# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S70 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 70 Eine Erklärung Herrn Pfarrer Löhe's ꝛc. sagten, daß gerade die Lehre von Amt und Kirche ein Mittelpunkt der reformatorischen Kämpfe gewesen sei, und was die Bekämpfung der römischen Irrlehren anlangt, ist es auch wahr; ihre eigene positive Lehre von Amt und Kirche aber ist, wie es am Tage ist, nicht so gelungen, daß man allerseits hätte zufrieden sein können. Auch in den Symbolen ist darüber nicht so entscheidend gelehrt, daß Meinungsverschiedenheit in der Kirche unmöglich geworden wäre. Woher denn sonst die Verschiedenheit? — Wahrlich, die Führungen der lutherischen Kirche von Anfang waren und sind nicht geeignet, den Mangel der symbolischen Bücher aus Luther zu ersetzen, — aus Luther, der, wie die neueste Schrift von Richter und so manche andere gründliche historische Forschung zeigt, auf seinen letzten Principien keine Gemeinde organisiren konnte, sondern alles in die Hände der Juristen und Fürsten mußte übergehen sehen. Wenn wir nun sagten, wir hüben lesen die Symbole und die reformatorischen Schriften nach der heiligen Schrift; so wollen wir damit nicht sagen, daß die Symbole der lutherischen Kirche nicht in den eigentlich symbolischen Sätzen dem göttlichen Worte getreu seien. Vielmehr schließen wir uns der reformatorischen Lehre von der Klarheit und Deutlichkeit der heiligen Schrift so ernstlich an, daß wir von einem getreuen Lesen der Schrift den Triumph der Symbole hoffen. Wir fürchten von der Schriftforschung nichts, darum huldigen wir ihr und obschon manche von uns, z. B. der Schreiber dieses, von den Symbolen zu der Schrift ging, so glauben wir doch, daß eine völlig vorurtheilslose Forschung und Vergleichung zwischen Schrift und Symbol nur bestätigend für die Symbole sein muß. Aber wir halten eben auch die Symbole und die Lehre der Dogmatiker des 16. Jahrhunderts nicht für so vollkommen, daß nicht getreues Forschen manchen Mangel erstatten, zu einer reicheren, völligeren, harmonischeren und der Schrift würdigeren Darstellung der symbolischen Lehren führen könnte. Ja, wir halten es für möglich, daß hie und da einmal eine Berichtigung eintreten kann, wodurch die symbolischen Entscheidungen nur herrlicher und segensreicher werden können. Mit einem Worte, wir huldigen allerdings dem Grundsatz: von der Schrift zum Symbol — und von dem Symbol wieder zur Schrift — alles in allem die Schrift — und ohne sie nichts. Wir werden es vielleicht erleben, daß die amerikanische Richtung auch unter uns eine Weile den Sieg gewinnt; dabei werden wir es uns — wie in der Lehre vom heiligen Amt und der Kirche — gefallen lassen müssen, wie Abfällige behandelt zu werden und unsern Gang als Schattenseite bezeichnet zu sehen. Aber immer bleibt es nicht so. Jede Uebertreibung führt zu einem Rückwärts — und wenn wir eine Weile hin und her geschwankt haben, geben wir am Ende alle dem Worte die Ehre, daß es über den Symbolen sei und bleibe und im Verlauf der Zeiten die Kirche von Klarheit in Klarheit führe. Auf alter Bahn vorwärts! und: „In deinem Lichte sehen wir das Licht," das sei und bleibe unsre Losung. Vielleicht kommts einmal bald an