# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1855_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Das neueste papistische Concil ꝛc. namset, stand der Orden der Franziskaner oder der Orden der Minoriten, jener zu den Barfüßern gehörende Bettelorden, der bekanntlich von seinem Stifter, Franziskus, behauptete, derselbe sei Christo selbst in vielen Beziehungen gleichgestellt (man zählt vierzig conformitates auf) und ihm sei der von Lucifer bei seiner Verstoßung leer gelassene Stuhl, höher als die aller übrigen Engel, eingeräumt, also des Teufels Pabst im Himmel. Zu den Franziskanern hielten in diesem Punkte später auch die Jesuiten. Von diesen schreibt Pabst Benedikt XIV.: „Der selige Ignatius, welcher das Lager der streitenden Kirche mit neuen Legionen unter dem Banner des Namens JEsu vermehrte, hielt überaus weislich dafür, daß das passendste Präsidium in den Schutz und Schirm der heiligen Jungfrau zu stellen sei.“ (Instit. Soc. J. I, 240.) Daher gehen denn die Jesuiten in dem Punkte von der Empfängniß mit Wissen und Willen selbst von ihrem Lehrerfürsten Thomas ab. Es heißt ausdrücklich in dem Institutum nach der Empfehlung des Thomas: „Von der Empfängniß der seligen Maria aber folge man der Meinung, welche zu dieser Zeit allgemeiner und mehr bei den Theologen angenommen ist.“ (L. c. 553.) Wissen wir ja schon, daß sich diese Herrn in Sache des Lebens wie der Lehre unbedenklich in die Zeit zu schicken wissen. Jene beiden Partheien haben sich denn mitten in der römischen Kirche über die zwischen ihnen streitige Lehre so sehr erhitzt, daß die Päbste und Concilien in der geforderten Entscheidung der Frage große Vorsicht und Behutsamkeit anwenden mußten, um nicht das Auseinandergehen ihres ganzen großen Kirchengebäudes zu riskiren. Mit welchem Ingrimm von jenen Söhnen der Einen Mutter, die die Einheit im Glauben als ein Hauptkennzeichen aufstellt, daß sie die wahre Kirche sei, gestritten wurde, dafür bietet uns die Geschichte merkwürdige Belege dar. Löscher hat in seinen „Unschuldigen Nachrichten“ im 15. Jahrgang ein altes Büchlein vom Jahre 1509 zum Theil abgedruckt, das den Titel trägt: „Die war History von den vier Ketzer Prediger Ordens zu Bern.“ Darin wird erzählt, wie vier Dominikaner in genannter Stadt allerlei Spuk getrieben hatten, um die Lehre der Franziskaner von der unbefleckten Empfängniß zu widerlegen, daß sie unter Anderm Erscheinungen der Maria zu diesem Zwecke aufgeführt, ein Marienbild weinen gemacht, dem Teufel sich verschrieben hatten u. dergl., und daß dieselben in Folge dessen am letzten März des Jahres 1509 zu Bern als Ketzer verbrannt worden seien. *) Der Geschichte ist ein Lied auf Maria angehängt, darin es u. A. heißt: ──────────── *) Aehnlicher Betrügereien zu Stützung ihrer Lehre haben sich übrigens auch die Franziskaner nicht selten schuldig gemacht. Unter Anderem wiesen die Dominikaner ihnen nach, daß ein altes Document, welches man in einem Thurme in Granada 1588 gefunden hatte und das ein angebliches Decret der Apostel enthielt: „Die heil. Maria sei ohne Sünde empfangen und wer das nicht lehren werde, solle verbannt sein“, eine nichtswürdige Erdichtung sei. (Siehe: Miscell. Traits by Mich. Geddes. I. 4.)