# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1855_S55 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Lehre vom heiligen Predigtamt. 55 Wort gar nicht auf Erden sich und seine Kraft mittheilend ist, und ohne Bekenntniß der subjektive Glaube nicht gedacht werden kann; und beide haben in dem wesentlichen Worte, des Leibes Haupte, Christo, und Seinem Geiste ihre Einheit. Setze ich nun das Amt, entkleidet von seinem Zusammenhange mit dem Glauben derer, welche die Kirche ausmachen, abgesondert, als mechanische Einrichtung durch vererbende Folge, analog dem levitischen Priesterthume, das doch nur typische Bedeutung hatte (vgl. S. 9 u. 18): so mangelt dem Laien von Anfang an das Bewußtsein, daß die Göttlichkeit dieses Institutes ebenso nur erkannt werden könne, wie alle andern Artikel; durch den Assensus an die historische Ueberlieferung sieht er bereits in den Trägern die Repräsentanten Gottes, ohne allein durch den wiedergebärenden Glauben fähig werden zu müssen, sie als in und mit dem Evangelio, aus dessen Besitz das Amt erst hergeleitet werden kann, zu empfangen; er wird dadurch bestärkt, wozu der Mensch von Natur so sehr geneigt ist, das Sichtbare, Aeußerliche und das Gesetzliche hierin vorwiegen zu lassen und dieses in der Meinung eines guten Werkes zu befolgen, die eigne Prüfung aber nach dem Maß des Glaubens und die selbstständige Theilnahme an dem kirchlichen Organismus zu versäumen und von solcher Uebung der geistlichen Lebenskraft allmälig herabzukommen oder sie gar nicht zu suchen; das Amt gilt ihm als der richtige und rechtmäßige Ausleger der Schrift, und dieses ohne jenes nicht als vernehmlich; er ordnet das Schriftprinzip dem Zeugnisse des Klerus unter, und verliert somit die innere, beseligende und heiligende, gewisse Ueberzeugung des Herzens durch den Geist aus Gott im Bauen auf Menschenansehn und Stand. Unsäglicher Schade! Wir haben ihn vor Augen im Papstthum, in die lutherische Kirche längst hinübergenommen, und darum auch in unserer Nähe. Und wenn einmal solche Fesseln einer unchristlichen Auktorität gesprengt werden, so schlägt’s bei den Armen eben so nothwendiger Weise, weil ihr Glaube nicht auf göttlichem Grund und Zeugniß steht, in das Gegentheil um, und eine verderbliche Subjektivität und Meinungsverschiedenheit der Einzelnen, mit einem Worte die auflösenden Tendenzen des Sektenwesens und der Freigeisterei entwickeln sich, im Kleinen, wie im Großen. Den anderwärts so viel besprochenen Einwand, daß es keine Gefahr habe; daß der Gegner Lehre und Anschauung vom Amte zum Romanismus führe (S. 109 bei Wucherer), weist die traurige Erfahrung zurück. Wie hätte es doch den römischen Bischöfen je gelingen mögen, sich für die unmittelbaren Nachfolger des Apostelfürsten Petrus auszugeben, wenn nicht die successio episcopalis verbunden mit dem Recht des unvermittelten Vikariates Christi überhaupt gegolten hätte. Sie war die Grundlage; von ihr aus steigerte sich die dämonische Priesteranmaßung weiter bis zum Primat des Papstes über die übrigen Bischöfe und endlich durch die ungeistliche, weil nicht im Glauben der Kirche eingewurzelte Stellvertretung und Statthalterschaft Gottes auf Erden sogar zu dem Supremat über alle Fürsten der Welt, und zur Infallibilität in den Entscheidungen über Gegenstände des Glaubens ex cathedra Petri. Was ist