# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S81 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Probe und Prospektus ꝛc. 81 theilung, die Christus macht. Die Zöllner und Sünder haben falsche Lehre; auch die Schriftgelehrten und Pharisäer haben ihre Fälschungen; aber über dies gibts noch andere falsche Propheten, vor welchen man sich auch hüten muß. Und diese Aufeinanderfolge lehrt, daß man, wenn ein Streit ausgekämpft ist, nicht sofort von einem Frieden träumen dürfe, der durch keine kirchliche Streitigkeiten mehr getrübt würde, sondern daß vielmehr nach den alten immer wieder andere und neue Kämpfe entstehen. Denn nachdem er die Fälschungen der Schriftgelehrten und Pharisäer widerlegt hat, fügt er hinzu: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die zu euch kommen.“ Die Pharisäer aber hatten keine Gemeinschaft mit der Kirche der Apostel. Man kann demnach drei Arten von falschen Propheten zählen: a, solche, die ganz außerhalb der sichtbaren Kirche sind, das Wort Gottes gar nicht haben und die Schrift nicht anerkennen, wie die Heiden und Türken; b, solche, die zwar das Wort Gottes haben und die Schrift anerkennen, sind aber ausgesprochne und offenbare Feinde der wahren Kirche, wie die Schriftgelehrten und Pharisäer. — Diese beiden Arten laufen die Kirche mit Schmähungen, Verfolgungen und offenbarem Gegenkampf an, können daher um so leichter als offenbare Feinde erkannt und gemieden werden; c, die dritte Art falscher Propheten sind solche, die „zu euch kommen“, die „Schafskleider“ anhaben, die im Namen Christi weissagen, d. i. sie haben einen rechtmäßigen Beruf, behaupten, daß sie Bürger und Glieder der Kirche seien. Denn die Schafe sind die Christen, deren Kleider sie anthun, die Schrift und das Wort rühmen und hoch betheueren, sie kämen nicht wider euch, sondern zu euch, sie suchten euer Heil ꝛc. ꝛc. Christus erinnert also, man müsse sich nicht bloß vor den offenbaren falschen Propheten hüten, sondern selbst denen dürfe man nicht einmal schlechthin ohne Urtheil und Unterscheid glauben, die zu uns kämen und im Namen Christi weissagten. Denn auch unter dieser Decke stecken oft falsche Propheten verborgen. Daß man aber ja nicht glaube, es habe keine Gefahr, wenn man auch jene Wachsamkeit und genauere Prüfung nicht anstelle, wofern man sich nur vor den offenbaren Verführern hüte, so fügt Christus hinzu: „inwendig sind sie reißende Wölfe“, d. i. die Seelen der Schafe würden nicht allein von offenbaren Wölfen, sondern weit öfter und gefährlicher noch von denen geraubt und zerrissen, die sich in Schafskleidern mitten unter der Herde befänden . Von diesen besorgen sich nämlich die leichtgläubigen Schafe nichts Böses, während sie sonst bei dem Anblick des Wolfes erschrecken und davon fliehen. Um sich also vor dieser dritten Art zu hüten, bedarfs einer genaueren Umsicht und Sorglichkeit, weil sie mehr schaden, und bei weitem nicht so leicht erkannt werden können. Dieß nun liegt vorzüglich dem Amte der Diener ob. Denn weil die Schafe einfältig, 6