# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S76 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 76 Probe und Prospektus ꝛc. Handleitern um. Daß sie hiebei ihr Augenmerk nicht zunächst auf die betreffenden Erzeugnisse der neueren und neuesten luther. Theologie gerichtet hat, wird niemand tadeln, der mit uns der Ueberzeugung ist, daß wir noch lange nicht so in der Schrift leben und weben, so in der heilsamen Lehre nach allen Seiten heimisch sind, so im gesunden kirchlichen Bewußtsein gleichsam athmenals dies bei den theuren Vätern unsrer lieben luther. Kirche der Fall war. Nun können wir freilich dem HErrn der Kirche nicht genugsam danken für den großen Schatz von trefflichen, lehrreichen, wahrhaft erbauenden Postillen und Predigtbüchern, die Er uns in der guten alten Zeit geschenkt, und die Verfasser derselben zu solchem gottseligen Werk mit einer sonderlichen Salbung des h. Geistes ausgerüstet hat. Gleichwohl mußten wir uns bei genauer Erwägung des Ziels, das wir im Auge hatten, gestehen, daß der sonst so empfehlenswerthe Gebrauch von guten alten Postillen für die Erreichung unseres Zwecks noch keineswegs genüge, ja der Natur der Sache nach nicht wohl genügen könne. Predigtbücher, und wären es die unübertroffnen Postillen des theuern Gottesmannes Luther, geben eben schon fertige Predigten, die in der Regel einen bestimmten Zweck verfolgen, diese oder jene Lehre gerade besonders herausstreichen, oder sich, wie namentlich Luthers Predigten, vorzüglich um den Hauptgedanken bewegen, der im Texte niedergelegt ist. Kurz sie sind bei unsern treuen Vätern wohl die fertigen Ergebnisse dessen, was wir wollten, zeigen aber den Weg dazu entweder gar nicht oder doch nur selten an, und lassen uns daher an vielen Stellen rathlos. So wendeten sich denn unsre Blicke auf ein in der luther. Kirche einst und mit vollem Recht hochberühmtes, in unsern Tagen aber leider zu großem Schaden vielfach vergessenes und ungekanntes Buch, auf die treffliche, lateinisch geschriebene Evangelien — Harmonie von Chemnitz, Polyk. Leyser und Joh. Gerhard. Und siehe da, bei diesen theuern Gewährsmännern fanden wir zur vollesten Genüge, was wir suchten und wollten: tiefes, umfassendes Verständniß der Schrift, ja ein Leben und Weben in derselben, völliges, lebendiges Durchdrungensein von dem theuern Bekenntniß der Kirche, die durch sie lehrt und zeugt, klare eingehende Darlegung der Heilswahrheiten, scharfes Abweisen und Widerlegen des Falschen und Irrigen und allenthalben die reichste Anwendung auf das Leben, ein Ergreifen des ganzen Menschen nach Verstand, Gemüth und Herz, frei von einseitiger abstrakter Wissenschaftlichkeit wie von gefühliger Zerflossenheit, an welcher Uebel einem die neueren Produkte nur gar zu vielfach leiden und dadurch für geübte Sinnen unschmackhaft werden, die ungeübteren dagegen wohl etwa reizen aber nicht stärken, sondern sie vielmehr abschwächen und verwöhnen. So gingen wir denn freudig ans Werk, übersetzten die kürzeren Perikopen aus dem 1. Theil, den Chemnitz meisterlich in seiner präcisen Art bearbeitet hat, die die göttlichen Kerngedanken in eine festgeschlungene kostbare Perlenschnur aneinander reiht, und zwar größtentheils so wortgetreu, als es eben die deutsche Zunge erlaubt; machten aus den längeren Perikopen im Leyseri⸗