# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 05 16_S75 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) mer neuen und jungen Glauben, Bekenntniß und Lehre der heiligen christlichen Kirche von Anbeginn. Denn Luther und seine Mitarbeiter haben auch nicht einen neuen Artikel des Glaubens gestellt, sondern vielmehr mit Gottes Wort und durch die Erleuchtung und Kraft des heil. Geistes all solch neues Menschengemächte siegreich zu Boden gestoßen, das der Antichrist zu Rom sammt seinen Gesellen wider die heil. Schrift als Glaubensartikel aufgerichtet und als Gottes Wort zu halten geboten hatte, wie z. B. die theilweise Rechtfertigung aus den Werken, aus welcher furchtbaren Lügenmutter und Teufelshure dann u. A. geboren wurde das Meßopfer, das Fegefeuer, die Anbetung der Heiligen, Möncherei, Nonnerei u. s. w. Die Reformatoren also brachten nur die eine und selbige Kirchenlehre von Alters aus Gottes Wort wieder an's Licht, die durch das abergläubische Zuthun römisch-papistischer schriftwidriger Menschen- und Irrlehre seit dem 7. Jahrhundert so vielfach entstellt und verdunkelt war. Denn wie die heil. Schrift nur „eine Wahrheit zur Seligkeit" hat, so hat auch die heil. Kirche von Anfang nur einen und denselben Glauben, Bekenntniß und Lehre, dem Inhalt und Wesen nach, gehabt, dessen kurzer Inbegriff das apostolische Glaubensbekenntniß ist. Wie aber die eine heilige christliche Kirche, als der Pfeiler und die Grundveste der Wahrheit, dies ihr einmüthiges Bekenntniß, das alle Gemeinden verband, in den ersten 5 Jahrhunderten gegen mancherlei grundstürzende Irrlehren (z. B. über die Dreieinigkeit Gottes, die wahre Gottheit und Menschheit Christi, die Einheit seiner gottmenschlichen Person, die Erbsünde und die Gnade Gottes) durch die heil. Schrift siegreich behauptete und vertheidigte, und zu diesem Zwecke die angegriffenen Schrift- und Kirchenlehren aus dem göttlichen Worte näher entwickelte und aus dem Einklange der klaren lehrhaften Schriftstellen fester begründete: — gerade eben so hat dieselbe h. christliche Kirche vom 16. Jahrhundert an durch Luthers und seiner treubleibenden Mitzeugen Dienst*) dasselbe theuerwerthe Bekenntniß wider die römisch-papistischen Irrlehren**) ganz auf dieselbe Weise behauptet und vertheidiget und aus dem göttlichen Worte die jetzt angegriffenen und verdunkelten Glaubensartikel und Kirchenlehren in ihrer schriftmäßigen Wahrheit klarer und genauer ans Licht gestellt. *) Zwingli, Oekolampad, Calvin u. A. blieben nicht treu, obwohl sie anfangs den Glauben der Kirche mit Luther bekannten und hielten; sie verließen später die gesunde kirchliche Mitte und geriethen eben, gegenüber dem abergläuischen Zuthun der römischen Kirche, in das entgegengesetzte Aeußerste, in ein ungläubiges Abthun und in ein Zerreißen deß, was Gott zusammengefügt hat. Dies beweist die Geschichte der Reformation. (S. den Lutheraner Jahrg 1, No. 13. und Jahrg. 2, No. 7.) Es schien ihnen außer dem unbedingten Gehorsam gegen den Einklang der klaren Lehrstellen der heil. Schrift auch die tiefere innere Erfahrung des rechtfertigenden Glaubens, als innere Leuchte, zu mangeln. **) Z. B. über die gleiche Würdigkeit und Gültigkeit der sogenannten apostolischen mündlichen Ueberlieferungen, der Beschlüsse der Kirchenversammlungen und der Entscheidungen der Päbste mit, ja über die heil. Schrift; über das Recht der Päbste, der Kirche Glaubensartikel zu stellen und allein die Schrift auszulegen, über die Mitwirkung und Verdienstlichkeit menschlicher Werke zur Vergebung der Sünden und Seligkeit; über den Segen der heil. Sacramente ohne Buße und Glauben der Empfänger u. s. w. Als aber der Teufel, der Vater der Lügen und der Urheber aller Irrlehren, sah, daß der h. Geist durch sein Wort und seine Erleuchtung in den treuen Zeugen und Bekennern seine abergläubischen Zuthaten zu Schanden machte, da versuchte er es von einer anderen und zwar der entgegengesetzten Seite, um von Neuem die eine und reine Kirchenlehre zu beschädigen; denn gar wohl wußte und weiß er, daß auf falsche Lehre falscher Glaube und falsches Leben nothwendig folgen muß, also daß ihm die Irrlehre, ohne Dazwischenkunft des heiligen Geistes in seinem Worte, die Hölle nicht um ein Geringes bevölkern hilft. Der Feind der Wahrheit nämlich versuchte es jetzt durch ungläubiges Abthun von der heilsamen Lehre, indem er theils die Schweizer von ihr abriß, theils die sogenannten himmlischen Propheten, Wiedertäufer und ähnliche Rotten- und Schwarmgeister wider sie erregte. Dies geschah aber dadurch, daß er sie mit fleischlichem Vernunftdünkel und geistlichem Hochmuth aufblies, theils besondere Erleuchtungen und Offenbarungen des h. Geistes neben, außer und über dem geschriebenen Worte Gottes vorzugeben, die auch der Schlüssel zu den dunkeln bildlichen Stellen der heil. Schrift seien, theils bei klaren ausdrücklichen Einsetzungen und Ordnungen des HErrn von den einfachen Stiftungsworten, wie sie lauten, abzugehen und ihnen einen