# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 05 02_S70 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) ben ihren Samen säen und Gift ausblasen, wenden die Leute ab von ihren rechten Pfarrkirchen. Da siehe doch den rechten Teufelstritt und ⸗Griff, wie er das Licht scheuet und im Finstern mauset. Wer ist so grob, der hier nicht merken könnte, daß es rechte Teufelsboten sind? Wären sie von Gott und rechtschaffen, so würden sie zu allererst sich zum Pfarrherrn finden, und mit demselbigen handeln, ihren Beruf anzeigen, und erzählen, was sie gläubten, und ob sie derselbe wolle zulassen öffentlich zu predigen. Würde sie der Pfarrer alsdenn nicht zulassen, so wären sie entschuldigt vor Gott, und möchten alsdenn den Staub von ihren Füßen abschlagen. Denn der Pfarrherr hat ja den Predigtstuhl, Taufe, Sacrament inne, und alle Seelsorge ist ihm befohlen. Aber nun wollen sie den Pfarrherrn heimlich ausbeißen mit allem seinem Befehl, und doch nicht anzeigen ihren heimlichen Befehl; das sind rechte Diebe und Mörder der Seelen, Lästerer und Feinde Christi und seiner Kirche. Hier ist nun wahrlich kein anderer Rath, denn daß beide Aemter, geistlich und weltlich, dazu thun mit allem Fleiß. Das geistliche muß wahrlich das Volk stets und mit Fleiß unterrichten, dieses obgenannte Stück einbilden, daß sie keinen Schleicher zulassen und gewißlich für Teufelsboten erkennen und lerne sie fragen: Woher kommst du? wer hat dich gesandt? wer hat dir befohlen, mir zu predigen? Wo hast du Siegel und Briefe, daß du von Menschen gesandt seiest? Wo sind deine Wunderzeichen, daß dich Gott gesandt hat? Warum gehest du nicht zu unserm Pfarrherr? warum schleichest du so heimlich zu mir, und kreuchest in die Winkel? warum trittst du nicht öffentlich auf? bist du ein Kind des Lichts, warum scheuest du das Licht? Mit solchen Fragen, achte ich, sollte man ihnen leichtlich wehren; denn sie können ihren Beruf nicht beweisen, und wenn wir das Volk in solchen Verstand des Berufs könnten bringen, so wäre solchen Schleichern wohl zu steuern. Item, daß man sie auch stets unterrichte und vermahne, solche Schleicher dem Pfarrherrn anzusagen, welches sie auch schuldig sind zu thun, wo sie Christen sein und selig werden wollen. Denn wo sie es nicht thun, da helfen sie den Teufelsboten und Schleichern, dem Pfarrherr (ja Gott selbst), sein Predigtamt, Taufe, Sacrament und Seelsorge, dazu die Pfarrkinder, heimlich stehlen und also die Pfarre, (so Gott verordnet hat,) verwüsten und zunichte machen. Wenn sie solche Vermahnung höreten, und wüßten, daß es die Meinung mit dem Beruf hätte, würden etliche fromme Herzen solche Winkelprediger und Meuchler wohl anzeigen dem Pfarrherr. Denn, wie gesagt, mit dem Beruf, wo man darauf dringet, kann man dem Teufel wohl bange machen. Ein Pfarrherr kann ja rühmen, daß er das Predigtamt, Taufe, Sacrament, Seelsorge öffentlich und mit Recht inne hat, und ihm befohlen sei, bei dem man auch solches suchen und gewarten soll, aber die fremden Schleicher und Meuchler können solches nicht rühmen, und müssen bekennen, daß sie fremde herkommen und in ein fremdes Amt fallen und greifen. Das kann ja nicht der heilige Geist sein, sondern muß der leidige Teufel sein. Das weltliche Amt muß auch darauf sehen, und auch also, wie das geistliche Amt, auf den Beruf dringen und den Schleicher oder seinen Wirth fragen: Woher kommst du? wer hat dich gesandt? ꝛc. wie droben; und den Wirth auch fragen: wer hat dich diesen Schleicher heißen herbergen, seine Winkelpredigt hören? woher weißt du, daß der Befehl habe, dich zu lehren, und du, von ihm zu lernen? Warum hast du es nicht dem Pfarrherr oder uns angesagt? Warum lässest du deine Kirche, da du getauft, gelehrt, berichtet bist, und dahin du gehörst durch Gottes Ordnung, und kreuchest in den Winkel? Warum richtest du ein neues an heimlich und unbefohlen? Wer hat dir die Macht gegeben, dieses Kirchspiel zu trennen und unter uns Rotten anzurichten? Wer hat dir befohlen, deinen Pfarrherr zu verachten, zu urtheilen, zu verdammen im Rücken, ehe er verhört und verklagt ist? Woher bist du solcher Richter über deinen Pfarrherr, ja auch dein eigen selbst Richter worden? Denn solche Untugend und viel mehr begehet ein jeglicher, der sich an die Schleicher hängt, und soll billig darum angesprochen werden. Und ich habe gute Hoffnung, wo die Obrigkeit hierinnen fleißig wäre, es sollte großen Nutzen schaffen, und viel fromme Leute würden sich hüten, und solche Buben helfen ausleuchten, wenn sie wüßten, daß es solche große Gefahr hätte mit den Schleichern, und so viel gelegen sei an dem Berufen oder Befehl. Sonst, wo man nicht auf den Beruf oder Befehl fest stünde und dränge, würde zuletzt keine Kirche nirgend bleiben. Denn gleichwie die Schleicher unter uns kommen und unsere Kirche zertrennen und verwüsten wollen, also würden hernach auch andere Schleicher in ihre Kirche kommen und zertrennen und verwüsten, und fortan würde des Schleichens und Trennens eins über das andere nimmermehr kein Ende, oder müßte ganz nichts mehr von seiner Kirchen bleiben auf Erden. Das wollte und sucht auch der Teufel durch solche Rottengeister und Schleicher.