# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1855_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das neueste papistische Concil ꝛc. 15 Daß in den ersten Jahrhunderten, in welchen man in der Christenheit noch nicht wissentlich von der apostolischen Lehre abging, die liebe Mutter unseres hochgelobten HErrn und Heilandes JEsu Christi noch nicht für ein sündloses Wesen erklärt wurde, versteht sich von selbst und bedarf um so weniger eines Beweises, als viele Papisten uns dieß selbst und mehr noch zugestehen. So schreibt z. B. der berühmte päbstliche Theolog Melchior Canus (gestorben zu Toledo 1560) im 7. Buch seiner loci theologici, im 1. Capitel, in der 1. Nummer: „Aus dieser Stelle (Röm. 5, 12. ‚dieweil sie alle gesündigt haben‘) haben alle Heiligen, die darauf gekommen sind, der Sache Erwähnung zu thun, mit Einem Munde versichert, daß die selige Jungfrau in der Erbsünde empfangen worden sei. Dieses hat nehmlich Ambrosius behauptet; dieses Augustinus, Chrysostomus, Eusebius Emissenus , Remigius, Maximus vertheidigt. Dasselbe bestätigt auch Beda, Anselmus , Bernhardus, Erardus, der h. Antonius Paduanus, der h. Bernhardinus, der sel. Bonaventura, Thomas, Vincentius, Antoninus, Damascenus, Hugo de S. Victore. Es kann auch nicht gesagt werden, daß dieß (Dogma) durch Tradition der Apostel auf die Kirche gekommen sei, da dergleichen Traditionen nicht durch andere, als durch jene alten Bischöfe und heiligen Schriftsteller, die den Aposteln folgten, bis zu uns gekommen sind. Es ist aber bekannt, daß jene alten Schreiber dieß nicht von ihren Vorfahren empfangen haben. Denn sie würden es sonst auch selbst in gutem Glauben ihren Nachkommen überliefern. Jenes kann daher den Glauben nicht betreffen, da es weder in der heiligen Schrift oder in den apostolischen Traditionen gefunden wird, noch aus einer gewissen Verknüpfung (mit andern Lehren) festgestellt zu werden vermag.“ (p. 217.) — Wer muß nicht staunen, hier zu lesen, wie ein angesehener römischer Theolog bereits vor 300 Jahren der jetzigen römischen Kirche bei ihrem Vorhaben, dennoch die Lehre von der unbefleckten Empfängniß der Maria zu einem Glaubensartikel zu erheben, den Weg verrannt und den Stab gebrochen hat? Im Folgenden setzt Canus noch hinzu, daß auch „kein Heiliger dieser Versicherung widersprochen habe.“ Und Canus ist bei dieser Behauptung in vollem Rechte, denn in der That haben „alle Heiligen“ bis zum Aufkommen des Pabstthums mit seinen abgöttischen Gräueln mit Einem Munde Folgendes gelehrt und bekannt: 1. daß Christus allein ohne Sünde empfangen worden und allein „heilig, unschuldig, unbefleckt und von den Sündern abgesondert“ sei (Ebr. 7, 26.) und daher allein zu seinen Feinden habe sagen können: „Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen?“ (Joh. 8, 46.) 2. Daß alle, welche natürlicher Weise von Adam abstammen, mit der Erbsünde behaftet geboren werden (nach Röm. 5, 12. und Joh. 3, 6.). 3. Daß die Blutströpflein in dem Leibe der Maria, aus welchen Christi Menschheit durch den heiligen Geist gebildet worden ist, erst geheiligt und daß also aus denselben erst alle Unreinigkeit der Sünde entfernt worden ist. 4. Daß die heilige Jungfrau selbst nicht von allen wirklichen Sünden,