# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1855_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Das neueste papistische Concil ꝛc. gelassen, es sagt jedoch nur, am Schlusse des Decrets von der Erbsünde: „Doch erklärt die h. Synode, es sei nicht ihre Absicht, unter diesem Decrete die selige und unbefleckte Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, mit zu begreifen; sondern es seien zu beobachten die Constitutionen Sixtus des IV. unter den darin angedroheten Strafen.“ Als sich daher die Dominikaner im Jahre 1614 gegen den spanischen Franziskaner Franc. de San Jago, der die unbefleckte Empfängniß vertheidigte, erhoben, mußten sie bald, durch päbstliches Einschreiten zurückgewiesen , den Kürzern ziehen (obwohl noch 1622 Pabst Gregor XV. erklärte, daß es der göttlichen Weisheit noch nicht gefallen habe, dieses Geheimniß ihrem Statthalter auf Erden zu offenbaren.) So siegreich nun bis diese Stunde die Parthei, welche die unbefleckte Empfängniß vertheidigte, in der römischen Kirche war, so ist dieselbe doch in sich selbst nichts weniger als einig gewesen, darüber nehmlich, wie man sich denn eigentlich dieses angebliche Geheimniß zu denken habe. 1. Einige meinen, für Maria sei nicht einmal eine Möglichkeit in Adam mit zu sündigen gewesen, denn das Verbot, von dem Baume des Erkenntnisses Gutes und Böses zu essen, sei zwar Adam für ihn und alle seine Nachkommen gegeben, aber Maria ausgenommen gewesen, daher sie wohl in Adam mit gegessen, aber damit keine Sünde begangen habe. Bellarmin jedoch, der dieß als eine von den Erklärungsweisen mancher lib. 4. de amiss. gratiae c. 19. anführt, erklärt dieselbe für „nicht sehr sicher.“ So lehrten aber Val. Gerardus, Catharinus Senensis, Vignerius u. A. 2. Andere sagen, daß Maria an dem Fall nicht theil genommen habe, ohne das Wie? näher zu bestimmen. So heißt es z. B. in den „Geistlichen Gesängen zu Gebrauch der heiligen Mission. Mainz 1720.“ Seite 22.: „Als die ersten Eltern giengen, Wo verbotne Aepfel hiengen, War Maria nicht dabei.“ 3. Andere behaupten, in Adam sei ein Theilchen seines Leibes auch bei dem Falle rein geblieben, dieses auf die ganze Reihe von Mittelgliedern gelangt und rein erhalten worden bis auf Joachim und Anna, die Eltern Mariä, und aus diesem reinen Theilchen sei die Natur der ewigen Jungfrau gebildet worden . Dieß schreibt z. B. der Franciskaner Petrus Galatinus, Leo des X. Beichtvater, mit klaren Worten lib. 7 de arcanis; ebenso Franziskus Guerra (gest. 1559 als Bischof zu Placencia) in Majestas gratiarum Deiparae Tom. I. p. 83. Es ekelt uns, die betreffenden Stellen wörtlich mitzutheilen, (Vergl. Gerh. Conf. cath. f. 1398 und Sammlung von Alten und Neuen Sachen, Jahrg. XXXIII. S. 386. 387.) 4. Wieder andere behaupten, leiblich sei Maria wohl wie andere Menschen empfangen worden, aber ihre Seele sei von dem ersten Augenblick der Erschaffung und Eingießung an ohne den Flecken der Erbsünde gewesen, so daß also die ganze Person Mariens , so bald sie existirte, keine Sünde an sich gehabt habe; und dadurch unterscheide sich Maria von den übrigen Heiligen, welche durch die Gnade des