# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1855_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Das neueste papistische Concil ꝛc. eine unbefleckte Geburt zuschreiben, obwohl sie die unbefleckte Empfängniß derselben noch nicht zugestehen mögen. Petrus Lombardus, (gest. 1164.): „Allerdings kann nach dem Zeugniß der Heiligen gesagt und geglaubt werden, daß selbst das Fleisch des (persönlichen ewigen) Wortes vorher der Sünde unterworfen gewesen, wie das übrige Fleisch Mariens, daß es aber durch die Wirkung des heil. Geistes gereinigt worden sei, so daß es von aller Befleckung frei mit dem Wort vereinigt wurde.“ (3. Sent. dist. 3. lit. A.) Bonaventura (gest. 1274.): „Wir müssen dafür halten, wie denn die gemeine Meinung ist daß die Heiligung der Jungfrau geschehen sei nach Verschuldung der Erbsünde.“ (In lib. 3. dist. 3. Pars 1. art. 1. q. 2.) Zu den Hauptgegnern der Lehre von der unbefleckten Empfängniß gehört selbst Thomas von Aquino, erklärtermaßen der größte Theolog der römischen Kirche. Von ihm heißt es unter anderem in dem Institutum der Jesuiten: „Unsere Doktoren sollen in der Schultheologie der Lehre des heiligen Thomas folgen und hinfort sollen nur solche zu den theologischen Stühlen promovirt werden, welche dem heiligen Thomas wohl geneigt sind, die hingegen für diesen Autor wenig eingenommen oder auch demselben abgeneigt sind, sind von dem Amte zu lehren zurückzuweisen. Die Unseren sollen durchaus den heiligen Thomas für den eigentlichen Lehrer halten und verbunden sein, ihm in der scholastischen Theologie zu folgen. Da die Constitutionen ermahnen, die Lehre Eines Schriftstellers in der Gesellschaft auszuwählen , so kann man zu dieser Zeit die Lehre Keines antreffen, welche gründlicher und sicherer wäre als jene, so daß der heilige Thomas nicht mit Unrecht für den Fürsten unter den Theologen von allen gehalten wird.“ (Instit. I. fol. 553. 560.) So schreibt aber dieser „Fürst unter den Theologen ,“ Thomas: „Von der Heiligung der seligen Maria, daß sie nehmlich in Mutterleib geheiligt worden sei, wird nichts in den canonischen Schriften gemeldet, die auch ihrer Geburt keine Erwähnung thun ... Eine Heiligung der seligen Jungfrau vor ihrer Belebung kann aus doppeltem Grunde nicht (darunter) verstanden werden. Erstlich nehmlich, weil die Heiligung, von der wir reden, nichts anderes ist als eine Reinigung von der Erbsünde. Eine Schuld aber kann nicht ausgetilgt werden, außer durch eine Gnade, deren Subject allein eine vernünftige Creatur ist. Und darum ist die selige Jungfrau nicht vor Eingießung der vernünftigen Seele geheiligt worden. Zweitens weil, da allein eine vernünftige Creatur eine Schuld verwirken kann, vor der Eingießung der vernünftigen Seele die empfangene Frucht keiner Schuld unterworfen ist. Und so wäre, auf welche Weise auch immer die selige Jungfrau vor ihrer Belebung geheiligt worden wäre, sie nie mit der Erbschuld besleckt worden und so hätte sie keiner Erlösung bedurft und keines Heils durch Christum. Dieß ist aber ungereimt, weil (dann) Christus nicht aller Menschen Seligmacher wäre.—