*) *) Wie manches Beispiel hierzu liefert die Gegenwart! Wie viel Gemeinden haben die Methodisten schon zertrennt und verwüstet! Wie reißen diese Schwärmer oft in wenig Wochen durch ihre gleißnerischen Reden ein, was ein anderer armer Prediger in Jahren unter viel Seufzern und Thränen aufgebaut hat! Denn dieselben gehen nicht wie Paulus allein an solche Orte, wo das Evangelium noch nicht gepredigt wird (Röm. 15, 20. 21.), sondern, wo Prediger schon mühsam Grund gegraben und gelegt haben, da bauen sie ihre Capellen von den Stoppeln ihrer Menschengedanken am liebsten auf (1 Cor. 3, 12.) und rühmen sich in fremder Arbeit (2 Cor. 10, 15. 16.), die sie verderbt haben! Prediger, welche jetzt Zerrüttungen ihrer Gemeinden durch methodistische Schleicher und Selbstläufer erfahren, haben sich mit den heil. Aposteln zu trösten, die einst dieselben Erfahrungen gemacht haben. Haben falsche Lehrer die blühendsten Gemeinden der Apostel, in die sie sich einschlichen, mit ihrem heiligen Scheine betrügen, verwirren und von den Aposteln abwendig machen können, was ist's Wunder, wenn jetzt arme unwissende, oder doch ungegründete Gemeinden von ihnen berückt werden? D. H. Darum heißt's also: Entweder beweiset den Beruf und Befehl zu predigen, oder kurzum still geschwiegen und das Predigen verboten. Denn es heißt ein Amt, ja ein Predigtamt. Ein Amt aber kann niemand haben, außer und ohne Befehl und Beruf. Darum spricht auch Christus im Gleichniß, Luc. 19, 31.: Daß der Hausherr seinen Knechten nicht gab die Centner, damit sie handeln sollten, er berief sie zuvor und befahl ihnen zu handeln. Vocatis servis (sagt der Text,) et negotiemini &c. „Er rief seinen Knechten,“ sagt er „und hieß sie mit seinem Geld handeln.“ Ein solch vocatus und Befehl soll der Schleicher auch bringen, oder soll des Herren Geld mit Frieden lassen, oder wird ein Dieb und Schalk erfunden werden.*) *) Dies haben sich die bekehrten, oder vielmehr verkehrten Neulinge zu merken, denen die erlangte Weisheit den Bauch zerreißen will, die daher sagen, sie müßten predigen, damit sie das ihnen anvertraute Pfund nicht vergrüben. D. D. Also gingen auch die Arbeiter nicht in des Hausherrn Weinberg (Matth. 20.), bis sie der Hausherr dingete und hieß gehen, sondern standen vor dem Befehl und Beruf müßig, auch den ganzen Tag. Also spricht Gott auch von solchen Schleichern Jer. 23, 21. „Sie laufen, und ich habe sie nicht gesandt, sie predigen, und ich habe ihnen nichts befohlen.“ Es hat noch große Mühe und Arbeit, daß die recht predigen und bei rechter Lehre bleiben, so von Gott selber, oder durch Menschen an Gottes Statt gewissen Beruf und Befehl haben: was soll's denn sein ohne Gottes Befehl, ja wider Gottes Befehl und Verbot aus lauter Treiben und Hetzen des Teufels predigen? Da muß ja keine andere Predigt gefallen, denn aus Eingebung des bösen Geistes, und muß eitel Teufelslehre sein, sie gleiße wie sie wolle. Wer hatte größeren und gewisseren Beruf, denn Aaron, der erste Hohepriester? Noch fiel er in die Abgötterei und ließ die Jüden das güldene Kalb machen 2 Mos. 32, 4. und hernach das ganze levitische Priesterthum fiel das mehrere Theil alles in Abgötterei und verfolgte dazu Gottes Wort und alle rechte Propheten. So war ja König Salomo auch herrlich genug berufen und bestätigt; noch fiel er in seinem Alter und richtete viel Abgötterei an, 2 Kön. 11, 4. Haben die Bischöfe und Päbste nicht herrlichen Beruf und Befehl? Sitzen sie nicht in der Apostel Stuhl und an Christus Statt? Noch sind sie allesammt des Evangelii ärgste Feinde, schweige daß sie recht lehren sollten und rechten Gottesdienst erhalten. Kann nun der Teufel die Lehrer, so Gott selbst berufen, geordnet und geweihet hat, betrügen, daß sie falsch lehren und die Wahrheit verfolgen, wie sollte er denn durch die Lehrer, so er selbst ohne und wider Gottes Befehl treibt und geweihet hat, etwas Gutes und nicht vielmehr eitel teuflische Lügen lehren? Ich hab es oft gesagt und sage es noch, ich wollte nicht der Welt Gut nehmen für mein Doctorat. Denn ich müßte wahrlich zuletzt verzagen und verzweifeln in der großen, schweren Sache, so auf mir liegt, wo ich sie als ein Schleicher hätte ohne Beruf und Befehl angefangen. Aber nun muß Gott und alle Welt mir zeugen, daß ich's in meinem Doctoramt und Predigt-