# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1855_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Lehre vom heiligen Predigtamt. 39 Da war es in den Aposteln, da war es überall, wo Gemeinden waren; und Dr. Höfling würde mit seinen unleugbar scharfen Angriffen leicht Nichts ausrichten können, wenn Wucherer alle Gewalt der ersteren in sie als gläubige Kirche zunächst gelegt zum Fundament und Ausgangspunkt seiner Vertheidigung machte; denn was Christus im Evangelio hat eingesetzt und überträgt und sondernd übertragen läßt, ist und bleibt göttlich, es komme mit oder ohne Vermittlung des Christenvolks auf die, welche es führen; so aber will er ein Amt, das neben demselben hergeht, ohne mit ihm zugleich und aus ihm zu erwachsen, und von einem solchen findet man allerdings, wie es doch nothwendiger Weise, um den gegnerischen die Blöße treffenden Waffen auszuweichen, erforderlich wäre, in der Schrift auch nicht einen Ausspruch, auch nicht ein Wort des Heiligen Geistes, aus welchem geradezu erweislich wäre, daß die Apostel mit Ausschluß aller Anderen die Gewalt zu predigen und Sakramente zu reichen den von ihnen erlesenen Männern zu befehlen gehabt hätten. Wo ist der locus dafür, daß Christus den Presbyterat aus dem Apostolat an sich habe hervorgehen lassen wollen? Matth. 28, 19. 20 sagt das Gegentheil; Tit. 1, 5., wie Apg. 14, 23. 2 Tim. 2, 2 setzen Zeitwörter, die ihre Erklärung finden 2 Tim. 1, 6. 1, 4, 14. 1, 18., wo von einer keineswegs göttlich, sondern nur kirchlich geordneten Cäremonie gesprochen wird, die nach ihrer Bedeutung niemals ohne Beruf, er sei vermittelt oder nicht, wiewohl der letztere ohne sie Statt haben kann; und Apg. 13, 1—4. 20, 28 zeigen die höhere Auktorität an diesem und bestätigen das Menschliche an jener. Ginge der Befehl Matth. 28 auf die Apostel mit Einschluß der Prediger ohne die Völker, so gälte jedem Pastor auch das Wort poreuthentes, wozu Markus fügt: eis ton kosmon hapanta; während es die Völker der Welt selbst nicht mit treffen kann. Ist mit diesem Befehl die Gewalt der Prediger in die Apostel nicht zunächst als gläubige Kirche gelegt, sondern als Träger des Amts: so ist die sichtbare Kirche das antecedens, die unsichtbare das Sekundäre, denn das Amt ist das Erste, nicht der Glaube. Wie kann aber Etwas sichtbar sein, ohne daß ihm nicht sein unsichtbares Wesen zum Grunde liegt? nur das Unsichtbare kann sichtbar werden, in die Erscheinung treten. *) Was soll nun *) Anm. Um den biblischen Begriff der Kirche zu gewinnen, ist nicht von der Sichtbarkeit derselben, sondern von ihrer Unsichtbarkeit auszugehn. Darin hat auch neuerdings eine deutsche lutherische Diözesansynode zu Berlin gefehlt. Die Kirche ist die Versammlung der Gläubigen, Matth. 18, 20. Eph. 5, 25 fgg. 2, 19 fgg. 4, 4 fgg ꝛc. Wie könnte aber diese jemals sichtbar werden, 2 Tim. 2, 20 fg. ꝛc., wenn nicht die unsichtbare Kongregation der wahren Heiligen zum Grunde läge, die Gemeinschaft und Einigkeit im Geist, die eine nothwendige Wirkung des Glaubens ist, sowie sie durch Wort und Sakrament, (die der Glaube allein hat, gegeben ihm unmittelbar von Christo,) sich offenbarend im Bekenntniß des Mundes und des Lebens die sichtbare Gemeinschaft wirkt? Die allererste Frage muß ja sein, wer der Gründer und schöpferische Urheber der Kirche nach dem dritten Artikel unsers heiligen christlichen Glaubens ist? Der Heilige Geist. Wie und auf welche Art? Er wirkt durch das Wort in den Herzen, die er sich erwählt, (den Glauben und) das Reich Gottes. Und daraus werden erst dann Prediger, die eine sichtbare Kirche sammeln. So dem organischen