# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1855_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 Das neueste papistische Concil ꝛc. dieselbe aus. So schreibt z. B. Bernhard von Clairvaux (gest. 1153.) an jene Canoniker zu Lyon: „Wir wundern uns nicht wenig, wie es einigen von euch zu dieser Zeit gut gedäucht hat, eine so gute Farbe zu verändern, indem sie eine neue Feier einführen, von welcher der Gebrauch der Kirche nichts weiß, der durch keinen Grund gerechtfertigt wird, den die Tradition des Alterthums nicht empfiehlt... In der Kirche und von der Kirche habe ich gelernt, die Geburt der Jungfrau für herrlich und heilig unzweifelhaft anzusehen, indem ich mit der Kirche durchaus festhalte, daß sie im Mutterleib erhalten habe, heilig zur Welt zu kommen. Sintemal ich auch von Jeremias lese, daß er, ehe er geboren wurde, geheiligt worden sei (Jer. 1, 5.); auch von Johannes dem Täufer glaube ich nicht anders, welcher aus Mutterleib den HErrn im Mutterleib wahrnahm (Luc. 1, 41.).— Inwiefern übrigens eben diese Heiligung wider die Erbsünde, entweder für diesen oder jenen Propheten, kräftig gewesen sei, — mag ich nicht unbedachtsam aussprechen. — Das, wovon man weiß, daß es nur wenigen Sterblichen verliehen war, darf man billig einer so großen Jungfrau nicht versagt achten, durch welche alles dem Tode Unterworfene zum Leben erhoben wurde. Auch die Mutter des HErrn war ohne Zweifel eher heilig als geboren. Auch täuscht sich allerdings die heilige Kirche nicht, wenn sie ihren Geburtstag heilig achtet und jedes Jahr mit Freuden festlich in aller Welt begeht. Ich für meinen Theil meine, daß auch ein reicherer Segen der Heiligung auf sie herabgekommen ist, welcher nicht nur ihre Geburt heiligte, sondern auch hernach ihr Leben vor aller Sünde bewahrte, was man keinem anderen unter denen, die von Weibern geboren wurden, geschenkt erachtet. Heilig ist also die Geburt, weil die aus ihrem Leibe hervorgehende unermeßliche Heiligkeit dieselbe heiligte. Was meinen wir nun noch zu diesen Ehren hinzuthun zu müssen? Man sagt: daß auch die Empfängniß geehrt werde, die der zu ehrenden Geburt vorausgieng; weil, wenn jene nicht vorausgegangen wäre, auch diese nicht sein würde, die man ehrt. Wie? wenn ein anderer aus derselben Ursache behauptete, daß auch beiden Eltern derselben die Ehren eines Festes zu erweisen seien? Aber für die Großeltern und Urgroßeltern könnte dann ein jeder aus einem ähnlichen Grunde dasselbe fordern: und so gienge es ins Unendliche fort und der Feste wäre keine Zahl... Doch, wie man sagt, wird die Schrift einer höhern Offenbarung dafür vorgebracht. Gleich als ob nicht auch ein jeder ebenfalls eine Schrift produciren könnte, worin die Jungfrau dasselbe auch von ihren Eltern zu befehlen schiene! Es ist mir nicht schwer zu glauben, daß man durch solche Schriften nicht bewogen werde, wo man weder einen Grund noch eine für die Sache sprechende Auktorität findet. Denn was hat das für eine Folge, daß, weil die Empfängniß einer heiligen Geburt vorhergegangen ist, darum auch jene selbst für heilig angesehen werde? Da jene wohl vorhergieng, daß diese sei, nicht aber daß sie heilig sei. Denn woher wäre jener die Heiligkeit, die sie der folgenden (Geburt) überbrächte? Oder mußte nicht vielmehr, weil die