# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1855_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Zur Lehre vom heiligen Predigtamte. giebt zwar Gaben des Geistes, die auch auf solche sich niederlassen, deren Herzen finster, ohne das helle Licht des Tages Christi sind, wie der Glaube, der bloß die Allmacht Gottes, aber nicht Seinen versöhnten Gnadenwillen ergreifend Wirkungen in Seinem Reiche auffälliger, wunderbarer oder heroischer Art hervorbringt und Berge von Hindernissen versetzt, Matth. 7, 22. 1 Kor. 13, 1 fgg. *); es können ungerechte und lieblose Menschen, ohne die Wahrheit, die vom Himmel stammt, in Sünden schlafend und ganz und gar erstorben, dennoch denselben erfassen, und selbst, wie Bileam, ein göttliches Wort der Erkenntniß und der Weissagung verkündigen: aber das ist innerhalb des Bereichs der Kirche nur möglich darum, weil die Kräfte, Gaben und Aemter ein Vorrecht der Heiligen, des auserwählten Geschlechtes sind; die beiden ersteren sollten vornehmlich zu Anfang des N. T. auch unter Laien, männlichen und weiblichen, ohne Amt vertheilt sein, aber sammt den Aemtern nur bei solchen ihre Stätte finden, welche den Sohn Jehovah's wenigstens durch das Bekenntniß ehren, denn Gott verherrlicht dadurch den Glauben Seiner Kirche. Vgl. 1 Cor. 12, 1 fgg. Wie kann nun hier doch Wucherer von Amtsmandat und Amtsgabe reden, welche Timotheus (sammt Andern) durch Handauflegung empfangen habe? Das erstere ist ihm geworden durch göttlichen Beruf des in apostolischer Fülle Paulo gegebnen Heiligen Geistes, der denselben diesem kund that, (vgl. Apg. 13, 2. 9, 15;) Timotheus, wie Titus waren nicht Bischöfe von Gemeinden, sondern Evangelisten (2 Tim. 4, 5) und apostolische Amtsverweser; würden sie als solche nicht von dem Geist des Herrn bezeichnet worden sein, nimmermehr hätte der Ordinationsritus dazu sie gemacht; durch denselben wurden sie zu ihrem Amte vielmehr eingesegnet und öffentlich in diesem nur bestätigt. Die zweite hingegen, die zwar als Gabe von der Einwohnung des Heiligen Geistes, (als Gabe des Geistes von dem Heiligen Geiste selbst als Gabe, Joh. 20, 22. s. oben S. 6,) zu unterscheiden, bei solchen aber, denen Gott den Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht gegeben, 2 Tim. 1, 7., mit derselben ein und dasselbe ist, ist Folge der ein für alle Mal gegebnen evangelischen Verheißungen im N. T., die durch Unglauben verhindert, durch gläubiges Gebet von Klerikern (und Laien ohne Unterschied) und ausgesprochene Omina und wahrhaft christliche Gratulationen, dazu vor Allem die Feier und Handlung der Amtsweihe erweckt, auf die berufene Person, so sie anders dafür relativ empfänglich *) Anm. Auch eine besondere Geschicklichkeit in diesen und jenen Amtsverrichtungen, im Liturgischen, im Predigen, in psychologisch-pastoraler Unterscheidung und Behandlung der verschiedenen Menschen, in Leitung der Gemeinden, im Verständniß und Auslegen der Grundsprachen heiliger Schrift, in der Auffassung und Darstellung dogmatischer Wahrheiten ꝛc. kann solcher Gaben eine oder einige bei lebendig todten und selbst in Fleischessünden versunkenen Pfarrern sein; gleichwie das weltliche Regiment und die äußerlichen Künste sogar von Gott nicht übergangen werden, und die geistliche Gabe gesund zu machen immer noch hier und da in der Christenheit sich findet. Und mit Recht verwerfen unsere Bekenntnisse den Satz: „Quod is ecclesiae minister alios homines cum fructu docere aut vera sacramenta dispensare non possit, qui ipse non sit vere renovatus, renatus et vere justus.“