# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 09 23_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 7 allenthalben, wo es noch Christen gab, die an JEsum Christum und sein heiliges Wort von Herzen glaubten, und sich durch keine Menschensatzungen von diesem alleinseligmachenden Glauben abbringen ließen oder doch endlich in der Todesnoth dazu ihre Zuflucht nahmen. Daß unsere Lehre nicht neu, sondern schon vor Luther aller Orten bekannt worden sei, das geben uns selbst die Römischkatholischen wider ihren Willen zu. Unaufhörlich haben diese uns nehmlich vorgeworfen, die luth. Lehre sei nur die aufgewärmte Ketzerei der Waldenser, Albigenser und Hussiten. Wie alt und wie weit verbreitet aber die Lehre derselben gewesen sei und worin ihre angebliche Ketzerei eigentlich bestanden habe, davon schreibt ein gewisser Reinerius, der erst bei den Waldensern geheuchelt hatte, hierauf in den Predigerorden trat und endlich Generalinquisitor wider die Ketzer wurde. Er berichtet: „Unter allen Secten, welche es gibt und gegeben hat, ist keine der Kirche“ (nehmlich des Pabstes) „verderblicher, als die der Armen von Lion“ (so nannte man die Waldenser), „und zwar aus drei Ursachen. Erstlich, weil keine älter ist, als diese; denn einige sagen, daß sie seit Sylvesters Zeit bestanden habe, andere leiten sie von der Zeit der Apostel her. Zweitens, weil keine allgemeiner ist, als diese; denn es gibt fast kein Land, in welchem sich diese Secte nicht unvermerkt eingenistet haben sollte. Drittens, weil alle anderen mit ihrem offenbaren Frevel wider Gott Abschen erregen, hingegen allein die Secte der Waldenser und Lugduner einen großen Schein der Frömmigkeit hat, weil sie vor Menschen gerecht leben und von Gott alles recht glauben und alle Artikel annehmen, welche in dem Symbolum enthalten sind. Allein die römische Kirche lästern und hassen sie, und sagen, daß sie die Kirche der Gottlosen und die Hure sei, welche in der Offenbarung sitze über dem Thiere; auch daß sie unter Sylvester abgefallen sei, wo das Gift der zeitlichen, weltlichen Dinge in die Kirche sich eingeschlichen habe. Sie sagen auch, der Pabst sei das Haupt aller Irrthümer und voll von Ehrsucht und Geldgeiz.“ Geben es also hiermit die Römischkatholischen selbst zu, daß es solche Zeugen für den apostolischen Glauben und wider das unapostolische Pabstthum immer gegeben hat, und bekennen sie, daß Luther nur die Lehren dieser Wahrheitszeugen wieder hervorgesucht habe, so bekennen sie es damit offenbar selbst, daß die lutherische Kirche auch vor Luther, selbst mitten unter dem Pabstthum, ihre Glieder gehabt habe; denn nicht auf den Namen, sondern auf die Lehre kommt es bei der Kirche an. (Beschluß folgt.) Kirchliche Nachrichten aus Deutschland. Vorbemerkung. — Eine besonders wichtige kirchliche Erscheinung unserer Tage, wovon in diesen Blättern bald ausführlicher gehandelt werden wird, ist die sogenannte Union, oder Vereinigung, welche man zwischen der lutherischen und reformirten Kirche zu Stande zu bringen sucht. Dies wäre nun allerdings etwas sehr Erfreuliches, wenn es auf Grund der göttlichen Wahrheit geschähe und man sich nach Ephes. 4, 4—6. in rechter Einigkeit des Geistes vereinigte zu „Einem Leib, Einem Geist, Einerlei Hoffnung des Berufs, Einem HErrn, Einem Glauben, Einer Taufe und Einem Gott und Vater.“ Da sich aber die reformirte Kirche nun seit 300 Jahren von den Irrthümern eines Zwingli, Calvin und Anderer noch nicht losgesagt hat, und noch fort und fort eine falsche Gnadenwahl lehrt und die heil. Sacramente als bloße sinnbildliche Zeichen betrachtet, so daß die heil. Taufe kein eigentliches Bad der Wiedergeburt, und im heil. Abendmahl in, mit und unter dem gesegneten Brod und Wein der wahre Leib und das wahre Blut unsers HErrn JEsu Christi nicht gegenwärtig sei und wirklich mit dem Munde der Communicanten empfangen und genossen werde; weil also diese Kirche einen andern Christum und andern Glauben hat, als wir Lutheraner laut des ausdrücklichen göttlichen Wortes haben, so ist es etwas sehr betrübendes, daß sich so Viele unserer ehemaligen Glaubensgenossen haben überlisten lassen, ihren wohlbegründeten Glauben zu verläugnen und jener Union beizutreten, bei welcher von jenen wichtigen Glaubensunterschieden gar nicht mehr die Rede sein darf. Denn ob man gleich dabei den Leuten immer vorspiegelt, daß ja ein Jeder seinen Glauben behalten könne, man wolle nur nicht mehr getrennt neben einander, sondern in Liebe und Friede zusammenstehen, so wissen wir doch aus Röm. 10, 10. und aus andern klaren Aussprüchen des göttlichen Worts, daß man nicht nur von Herzen an Christum glauben, sondern ihn auch mit dem Munde bekennen müsse, und daß ein Christ wohl im Leben mit Jedermann, so viel an ihm ist, Friede haben solle, daß er aber im Bekenntniß der reinen Lehre nicht darnach fragen dürfe, ob alle Welt, ja selbst seine eignen Hausgenossen, Vater, Mutter, Sohn, Tochter und dergl. mit ihm zürnen wollten. — (Matth. 