# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1855_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Das neueste papistische Concil ꝛc. frau mit der Erbsünde empfangen worden sei, sich des Verbrechens der Ketzerei oder einer Todsünde schuldig machen, weil von der römischen Kirche und dem apostolischen Stuhle darüber noch nicht entschieden sei.“ — 9. Es hat auch solche Lehrer in der papistischen Kirche gegeben, welche beide Meinungen für recht erklärten. So erzählt M. Sebastian Fröschel in seiner Schrift „Vom Königreich JEsu Christi“ vom Jahre 1566: „Also predigt auch zu Hall in Sachsen Anno 1525 ein Barfüßer-Mönch im Kloster daselbst: daß beiderlei Mönche und Orden Recht hätten; die Prediger-Mönche (Dominikaner ), daß sie lehreten und gläubten, daß Maria geboren wäre in der Erbsünde , und die Barfüßer-Mönche (Franziskaner), daß Maria ohne alle Erbsünde empfangen und geboren wäre; man sollt's also verstehen durch dieß Gleichniß: als wenn jemand stünde hie oben auf dem Gewölbe dieser Kirchen und fiele herab, so wäre er des Todes; wenn aber jemand da vorhanden wäre, der ihn in solchem Fall fienge und den Fall bräche, daß er nicht auf die Erde käme und fiele, so bliebe er bei dem Leben. Also wäre es auch zugangen mit Maria der Jungfrauen. Gleichwie sie hat sollen im Mutterleibe empfangen werden in der Erbsünde, da ist Gott zugefahren und hat sie gereiniget und gefreiet von solchem Fall der Erbsünde.“ Als ein Curiosum theilen wir noch Folgendes mit. Im Jahre 1713 ist eine Schrift wieder gedruckt worden, welche ursprünglich in spanischer Sprache im Jahre 1666 zu Madrid herausgekommen war, unter dem Titel: „Die mystische Stadt Gottes.“ Verfaßt ist die Schrift von Maria de Jesu, Aebtissin des Franziskaner-Klosters zu Agreda. Das Buch stand eine Zeitlang in dem Index libb. prohib., aber Papst Innocentius XI. hat das Verbot dieses Werkes auf Ansuchen des Königs von Spanien im Jahre 1681 durch ein Breve aufgehoben und dasselbe nebst mehreren Erzbischöfen für rein erklärt. Die Verfasserin gibt vor, von Gott und von Maria inspirirt zu sein und große Offenbarungen erhalten zu haben; dahin gehört denn u. A. Folgendes: Maria sei von greisen Eltern ohne Sünde durch ein Wunder an einem Sonntage empfangen worden; sie habe in dem Augenblick ihrer Empfängniß die göttlichen Geheimnisse gewußt; sie habe von diesem Augenblicke an als Mittlerin zu Gott für das menschliche Geschlecht gebetet; ja sie habe da schon Lieder gemacht (!); sie habe später das Fest ihrer eigenen unbefleckten Empfängniß selbst gefeiert“ ꝛc. Zu diesem Buche hat der Franziskaner-General Samaniego und der Qualificator der heil. Inquisition Calderon Anmerkungen herausgegeben. Darin schreibt der letztere: daß Gott nichts ohne Einrath der heiligen Maria thue und daß dieselbe auf dem göttlichen Throne zur Rechten Christi sitze. (Siehe Löscher's Nachrichten von theologischen Büchern, Urkunden ꝛc. Jahrg. XV., S. 1118 f.) Nachdem wir die Geduld unserer Leser durch die Länge des vorstehenden Artikels vielleicht schon auf eine zu harte Probe gestellt haben, erlauben wir uns nur noch einige kurze Bemerkungen hinzuzufügen. 1. Gibt es irgend eine Lehrgeschichte, welche es beweist, wie übel es um