# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1855_S61 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch=theologische Pfarrers=Bibliothek. 61 biographie, daß er durch das Lesen Luthers erst zu einem festen Glauben ge= kommen sei und setzt dann hinzu: „Mich deucht, ich müsse rund heraus sagen, daß ich dieses Buch Lutheri, Erklärung der Epistel an die Galater, über alle Bücher (ausgenommen die heilige Schrift) setzen müsse, die ich je gesehen, weil es so herrlich und bequem ist für ein verwundetes Gewissen.“ (Siehe: Bunyans Schrift: „Das zarteste Herz der Liebe Christi.“ Anhang S. 84.) Gleicherweise bekennt auch der Stifter der methodistischen Gemein= schaft, John Wesley, daß er, als er 1735 das erste Mal nach Georgien reiste, um die Indianer zu bekehren, „selbst noch nicht bekehrt war“ (Works Vol. III. p. 55.), daß er aber hernach bekehrt worden sei, als er in einer Versammlung, welche die Herrnhuter an der Aldersgate Straße in London hielten, die Vorrede Luthers zum Briefe Pauli an die Römer verlesen hörte! — Selbst Papisten haben der Macht der Wahrheit nicht widerstehen und den unvergleichlichen Werth der Schriften Luthers bekennen müssen. Als dem Erasmus im Jahre 1520 ein Episcopat angeboten wurde, wenn er wider Luther für die Päpstliche Auktorität die Feder ergreifen würde, so antwortete er damals noch: „Luther ist zu groß, als daß ich wider ihn schreiben könnte. Luther ist zu groß, als daß er von mir verstanden werden sollte. Ja, Luther ist so groß, daß ich aus der Lesung eines Blättleins in Luthers Schriften mehr lerne und Nutzen ziehe, als aus dem ganzen Thomas.“*) Melanchthon schreibt in seiner Vorrede zum dritten Theil der Wittenbergischen Ausgabe der lateinischen Werke Luthers: „Ich erinnere mich, daß Erasmus Roterodamus habe zu sagen pflegen: es sei kein geschickterer und besserer Aus= leger unter allen, deren Schriften wir nach den Aposteln haben.“ (S. Walch. Ausg. XIV, 539.) **) Der berühmte päpstliche Gelehrte Andreas Ma= sius (gest. 1578.), der Mitherausgeber der großen Antwerpischen Biblia Regia, erklärte im Kloster Weingarten in einer großen Gesellschaft von Pa= pisten und Lutheranern freimüthig: „Auf Einem Blatt Luthers sei mehr gründliche Theologie, als zuweilen in einem ganzen Buch eines Kirchenva= ters.“***) — Mehr dergleichen Zeugnisse für den durchaus unvergleichlichen Werth der Schriften Luthers von Leuten fast aller Confessionen aus allen Pe= rioden, seit Luther geschrieben hat, anzuführen, leidet der Zweck unseres Auf= satzes nicht, obwohl damit Folianten zu füllen wären. †) Luthers Werke sind *) „Major est Lutherus, quam ut in illum ego scribam. Major est Lutherus, quam ut a me intelligatur. Plane tantus est Lutherus, ut plus erudiar et proficiam ex lectione unius pagellae Lutheranae, quam ex toto Thoma.“ (Gerhard. Conf. Cath. fol. 59.) **) „Neminem esse interpretem dexteriorem omnium, quorum extant scripta post apostolos Luthero.“ (A. a. O.) ***) „Theologiae solidae plus esse in uno Lutheri folio, quam interdum in toto libro alicujus Patris.“ (Osiand. Centur. 16. hist. p. 837.) †) Troß des fast grenzenlosen Lobes aber, das Luthern und seinen Schriften gespendet worden ist, findet sich doch darunter kein Lob, wie das Calvin's, von dem der reformirte Jacob Verheiden im Jahre 1602 schrieb: „Ipsa a quo potuit virtutem discere virtus “ d. i. von dem die Tugend selbst Tugend lernen konnte! (S. Elogia theologorum p. 80.) Heißt das nicht über Christum erhoben?