10, 21—22. und Vers 34—36.) Alle aber, die mit uns „eben denselbigen theuern Glauben überkommen haben in der Gerechtigkeit, die unser Gott gibt, und der Heiland JEsus Christus“ (2 Petr. 1, 1.), die werden auch nun durch den werthen heil. Geist getrieben, sich von Herzen einander zu lieben und in Friede auf Einem Sinne zu bleiben, und werden in demselbigen Worte Gottes, welches das Schwert des Geistes gegen allen Unglauben predigt, aufs Nachdrücklichste ermahnt, in ihrem Glauben, so wie alle andere christliche Tugenden, so auch die brüderliche Liebe und die gemeine Liebe darzureichen. (2 Petr. 1, 5—7.) Daß aber diese wahre Liebe, die aus dem wahren Glauben kommt, bei dem genannten Unionsstreben nicht zu finden ist, sieht man schon daraus, weil den Lutheranern, namentlich im Königreich Preußen, mit allen gewaltsamen Mitteln, mit Auspfändung und Gefängniß, ja sogar mit militärischen Waffen von der Regierung zugesetzt worden ist, wenn sie dem Glauben ihrer Väter, worauf sie getauft und confirmirt worden, treu bleiben und die aufgedrungene falsche Kirchenagende nicht annehmen wollten. Darum haben auch schon Tausende aus jenen Preußischen und andern Landen lieber ihr Vaterland verlassen und sich nach den Vereinigten Staaten herübergeflüchtet, um hier auf ihrem Evangelisch-Lutherischen Glauben frei und sicher sich bauen zu können. Ein neuerer Zug solcher Lutheraner wird in diesen Wochen, wie wir hören, in New York erwartet; Andere aber haben es vorgezogen, vor der Hand noch im Vaterlande zu bleiben und da den Kampf gegen das gefährliche Unionstreiben fortzusetzen. Und in diesen Kampf lassen uns die nachfolgenden Nachrichten, welche zwar nicht zur öffentlichen Mittheilung bestimmt waren, aber von einem glaubwürdigen Manne uns geschrieben worden sind, wenigstens einige Blicke thun, die uns und unsere christlichen Leser zu der Hoffnung und sehnlichen Bitte ermuntern sollen, daß es doch dem lieben Gott gefallen wolle, auch in unserm alten theuren Vaterlande, wo einst seine Kirche so herrlich geblüht hat, dieselbe nicht gar aus werden zu lassen, sondern die todten Gebeine wieder lebendig zu machen, die Verirrten zurückzuführen und noch einmal seine Verheißung zu erfüllen, die er Pf. 12, 6. gegeben hat: „weil denn die Elenden verstöret sind und „die Armen seufzen, will ich auf, spricht „der HErr, ich will eine Hülfe schaffen, „daß man getrost lehren soll.“ Der lutherische Glaube ist jetzt in Deutschland in einem neuen Aufblühen und Wachsen begriffen, und zwar nicht nur in solchen Ländern, wo die Union noch nicht kirchlich eingeführt, sondern auch in solchen, wo sie bereits herrschend geworden war. In Pommern z. B. hat sich ein Verein von fast 100 Predigern gebildet, welche der falschen Union gegenüber öffentlich erklärt haben, daß sie bei dem lutherischen Bekenntniß zu beharren gedächten. Professor Harleß in Erlangen gibt eine Zeitschrift heraus, welche mit so großer Entschiedenheit und Tüchtigkeit gegen die bestehende Union streitet, daß selbst Professor Hengstenberg in dem diesjährigen Vorwort zu seiner Kirchenzeitung erklärt hat, es sei unverkennbar, daß lutherische Rechtgläubigkeit aufs Neue herrschend zu werden drohe. — Dieses Vorwort vertheidigt die Union auf eine gleißende und tief verführerische Weise; daher sich der Professor Dr. Guericke von Halle, welcher im vorigen Jahre in einer kleinen Schrift, betitelt: „Die rechte Union,“ vergeblich sich bemüht hatte, den Weg zu einer kirchlichen Vereinigung auf Grund des göttlichen Worts zu bahnen, jetzt sich gedrungen fühlte, die alten Waffen des lutherischen Geistes mit neuer Kraft und Freudigkeit zu schwingen. Er hat nehmlich nun in diesem Jahre eine andere kleine Schrift herausgegeben, unter dem Titel: „Der Calvinismus, Unionsvehikel und Kirchenkrücke,“ um derentwillen ihn seine frühern unirten Freunde und seine Behörden nun