# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 05 16_S73 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 2. St. Louis, Mo., den 16. Mai 1846. No. 19. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Die heilige Absolution gerettet gegen die Lästerungen der Methodisten. (Fortsetzung.) Würde in der lutherischen Kirche gelehrt, daß das äußerliche Aussprechen und Anhören der Worte der Absolution ex opere operato (bloß weil man das Werk thue) die Vergebung wirke, dann möchte Hr. Nast nicht mit Unrecht behaupten, daß die Lehre von der göttlichen Gültigkeit der Absolution „das allein Gnade bringende Wirken des heil. Geistes an der Wurzel angreife.“ Hoffentlich weiß aber wenigstens Hr. Nast, *) daß in der lutherischen Kirche gelehrt wird, daß ohne einen wahren lebendigen Glauben niemand der Absolution theilhaftig werde, wenn sie ihm auch täglich tausendmal gesprochen würde, und daß auch allein durch die Kraft des heil. Geistes dieser wahre Glaube an das Wort der Absolution gewirkt werde. Nicht die Wirksamkeit des heil. Geistes wird daher durch die Lehre von der Absolution „an der Wurzel angegriffen,“ sondern — der Geist des Methodismus. Eine Wurzel des Methodismus ist, daß man die Geister nicht prüft; alle noch so grobe Schwärmerei, alle Ausbrüche einer erhitzten Phantasie, alle Träumereien des eignen Herzens, wenn sie nur einen geistlichen Schein haben, achtet und gibt man aus für Wirkungen des heil. Geistes; darum muß man freilich der Lehre von der Absolution feind sein, die es bestätigt, daß der heil. Geist nur durch das Wort wirkt, daß daher der Geist, der ohne das Wort kommt und wider das Wort streitet, ein falscher Geist sein müsse. Eine andere Wurzel des Methodismus ist: man verachtet das äußere Zeugniß des heil. Geistes durch das Wort und die heil. Sacramente und trennt das innere Zeugniß davon; man lehrt die erschrockenen *) Wir wollen es nehmlich gern der grenzenlosen, in fast allen Blättern des Apologeten documentirten, den Methodistenpredigern so eigenthümlichen Unwissenheit zuschreiben, daß Hr. Mulfinger die lutherische Lehre folgendermaßen darlegt: „Hier ist bloß nöthig, daß ein Mensch Reue und Leid über seine Sünden fühlt, wenn er zur Beichte geht, mit dem Entschluß, besser zu thun, und sobald der Priester etliche Worte ausgesprochen, ist er frei von seiner Sündenschuld. ... Kehrt er wieder zur Sünde, so hat er bloß die nämliche Medizin zu gebrauchen.“ Schämt sich Hr. M. nicht, solche Lügen über die luth. Kirche drucken zu lassen, und Hr. N., sie aufzunehmen, was für eine Beschreibung mögen diese Herren ihren Zuhörern erst privatim von der luth. Kirche und Lehre machen! — — Sünder nicht, wie sie auf das äußere Zeugniß ihren Glauben gründen müssen, damit ihnen dann der Geist Gottes auch im Herzen Zeugniß gebe, sondern umgekehrt warnt man die Seelen davor, dem äußeren Zeugniß eher zu glauben, als bis man das innere lebendig fühle und empfinde; man treibt daher die Seelen in ein falsches Eigenwirken hinein und weist sie an, wie sie sich selbst die Gnade erringen und erkämpfen müßten, während nach Gottes Wort das Erlangen der Gnade nicht errungen wird, sondern wenn der Mensch Gnade erlangt hat, dann geht das Ringen und Jagen an und geht fort, bis man eingegangen ist durch die enge Pforte, bis man das Ziel der Seligkeit erlangt hat. (Luc. 13, 24. Phil. 2, 12. 13. 3, 13—15.) Zu allen diesen Werken hat ja der Mensch nicht eher Kraft, als bis er durch die Gnade das neue Leben aus Gott empfangen hat. Wer sich die Gnade erkämpfen will, kämpft wider die Gnade; denn, sagt der heil. Apostel, „ist es aus Gnaden, so ist es nicht aus Verdienst der Werke“ (des Kampfes und dergl.), „sonst würde Gnade nicht Gnade sein. Ist es aber aus Verdienst der Werke“ (erkämpft), „so ist die Gnade nichts, sonst wäre Verdienst nicht Verdienst.