künstlichen Sinn unterzuschieben. Dies Letztere geschah nun bekanntlich bei der Lehre von den h. Sacramenten, indem jetzt durch des Teufels Verblendung und den Vernunftstolz des Menschen die reformirte Irrlehre von diesen Artikeln sich förmlich entwickelte, die da nach wie vor behauptet, Brot ist Brot und Wein ist Wein! und eben so sehr den allmächtigen und wahrhaftigen Sohn Gottes zum Lügner macht, als sie wider die einhellige Lehre der heil. christlichen Kirche von Anbeginn*) ist. Diese aber erhob sich zumal in dem auserwählten Rüstzeug Dr. Martin Luther durch die Gnade des heil. Geistes auch wider dieses ungläubige Abthun der Schwärmer und Sacramentirer; und nicht nur erhielt dieser Mann Gottes wider jene Geistler und falschen Propheten das richtende und entscheidende Ansehen der heil. Schrift, nach welcher alle sogenannten Offenbarungen des heiligen Geistes zu prüfen seien, aber nicht umgekehrt, sondern zumal in seinen zwei größeren Vertheidigungsschriften warf er die künstlichen Scheingründe der Sacramentirer mit Gottes Wort also über den Haufen, daß es später nur bei ohnmächtigen Versuchen blieb, sie wieder zusammen zu flicken. *) So allgemein anerkannt und zweifellos war die luth. d. i. schriftgetreue Lehre vom heil. Abendmahl in der vorpapistischen wahrhaft katholischen rechtgläubigen Kirche, daß diese sich bei den Streitigkeiten über die beiden Naturen in Christo, wider die Zertrenner oder Verwandler derselben, häufig des heiligen Abendmahls als Widerlegung bedient; wie nämlich in diesem, sagt sie, das himmlische Gut, nämlich der Leib und das Blut Christi, mit dem irdischen des Brotes und Weines wesentlich und wirklich vereinigt, und doch dieses nicht in jenes verwandelt, aber eben so wenig von ihnen getrennt werde, also halte es sich auch mit der Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur in der einen Person des Herrn JEsu Christi. So stellten also Luther und seine treubleibenden Mitstreiter, zu denen aber die schweizerischen s. g. Reformatoren nicht gehören, den Glauben, das Bekenntniß und die Lehre der Einen heil. christlichen Kirche wieder her, indem sie dieselbe reinigten von den abergläubischen Zuthaten der Papisten und erhielten wider das ungläubige Abthun der Schwärmer, die von beiden Seiten aber veruneinigten und angegriffenen Artikel aus Gottes Wort wider die Zu- und Abthuer natürlich sorgfältig entwickelten und darstellten.**) Und dieses ihr zwiefaches Zeugniß wider die Päbstler und Schwärmer und zugleich diese ihre Behauptung des alten ursprünglichen Kirchenglaubens, der einmal den Heiligen vorgegeben ist (Jud. 3.), wurde 1530 in das Augsburgische Glaubensbekenntniß zusammengefaßt, das nichts anders als eine durch den zwiefachen Widerspruch der Römer und Schwärmer nothwendig hervorgerufene, nähere Entwickelung und deutlichere Bestimmung des apostolischen Symbols ist. Und da von beiden Seiten derselbe Widerspruch noch fortdauerte, ja neue Irrlehren, wie z. B. die calvinistische von der unbedingten Vorherbestimmung auch zur Verdammniß, sich noch hinzugesellten, so war die rechtgläubige Kirche, damals die Evangelischen geheißen, genöthigt, einzelne Artikel der Augsburgischen Confession nach und aus Gottes Wort noch näher und bestimmter zu entwickeln und darzulegen; und daher rühren z. B. die Apologie (Vertheidigung) der Confession wider die Papisten und die Concordienformel von 1580 her, wider römische und schwärmerische Irrlehre und zur Schlichtung von Streitigkeiten innerhalb der rechtgläubigen Kirche selbst. Aus dieser kurzen übersichtlichen Darstellung erhellet also, was Lutheraner seien, nämlich Bekenner der Einen heil. rechtgläubigen christlichen Kirche, deren einer und selbiger Glaube, Bekenntniß und Lehre in allen Artikeln der Heilswahrheit der heil. Schrift durchaus gleichförmig und gemäß ist. Lutheraner daher, d. i. Mit- und Nachbekenner Luthers oder rechtgläubige Christen ist wesentlich dasselbe, mögen sie nun auch innerlich und von Herzen den Kirchenglauben erfahren und bewahren oder nicht. Denn selbst im letzten Falle wird der Glaube der Kirche durch ihren persönlichen Unglauben eben so wenig unrecht und unrein, als die Sonne durch Schläfer, blinde, muthwillige, zugemachte oder kranke Augen etwas von ihrem Scheine verliert. Ist nun dem also, so folget daraus unwidersprechlich, daß es, dem Wesen und der Wahrheit nach, Alt- und Neu-Lutheraner weder jetzt gibt, noch jemals geben wird. Denn wie oben die heil. Schrift nur eine „Wahrheit zur Seligkeit" enthält und bezeugt, und wie also diese Heilswahrheit mit Zeitwandlungen und Veränderungen nichts zu schaffen hat, und **) Und so z. B. sind die Lehren von der Rechtfertigung und von den heil. Sacramenten in dem lutherischen Lehrbegriff schon im reformatorischen Zeitalter wider alle Einwürfe so entschieden behauptet und so treu ausgebildet und entwickelt, daß unsere bekenntnißträgen seuchtigen Unionisten schwerlich wider letzteres einen neuen Einwurf zu Markte bringen möchten.