# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1855_S62 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 62 Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. eine fast unerschöpfliche Fundgrube für alle Zweige der Theologie, sie sind eine so reiche Schatzkammer, daß sie wohl allein eine große Bibliothek ersetzen, aber durch keine noch so große Büchersammlung ersetzt werden können. Aus voller Seele unterschreiben wir, was Professor Dr. Thomasius in der Vorrede zu dem ersten Theile seiner Dogmatik (Christi Person und Werk. Er= langen 1853.) schreibt: „Wir haben seit einiger Zeit, und mit Recht, wieder angefangen, auf unsere älteren Dogmatiker zurückzugehen; aber wir werden wohl thun, uns noch mehr als bisher in den Mann zu vertiefen, in dessen Herzen das Blut des evangelischen Glaubens am wärmsten und lebendigsten pulsirte; aus Luther ist, wie mich dünkt, noch unendlich Viel für die Neu= belebung und Erfrischung unserer Dogmatik, von welcher man neuerdings gesagt hat „„daß sie etwas kahl zu werden beginne,““ zu gewinnen.“ — Was nun die Ausgabe der Werke Luthers betrifft, die wir dem Leser, in= sonderheit dem theologischen, empfehlen, so ist dieß die von dem sel. J. G. Walch besorgte Hallische in 24 Quartbänden, erschienen in den Jahren 1740—1753. Zwar hat die neue Erlanger Ausgabe vor der genannten Hal= lischen manche unbestreitbare Vorzüge; dahin gehört 1. die in ersterer fast un= angetastet gelassene alte Orthographie Luthers, die allein das rechte angemessene Kleid der classisch alterthümlichen, unnachahmlich ebenso kraft= vollen als einfältigen Lutherssprache ist, während durch die in Walch befolgte mitunter selbst Satzbildung antastende Orthographie viele Luthersche Eigen= thümlichkeiten und Schönheiten verwischt sind.*) Zu jenen Vorzügen gehört 2. die größere Vollständigkeit der Erlanger Ausgabe, indem in die= selbe alle nach Walch aufgefundenen, auch die bis dahin ungedruckt gebliebe= nen schriftlichen Nachlässe Luthers aufgenommen worden sind. Dennoch aber behält die Walchische Ausgabe noch immer wesentliche Vorzüge vor allen anderen, selbst die Erlangische nicht ausgenommen. Dahin gehören 1. die gründlichen und ausführlichen Einleitungen, welche Walch in jede ein= zelne Schrift Luthers gibt, welche in der Regel über Zeit, Veranlassung, In= halt, Schicksale ꝛc. der Schrift die erwünschteste Auskunft geben und allerlei seltene biographische und literar-historische Notizen enthalten. Ein 2. Vorzug ist, daß diese Ausgabe auch die wichtigsten Gegenschriften, z. B. eines Carl= stadt, Zwingli, Oekolampad, Erasmus, u. A., eine große Masse der wichtig= sten und seltensten zur Erläuterung des Ganges des Reformationswerkes dien= lichen Urkunden in sorgfältigster Auswahl und alle wichtigen Vorreden, mit *) Nur die Ignoranz kann die Wichtigkeit der Orthographie leugnen. Christoph Wal= ther schreibt in seinem Bericht von den Wittenbergischen Bibeln: „Es hat der Mann Gottes mit sonderm Rath und Bedacht ein jedes Wort in seiner Biblien und allen andern Büchern seinen eigentlichen Buchstaben zu drucken befohlen; nachdem er, D. Martinus und Casp. Creuziger, einander geholfen die deutsche Sprache rein und gut auspoliren. Und haben diese beiden Männer ihren Nachkommen ernstlich befohlen, solche Ordnung und Orthographiam stets und mit allem Fleiß zu halten.“ (S. Walch's Ausg. XIV, 813. 814.) Es wäre zu wünschen, daß die Erlanger Ausgabe auch die ursprüngliche Interpunktion behalten hätte. Auch auf diese hat Luther großen Fleiß gewendet und es ist eben so schwierig, als oft für den Sinn entscheidend, Luthers Rede zu interpungiren.