht in Deinem Namen ꝛc.“ Demnach sind die Schafskleider: a, der Titel, die Berufung, das Amt; denn sie sagen, sie weissageten in dem Namen Christi; b, berühmen sie sich mit dem Munde eines besondern Eifers der Andacht und Frömmigkeit; denn sie sagen: HErr, HErr, und diese Verdopplung bezeichnet eben Eifer und Uebertreibung; desgleichen sie kämen nicht wider, sondern zu euch; c, das äußere Schaffell, das von Anblick und Gefühl den Schafen der Herde gleich ist, bezeichnet die äußere Weise des Lebens, der Werke, des geselligen Verkehrs; die weiche Wolle mag das bezeichnen, was Paulus Röm. 16, 17 „süße Reden“ nennt. d, zu den Schafskleidern, mit welchen die falschen Propheten die Schäflein täuschen, rechnet Christus auch besondere, ausgezeichnete Gaben, als weissagen, Teufel austreiben, Thaten thun können. Die Gabe der Weissagung aber ist hier nicht bloß vom Prophezeien oder Vorhersagen künftiger Dinge zu verstehen, sondern nach 1 Cor. 18, 2, von den Sprachen, von der Auslegung, von der Beredsamkeit und dergleichen Dingen, die zu der Gabe gehören, klar und gewaltiglich zu lehren. Unter Austreibung der Teufel begreift man die Gabe der Wunder. Das Wort, welches hier mit „Thaten“ übersetzt ist, bezeichnet zuweilen auch Wunderkräfte, als Matth. 11, 21; 13, 54; 1 Cor. 12, 10; sonst aber auch andere herrliche ausgezeichnete Verrich⸗