# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 05 02_S72 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) lösen sie ja oft die, welche sie binden sollten! Wird in diesem Fall die Absolution nicht zu einem leeren Gaukelspiel? Denn ein Unbußfertiger darf sie ja nicht einmal glauben! — Wir antworten: Der Unbußfertige, so lange er es bleibt, kann sie nicht glauben, aber dennoch sollte auch er sie glauben, so gewiß Christus auch seine Sünde getilgt, auch ihn mit Gott versöhnt, auch ihm den Himmel geöffnet hat. Die Absolution ist stets gewiß, stets kräftig, stets gültig, denn sie ist nicht gegründet auf den Zustand dessen, der sie empfängt, sondern auf Christi allgemeine Erlösung, und auf seinen Befehl und seine Verheißung. Wo sie daher erklingt im Namen Christi, da thun sich dem Sünder die Pforten und Riegel des höllischen Kerkers gewißlich auf, und er könnte entfliehen; da legt Gott wahrhaftig die Schätze seiner Gnade in des Sünders Hände, und er dürfte sie wohl annehmen; da streckt Gott unzweifelhaft die Hände seiner Erbarmung nach ihm aus, und er dürfte sie ergreifen; da bietet ihm Gott aufrichtig Versöhnung, Vergebung und Seligkeit an, und er dürfte sie sich zueignen. Wer sie aber nicht im Glauben aufnimmt, ja wegen der fleischlichen Sicherheit, in der er sich befindet, nicht aufnehmen kann, bei dem hat Gott wohl angeklopft, aber er hat ihm nicht aufgethan; den hat Gott gegrüßt: Friede sei mit dir! aber er hat ihm nicht gedankt; der hat die angebotene Vergebung ausgeschlagen, selbst die erhaltene göttliche Quittung zerrissen und sich frevelnd selbst wieder eine neue Schuldsumme der Verachtung der Gnade in den Schuldbrief seines Gewissens eingeschrieben. Wehe darum dem, der sie nicht glaubt; der macht Gott zum Lügner. Selig aber ist, der sie glaubt; denn wer dieses Zeugniß des Sohnes Gottes annimmt, „der versiegelt es, daß Gott wahrhaftig sei." Joh. 3, 33. Daher schreibt Luther: „Sprichst du aber, wie die Rottengeister und Sophisten auch thun: hören doch viele der Schlüssel Binden und Lösen, kehren sich doch nicht daran und bleiben ungebunden und ungelöset; darum muß etwas anders da sein, denn das Wort und die Schlüssel: der Geist, Geist, Geist, muß es thun! — Meinst du aber, daß der nicht gebunden sei, der dem Bindeschlüssel nicht glaubt? Er soll's wohl erfahren zu seiner Zeit, daß um seines Unglaubens willen das Binden nicht vergeblich gewesen ist, noch gefehlet hat. Also auch, wer nicht glaubet, daß er los sei und seine Sünde vergeben, der solls mit der Zeit auch wohl erfahren, wie gar gewiß ihm seine Sünden jetzt vergeben sind gewesen und er's nicht hat wollen glauben. St. Paulus spricht Röm. 3, 3.: „„Um unsers Unglaubens willen wird Gott nicht fehlen."" So reden wir auch hier nicht (davon), wer den Schlüsseln gläubt oder nicht; (wir) wissen fast wohl, daß wenig glauben; sondern wir reden davon, was die Schlüssel thun und geben. Wer's nicht annimmt, der hat freilich nichts; der Schlüssel fehlt darum nicht. Viel gläuben dem Evangelio nicht; aber das Evangelium fehlet und lüget darum nicht. Ein König gibt dir ein Schloß; nimmst du es nicht an, so hat der König darum nicht gelogen noch gefehlet, sondern du hast dich betrogen und ist deine Schuld; der König hat's gewiß gegeben. — Die Absolution ist Gottes Befehl und Wort, das jener spricht, und dieser hört; sind beide schuldig bei ihrer Seelen Seligkeit solches so gewiß und fest zu gläuben, als alle andere Artikel des Glaubens." (Siehe Luthers vortreffliche „Schrift von den Schlüsseln," vom Jahre 1530. L. Werke. Hall. XIX, 1175. fll.) Doch wir gehen weiter zur Beantwortung eines dritten Einwurfs, welchen Hr. Nast in dem angezeigten Artikel mit folgenden Worten macht: „Sie (die Absol.) greift das allein Gnade bringende Wirken des heil. Geistes an der Wurzel an, indem der Prediger sich das hohe Amt des heil. Geistes anmaßt, dem Sünder ein Zeugniß von der Vergebung seiner Sünden zu ertheilen und Friede zu sprechen durch seinen Geist." Hat Hr. Nast jemals deutlich verrathen, was für eine erzschwärmerische Religion der Methodismus sei, so hat er es mit diesem Einwurfe gethan.