# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1855_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 56 Zur Lehre vom heiligen Predigtamt. bedenklicher, ja antichristischer, als Satzungen, von Menschen eingeführt, zu Gottes Gebot zu machen. Dieß thut aber Jeder, so er die ausschließliche Uebertragung des Episkopats oder Presbyterats durch Kleriker als apostolische Ordnung göttlichen Rechtes aufstellt. Der Beschluß des ersten hierosolymitanischen Konzils war auch Verordnung namentlich von den Aposteln. Warum enthalten wir uns nicht vom Blut und Erstickten? Weil er in derartigen Beziehungen nur auf eine zeitlang weisliche Akkomodation an alttestamentlich gesinnte Schwache war. Woher wissen wir das? Weil ein Haupttheil dieses Kanons im Naturgesetze nicht begriffen ist. Fiat applicatio! Was der Glaube nicht gibt, der bloß Gottes ewiges Gebot aufrichtet, das der Liebe, das wird gethan im Irrthum; äußerlich Gesetzeswerk wird neben dem Glauben gesetzt, und dadurch derselbe verdunkelt und geschwächt. Im Geiste wird oft angefangen, aber im Fleische vollendet. Ebenso schriftwidrig, wie die Vererbungstheorie, zieht nun freilich die von den Freunden jener in dem deutschen Lande jetzt vor Allem bekämpfte des Herrn Christi Amt, welches die durch dasselbe geheiligte Kirche den von Gott gegebenen und im Evangelio verheißenen Werkzeugen im Glauben daran überantworten soll, aus dem Bereich desselben in das Gebiet menschlicher Einrichtungen, deren Werth und Geltung steigen und fallen, deren Dauer nach Belieben beschränkt werden kann, deren Verwirklichung zu begreifen kein im Geist erneuertes Herz erforderlich ist; sie beraubt die gesandten Prediger ihrer göttlichen Würde, und statt hierarchischer Uebergriffe ist Verachtung ihrer ordentlichen Wirksamkeit, der Beichte ꝛc., Fleischesherrschaft der Laien und kirchliche Anarchie die nothwendige Folge, ohne daß der Trost bleibt, daß der Höchste auch noch hier mitten unter Seinen Feinden regiert und Seine Machtvollkommenheit im göttlichen Haushalt bewahrt, vielmehr daß solche, deren Gemüth damit in Zwiespalt geräth, in Betracht der nicht so leicht zu erschütternden, geschlossenen und gegliederten Ordnung im stattlichen Bau des Riesenleibes der so scheinbaren, alterthümlichen römischen Kirche, zum Uebertritt in dieselbe zurückgedrängt werden. So wenig wir aber den Hypothesen von einem Keime künftiger Kardinalkollegien in einem apostolischen Presbyterio ꝛc., von einem Gemeinschaftsamt auf dem Boden evangelischer Nothwendigkeit, die doch zugleich willkührlich sein soll, von einem Amte, das da nicht bleibe (nach Christi Einsetzung im Evangelio bei Seiner Gemeinde), sondern mit den Personen komme und gehe oder in der aura populi schwebe ꝛc. (Wucherer S. 109. 114. 125—128) beipflichten: so sehr befremdet uns der Mißverstand vom geistlichen Priesterthum, dem theuersten Gute aller demüthigen Anbeter Jesu Christi, der sich auch namentlich in den bei Wucherer S. 114 und 118 angeführten Worten des Dr. Sartorius ausspricht, wenn anders keiner Korrektion von unserm Standpunkte aus Raum gegeben werden will. Wir verstehen unter dem heiligen Christenvolke nur solche, welche verborgen unter dem großen Haufen der sichtbaren Gemeinden recht= und falschgläubigen Bekenntnisses von Gott gelehret, gesalbt mit des