# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1855_S69 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Eine Erklärung Herrn Pfarrer Löhe's ꝛc. 69 kurze Bezeichnung des Unterschieds vielleicht zu kurz und schroff erscheinen; allein das wahre daran wird doch derjenige erkennen, welcher mit dem Stande hüben und drüben vertrauter ist. Daß die Brüder in Missouri und die ihnen folgende Synode ganz einfach den Anspruch machen, daß man die Schrift nach den Symbolen lesen solle (und die Symbole nach den Privatschriften Luthers und der großen Dogmatiker des 16. Jahrhunderts), leugnen sie gewiß nicht. Das obige Excerpt aus der Antwort für die Fürther Conferenz sagt es deutlich — und lange vorher, schon zur Zeit der Anwesenheit Walthers und Wynekens, wurde aus einem Briefe, den sie von Erlangen aus hinüber schrieben, im Lutheraner das als gemeinschaftlicher Fehler der verschiedenen Parteien in Franken und Bayern dargelegt , daß sie sämmtlich von der Schrift zu den Symbolen statt von diesen und den alten Lehrern zu der Schrift gingen. Die theuren Brüder meinen damit natürlich nicht, daß die Schrift nach den Symbolen ꝛc. gedeutet werden sollte, sondern nur das ist ihre Meinung, es könne keine andere richtige Schrifterklärung geben als die der Symbole ꝛc. Ihr Anspruch geschieht mitten aus dem starken Vertrauen heraus, daß die Symbole die Schrift recht verstanden hätten. Sie haben auch recht: das ist die übereinstimmende Ueberzeugung aller Lutheraner; alle wollen deßhalb das quia und nicht das quatenus. Allein die amerikanischen Brüder dehnen das quia weiter aus, als es je und je geschehen ist, so daß für sie die historische Fassung des quia zu einem reinen quatenus wird und werden muß. Man hat nämlich quia doch nie auf andere als auf die symbolischen Entscheidungen in dem heiligen Streite und den großen Fragen der Reformationszeit bezogen, nicht aber auf das Gelegentliche , nicht auf alle im Verlauf der langen, doch immerhin menschlichen, Symbole auftauchenden und vorgelegten Sätze und Begründungen. In den symbolischen Entscheidungen erkennen alle Parteien der lutherischen Kirche die rechte Schriftauslegung; wo hingegen keine eigentlichen Entscheidungen gegeben sind, hat man sich je und je an die heilige Schrift gewendet und den Mangel der menschlichen Worte durch das göttliche zu erstatten gesucht. Versteht man das quia anders, so muß man bis zurück in die ersten Zeiten der Reformation ein scharfes Messer führen und man wird vielen die kirchliche Treue absprechen müssen, welche bisher für besonders treu gehalten wurden. Es sieht ein solches Thun unserer reflectirenden und nivellirenden Zeit auch völlig ähnlich. So wie man gegenwärtig einerseits indifferentistisch ist, so übertreibt mans andrerseits mit dem Aufräumen und der Anforderung an Lehreinigkeit dermaßen, daß die Kirche, wenn sie diese Wege ginge, nur zu einer Selbstauflösung kommen könnte. Man wird weise nur thun, wenn man den Consens der lutherischen mit der alten Kirche, so weit er da ist, und den Consens der lutherischen Kirchen unter einander, so weit er da ist, fest hält, — aber auch der Forschung, dem Gebet und dem Drang nach fernerer Einigung Raum und Zeit läßt, bis neue symbolische Entscheidungen in den schwebenden Fragen gereift sind. — Unsere Brüder werden freilich sagen, wie sie's ja schon oft