# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S79 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Probe und Prospektus ꝛc. 79 graben nach und brechen ein, um zu rauben und zu morden. Ein guter Hirte, ein treuer Haushalter, ein rechter Prophet aber flieht nicht und schweigt nicht, sondern von seines Amtes wegen widersteht er, und zeigt die Wölfe, Diebe und falschen Propheten an, und ermahnt, sie zu fliehen. Darüber entsteht Gelärme, Streit und Zwiespalt ꝛc. — Wohl ist der Friede in der Kirche angenehmer und lieblicher. Aber das ist eben ein böser Friede, eine böse Eintracht, die zwischen Hirten und Wölfen, zwischen dem Haushalter und Dieb, zwischen dem wahren und falschen Propheten geschlossen wird. Also gehört Uneinigkeit, Streit und Zwiespalt zwischen Hirten und Wölfen, Dieben und Haushaltern gerade zum Heil der Kirche. Und es ist ein sicheres Kennzeichen, daß da die wahre Kirche sei, wo, um sie zu berennen, zu beunruhigen und anzufeinden, die Wölfe, Diebe, falschen Propheten ꝛc. in Haufen herzubrechen. Denn wo der Schafstall leer ist, da sieht man selten Wölfe. Im Gegentheil bewahrt der Starke seinen Pallast so, daß das Seine mit Frieden bleibt. Damit soll jedoch denen das Wort nicht geredet sein, die muthwillens die Kirche mit unnöthigen Streitigkeiten behelligen. Denn die Schrift redet von nöthigen Kämpfen. — Es sollen daher die Frommen lernen, sich an diesem Aergerniß nicht zu stoßen, sondern die Sache recht bei sich zu erwägen, so werden sie um des Streites willen von der gesunden Lehre nicht abgeschreckt werden, sondern werden sie desto lieber gewinnen und desto sorgfältiger darüber halten. Man darf sich also nicht eine solche Gestalt der Kirche suchen oder träumen, wo sich keine falschen Propheten, Wölfe, Diebe, Räuber hören ließen. Sondern das ist das Loos der Kirche in dieser Welt, daß sie von falschen Propheten, Wölfen und Dieben umlagert, bestürmt und angefeindet wird. Nun ist gewiß, daß diese genaue und eingehende Ermahnung, sich vor den falschen Propheten vorzusehen, die ganze Kirche angeht. Denn wie der HErr im Eingang der Bergpredigt angehoben hatte, zu den Aposteln, Jüngern und zum Volk zu reden, so richtet er auch den Schluß an den ganzen Haufen. Und wenn er ermahnt, daß diejenigen sich vor den falschen Propheten vorsehen sollen, zu denen sie kommen, so meinte er damit zweifelsohne die Gemeine oder die Hörerschaft; denn zu der kommen sie. Doch gehört die Wachsamkeit und Sorge, sich vor den falschen Propheten zu hüten, vor allem zum Amt der Apostel oder Diener. Denn also legt Paulus, A. G. 20, 28, den Predigern oder Bischöfen, die er von Ephesus zu sich gerufen, diese Ermahnung ans Herz: Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Heerde ꝛc. Anders aber soll der Apostel oder Diener des Worts, anders der Hörer sich vor den falschen Propheten vorsehen. Vor allem ist nun ins Auge zu fassen, warum der HErr diese Predigt, darinnen er die Apostel durch Darlegung der heilsamen Lehre für ihren künftigen Dienst unterrichtet, mit der Ermahnung schließen wollen, sich vor den falschen Propheten vorzusehen. Denn dies wird uns dreierlei lehren: 1, Es war da der Pharisäische Wahn von dem äußeren Frieden und