“ Röm. 11, 6. Das hierin liegende Aufrichten der eignen Gerechtigkeit und des eignen Thuns ist die rechte Wurzel des Methodismus; wer das nicht durchschaut, dessen Kampf gegen den Methodismus ist ein Spiegelfechten. Die Lehre von der Absolution aber greift den Methodismus bei dieser seiner Wurzel an, darum gießt man so greuliche Lästerungen dagegen aus: man ahnt, daß man damit um sein Leben kämpft. Man sieht es nur zu deutlich ein, wo die Lehre von der Absolution geglaubt wird, da kann der Methodismus nicht hausen; man merkt es, die Absolution in ihrem rechten Verstande wirft die Gesetzeskrämerei, Bußbänkerei, Geisttreiberei und ganze Seelenquacksalberei des Methodismus wie mit Einem Schlage über den Haufen; *) man merkt es, *) Es versteht sich von selbst, daß wir hiermit keineswegs leugnen wollen, daß der heil. Geist sein Werk auch unter den Methodisten habe. Die Methodisten predigen ja nicht bloß Methodismus. Wo sie aber Gottes Wort wirklich predigen, da kommt es auch bei ihnen nicht leer wieder zurück, sondern thut, dazu es Gott sendet. Jes. 55, 11. Gegen die wirklichen Gnadenwirkungen des heil. Geistes, die auch unter ihnen durchs Wort folgen und daher dann auch mit dem Wort übereinstimmen, zu reden, würden wir für Gotteslästerung achten. Wir kämpfen gegen den Methodismus, nicht gegen die Methodisten; auch unter ihnen hat Gott seinen Samen. die Absolution würde es offenbar machen, daß es Heuchelei ist, wenn die Methodisten sagen, sie lehrten auch, daß der Mensch allein durch den Glauben vor Gott gerecht und selig werde, denn durch die Absolution wird der Mensch von allem Eignen hinweg und allein auf das Wort gewiesen, und ihm zugerufen: Ob sich's anließ, als wollt' er nicht, So laß dich's doch nicht schrecken, Denn wo er ist am besten mit, Da will er's nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein, Und ob dein Herz spräch' lauter: Nein! So laß doch dir nicht grauen. Die Methodisten werden freilich hieraus den Schluß machen wollen, daß die Lutheraner von dem inneren Zeugniß des heil. Geistes nichts wissen wollten, ja als fleischliche Leute nichts wissen könnten und dasselbe in ihrer Blindheit für eine Thorheit achten müßten. †) (1 Cor. 2, 14.) Wir antworten: Auch wir lehren, und jeder wahre Lutheraner erfährt es an seinem Herzen, wie der heil. Geist dem Geiste der Gläubigen Zeugniß gibt, daß sie Gottes Kinder sind; wie sie den heil. Geist als das Pfand ihres Gnadenstandes in ihrem Herzen tragen und durch denselben versiegelt werden, und wie er in ihnen das süße Abba ruft. (Röm. 8, 15. 16., 2 Cor. 1, 22., Ephes. 1, 13. 14.) Wir strafen an der methodistischen Lehrart nur dieses, daß sie darauf dringen, ein Mensch dürfe seinen Glauben auf kein von Gott verordnetes äußeres Gnadenmittel und Pfand gründen, er müsse vielmehr von dem todten Buchstaben und Zeichen absehen, müsse nach dem inneren Zeugniß ringen und dürfe durchaus nicht eher glauben, daß ihm seine Sünden vergeben seien, als bis er die innere Einsprache und tröstende Kraft des heil. Geistes lebendig †) So hat schon der oben erwähnte Schwärmer Weigel die lutherische Kirche ausgeschrieen. Er schreibt in seinem „Güldenen Griff“, S. 75: „Die Widersprecher (die Lutheraner) leugnen das innere Zeugniß des Geistes oder die Salbung in uns allen.“ Hierauf antwortet der Wittenbergische Theolog N. Hunnius: „Wer hat jemals in unsern Kirchen solches vernommen, daß man das innere Zeugniß des heil. Geistes verwerfe, und nicht gestehe, daß der HErr Christus durch den Glauben in uns wohnen und des Satans Werk zerstören müsse? Dies thut er (Weigel) selbst, indem er das äußere Zeugniß verwirft, aus welchem das innere erwächst und herkommt. Denn es kommt aus dem Gehör göttlichen Wortes, Röm. 10, 18., nicht aus dem, so Gott (nach Weigels Auslegung) ohne Mittel ins Herz reden soll.“ (Siehe: Hunnii Betrachtung der Weigel. Theologie. Wittenberg. 1622. S. 213.)