*) Hiermit behauptet Hr. Nast, daß das gepredigte Wort Christi kein Zeugniß des h. Geistes, sondern ein leerer, todter, unkräftiger Schall sei, und daß es daher Verwegenheit sei, sich auf den todten Buchstaben und Schall des geschriebenen oder gepredigten Wortes Christi zu verlassen, sich daran zu halten und darauf die Gewißheit seiner Begnadigung zu bauen. *) Denselben Einwurf machte vor dreihundert Jahren der bekannte Schwärmer Schwenkfeld aus Schlesien. Derselbe schreibt: „Wir halten die Diener dieses (des lutherischen) Ministerii für Prediger der h. Schrift, so viel ihnen Gott zu verstehen gegeben, achtens aber dafür, sie thun an dem sehr unrecht, daß sie ihren Dienst für den Dienst des h. Geistes ausgeben; und die Unterweisung der h. Schrift, und was des h. Geistes Amt und Einwirkung sei, nicht unterscheiden, ja das eine Amt mit dem andern vermengen." (Buch von den Kirchenceremonien S. 58.) Aehnlich schreibt der Schwärmer Weigel in seinem Gespräch vom Christenthum. Daselbst heißt es S. 70 also: „Ich habe den Absolvirer in mir, und darf nicht durch eines andern Hand oder Maul absolvirt werden." Zu diesen Worten macht der gottselige Arndt die Bemerkung: „Dieser Phantast meint, die Absolution stehe in des Menschen Maul. da es doch Christi Wort und Trost ist: Wir sind Botschafter an Gottes Statt ꝛc. Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund ꝛc. Dagegen ist aber wohl zu merken, daß freilich allein der h. Geist uns Sündern die Gnade Christi zueignet, denn „niemand kann IEsum einen HErrn heißen, ohne durch den h. Geist." 1 Cor. 12, 3. Aber wessen bedient sich denn eben der h. Geist, um in den Herzen der Menschen Christi Gnade zu bezeugen und zu versiegeln? Ist das nicht eben das geschriebene und gepredigte Wort? Spricht Christus nicht: „Die Worte, die ich rede, sind Geist und Leben?" Joh. 6, 63. Spricht er nicht zu den Aposteln: Ihr seid es nicht, die da reden; sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet!" Matth. 10, 20. Sagt nicht St. Paulus: „Wir sind Gottes Mitarbeiter?" 1 Cor. 3, 9. „Gott vermahnet durch uns?" 2 Cor. 5, 20. Wir führen das „Amt, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes und das den Geist gibt?" C. 3, 6. 8. „Ihr seid ein Brief Christi, durch unser Predigtamt zubereitet, und durch uns geschrieben, nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes?" C. 3, 3. Schreibt nicht Johannes: „Drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist (das vom h. Geiste eingegebene Wort), und das Wasser (die h. Taufe) und das Blut (das h. Abendmahl?) 1 Joh. 5, 8. Offenbare Lästerung ist es daher, das Zeugniß des geschriebenen und gepredigten Wortes Gottes dem Zeugniß des h. Geistes entgegen zu stellen, während doch der h. Geist eben allein vermittelst des Wortes zeugt und in's Herz kommt, und nichts anderes innerlich im Herzen zeugt, als was er vorher äußerlich durch das gelesene oder gehörte Wort gezeugt hat. Darf nun nach Hrn. Nast der Prediger des Evangeliums dem Sünder kein Zeugniß geben von der Vergebung seiner Sünden, ist das nach ihm ein Eingriff in das Amt des h. Geistes, was für eine Vorstellung muß hiernach Hr. Nast von dem Worte Gottes und von dem Predigtamt haben? Derselbe muß es sonach auch für einen Frevel ansehen, wenn der Prediger einen Sünder trösten, lehren, strafen will, da auch dies alles allein Aemter des h. Geistes sind. O, der blinden Schwärmerei! Hören wir Luthern. „In der Kirche, schreibt derselbe, sind Prediger und Pfarrherrn verordnet: wenn du dieselben hörest, so hörest du Gott selbst. Darum ist es Satans Getrieb und Meisterstück, damit er umgeht, daß er solche äußerliche Aemter in Verachtung zeucht. Es ist wohl wahr, daß allein der h. Geist die Herzen erleuchtet und den Glauben anzündet; dasselbe thut er aber nicht ohne das äußerliche Amt und ohne den äußerlichen Gebrauch der h. Sacramente. Darum wird Paulo befohlen, zu Damasco den Ananiam zu hören. Apostlg. 9, 6. Wo du vom ordentlichen Amt wirst abweichen und wirst deinem eignen Wahn und Gutdünken folgen, so wirst du damit nicht allein nichts ausrichten, sondern wirst auch den Satan für Gott ergreifen und annehmen, und wirst deiner Gedanken gar ungewiß sein, ob sie von Gott, oder von dem Teufel herkommen sein." (Ueber 1 Mos. 21, 21.) An einer andern Stelle schreibt Luther: „Laß dich nicht irren das pharisäische Geschwätz, damit sich etliche selbst närren, wie ein Mensch möge Sünde vergeben, so er doch die Gnade nicht geben kann, noch den h. Geist. Bleibe du bei den Worten Christi und sei du gewiß, daß Gott keine andere Weise hat, die Sünde zu vergeben, denn durch das mündliche Wort, so er uns Menschen befohlen hat. Wo du nicht die Vergebung im Worte suchest, wirst du umsonst gen Himmel gaffen nach der Gnade, oder, wie sie sagen, nach der „„innerlichen Vergebung."" Siehe Luthers oben angeführtes kostbares Buch „von den Schlüsseln.") (Fortsetzung folgt.) Bezahlt: 1. und 2. Jahrgang Hr. P. Romanowsky. 2. Jahrg. die HH. Kauz, Schumm. Gedruckt bei Weber und Olshausen.