# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1855_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das neueste papistische Concil ꝛc. 23 Wenn die Seele der seligen Jungfrau niemals von der Befleckung mit der Erbsünde angesteckt gewesen wäre, so würde dieß die Würde Christi schmälern, nach welcher er der allgemeine Heiland Aller ist. Obgleich die römische Kirche die Empfängniß der seligen Jungfrau nicht feiert, so duldet sie doch den Gebrauch einiger Kirchen, welche jenes Fest feiern. Daher ein solches Fest nicht gänzlich zu verwerfen ist. Doch dadurch, daß das Fest der Empfängniß gefeiert wird, wird nicht zu verstehen gegeben, daß sie in ihrer Empfängniß heilig gewesen sei; sondern, weil man nicht weiß, zu welcher Zeit sie geheiligt worden sei, feiert man vielmehr das Fest ihrer Heiligung, als ihrer Empfängniß, am Tage ihrer Empfängniß.“ (Summa theol. P. III. q. 27. Art. 1. 2.) In gleicher Weise sprechen sich auch aus Alexander Alesius (gest. 1245.) P. III. q. 9. Albertus Magnus (gest. 1280.) P. III. dist. 3. u. A. Der erste bedeutende Schriftsteller der römischen Kirche, welcher die unbefleckte Empfängniß der heiligen Jungfrau vertheidigte, war merkwürdiger Weise der sceptische und was freilich hierbei weniger widersprechend ist, pelagianisirende Scholastiker Johannes Duns Scotus, genannt Doctor subtilis oder besser Quodlibetarius. Die Vertheidigung war aber auch bei ihm noch ziemlich furchtsam. Scotus (gest. 1308.) schreibt u. A. Folgendes: „Gott konnte machen, daß sie nie in der Erbsünde gewesen wäre; er konnte auch gemacht haben, daß sie nur einen Augenblick in der Sünde war; er konnte auch machen, daß sie eine Zeitlang in der Sünde war und in dem letzten Punkte jener Zeit gereinigt wurde. — Was aber von diesem Dreifachen, was als möglich erwiesen worden ist, geschehen sei, weiß Gott; wenn es der Auktorität der Kirche oder der Auktorität der Schrift nicht widerstreiten sollte, so scheint das Annehmbare zu sein, das der Maria zuzuschreiben, was sie mehr auszeichnet.“ (In Sent. lib. III. dist. 3. q. 1. § 9.) Entschiedener noch spricht sich Scotus nachher aus, nehmlich folgendermaßen: „Die selige Jungfrau, die Mutter Gottes, war nie in der That eine Feindin“ (Gottes? Röm. 5, 10.) „durch eine wirkliche Sünde, auch nicht durch die Erbsünde (sie wäre es aber gewesen, wenn sie nicht davor bewahrt worden wäre.)“ (L. c. dist. 18. q. 1. § 13.) Von dieser Zeit an sehen wir denn nun auch zwei einander gegenüberstehende Partheien in der römischen Kirche bis auf die neueste Zeit, von denen die eine die Lehre von der unbefleckten Empfängniß Mariens bestritt und als eine unbiblische und unkirchliche Lehre verwarf, von ihrem Gewährsmann Thomisten genannt, in welcher Parthei der Orden der Dominikaner oder der Predigerorden, seltsamer Weise gerade jener Orden, der sich bekanntlich später der Inquisition bemächtigte, den Reigen führte; an der Spitze der andern Parthei, die die Lehre von der unbefleckten Empfängniß aufs äußerste vertheidigte, von ihrem Vorkämpfer Scotisten be-